Sachsen-Anhalt Archive | Reiselust-Mag https://www.reiselust-mag.de/tag/sachsen-anhalt/ Reisetipps für Bestager Sun, 17 Nov 2024 22:07:00 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.5.5 https://www.reiselust-mag.de/wp-content/uploads/cropped-Logo-Reiselust-32x32.png Sachsen-Anhalt Archive | Reiselust-Mag https://www.reiselust-mag.de/tag/sachsen-anhalt/ 32 32 Drömling: herbstliche Radtour durch das Land der 1000 Gräben https://www.reiselust-mag.de/droemling-herbstliche-radtour-durch-das-land-der-1000-graeben/ Tue, 15 Oct 2024 11:24:41 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=6348 Gräben, Kanäle, sumpfige Wiesen, auf denen Störche auf Futtersuche sind: Der Drömling an der Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen ist zu jeder Jahreszeit ein Idyll und fasziniert immer wieder aufs Neue.

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An einem sonnigen Sonntag im Herbst brechen wir auf zu einer Radtour im Drömling. Wir wollen ab der Kolonie Bergfriede am Mittellandkanal entlang in Richtung Calvörde radeln. Das dünn besiedelte, sumpfige Gebiet an der Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen wird auch „Land der 1000 Gräben“ genannt. Der Drömling gilt als Rückzugsgebiet für seltene oder vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

Vom Sumpfwald zum Biosphärenreservat Drömling

Wo sich heute Felder, Weiden, Flachwasserzonen und ein verzweigtes Kanalsystem ausdehnen, erstreckte sich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ein unzugänglicher Sumpfwald. Die Flüsse Aller und Ohre wanden sich mit ihren unzähligen Nebenarmen durch eine Art Urwald. Menschen lebten nur auf einigen Hügeln, die während des Frühlingshochwassers nicht überflutet wurden. Diese Stellen wurden Horste genannt.

Im Jahr 1770 befahl Friedrich der Große, volkstümlich auch „der Alte Fritz“ genannt“, den östlichen Teil des Drömlings zu roden, zu entwässern und landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Auf die Initiative des preußischen Königs geht übrigens auch die Entwässerung des Oderbruchs in Brandenburg zurück.

Ohre-Schleuse im Drömling. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Historische Schleuse an der Ohre.

Im Drömling wurden bis 1801 in Handarbeit rund 200 Kilometer Kanäle und Gräben angelegt sowie 32 Brücken, 16 Schleusen und Dienstgebäude für die Grabenmeister gebaut. Daneben entstanden Kolonien als Wohnorte für die Menschen, die sich nun im Drömling ansiedelten.

Ohre und Drömling Informationshaus Kämkerhorst. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Das heutige Informationshaus Drömling in Kämkerhorst fungierte früher als Grabenmeisterei.

Im östlichen, sachsen-anhaltinischen Teil des Drömlings stand mehr als 200 Jahre lang die bedingungslose Nutzbarmachung der Natur im Vordergrund. Man legte Moordammkulturen an und baute den Mittellandkanal, Deutschlands längste künstliche Wasserstraße.

Später wurden Naturschutzprojekte ins Leben gerufen und Flächen teilweise wieder dem Wasser überlassen. Es entstand eine in Deutschland einzigartige, ökologisch wertvolle Niedermoorlandschaft. Seit Juni 2023 ist der Drömling bundesländerübergreifendes UNESCO-Biosphärenreservat.

Radfahren und Wandern im Naturpark Drömling

Hier radeln wir nun auf dem gut befahrbaren Weg immer am Mittellandkanal entlang. An der Flachwasserzone Mannhausen, die übrigens im Zuge des Kanalbaus von Menschenhand geschaffen wurde, können wir das quirlige Treiben der Vögel beobachten. Zudem weiden hier Wasserbüffel.

Drömling, Radweg am Mittellandkanal bei Piplockenburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Auf dem Radweg am Mittellandkanal bei Piplockenburg.

Ziel im Vogelschutzgebiet Drömling: Flachwasserzone Mannhausen

Die Flachwasserzone Mannhausen bei Piplockenburg ist durch Wege und Beobachtungshütten sehr gut erschlossen. Hier beobachtet man Seeadler, Störche und Kraniche, den Eisvogel und die Bekassine.

Wer diese Zone umrundet, kann am angrenzenden Allerkanal und an der Ohre möglicherweise Laubfrösche und Fischotter und ganz bestimmt Libellen beobachten.

Vogelschutzgebiet Flachwasserzone Mannhausen, Drömling. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Blick vom Beobachtungsstand auf die Flachwasserzone Piplockenburg/Mannhausen.

Vogelschutzgebiet Flachwasserzone Mannhausen, Drömling. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Auf der eigens für die Vögel angelegten Insel herrscht reger Betrieb.

Zwei Rundwanderwege laden ein, die Flachwasserzone Mannhausen zu umrunden. Sie sind 6,1 und 7,8 Kilometer lang. Beide Wege führen durch die angrenzende Kolonie Piplockenburg. Hier soll die Gaststätte „Drömlingsklause“ hervorragende Gerichte mit Wasserbüffel-Fleisch aus eigener Zucht anbieten. Der kürzere Weg führt am Allerkanal entlang, der längere an der begradigten Ohre und am Informationshaus Kämkerhorst.

An der „Drömlingsklause“ beginnt ein 2,5 Kilometer langer Fischotter-Erlebnispfad. Familien wandern hier am Allerkanal entlang und lernen an Infotafeln und interaktiven Stationen den Fischotter näher kennen.

Wandern im Wendschotter und Vorsfelder Drömling

Auch im niedersächsischen Teil des Drömlings lässt es sich schön wandern. Für das Bürgermagazin „Dein Wolfsburg“ habe ich eine Wanderung im Wendschotter und Vorsfelder Drömling unternommen. Hier lest ihr darüber.

Vorsfelder und Wendschotter Drömling, Wassergraben. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Wanderweg im Vorsfelder Drömling bei Wolfsburg, Niedersachsen

Mit dem Fahrrad an der Ohre entlang und nach Breiteiche

Wir radeln nach dem Stopp an der Beobachtungshütte zurück nach Piplockenburg, um dem Drömling etwas näher zu kommen. Am Informationshaus Drömling Kämkerhorst biegen wir ab und fahren an der Ohre entlang. Rund um das „Deutsche Eck“ entdecken wir einige schöne und gut frequentierte Rastplätze. Wir haben jedoch außer Wasser nichts dabei und die Mägen knurren. Deshalb geht es durch Felder – immer der Ausschilderung folgend – weiter zur Kolonie Breiteiche.

Den Rückweg treten wir wieder an der Ohre an, die unter Bäumen vom orangenen Licht der Nachmittagssonne verzaubert wird. Über Brücken, vorbei an Schleusen und durch pilzreiche Wälder erreichen wir wieder unseren Ausgangsort am Mittellandkanal in Bergfriede.

Mittellandkanal mit Anlegern bei Bergfriede im Drömling. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Charakteristischer Einstieg zur Drömling-Radtour: Bootsanleger am Mittellandkanal bei Bergfriede.

Gaststätten und Cafés im Biosphärenreservat Drömling

Radfahrer und insbesondere Wanderer sind gut beraten, sich vor einer Tour im Drömling über Einkehrmöglichkeiten zu informieren. Denn der Hinweis auf die geringe Bevölkerungsdichte in diesem sumpfigen Landstrich ist durchaus ernst zu nehmen. So gibt es beispielsweise im Herzen des Drömling um Buchhorst zwischen Neuferchau, Rühen und Miesterhorst weder Cafés noch andere Lokale. Es empfiehlt sich also, ausreichend Getränke und eine Stärkung einzupacken und zu picknicken.

Auch wir müssen an diesem Tag unsere Radtour ausdehnen. An unserem eigentlichen Ziel, der Drömlingsklause in Piplockenburg/Mannhausen stellen wir fest, dass die Gaststätte wegen Urlaubs geschlossen ist. Das heißt: Vorfreude auf Wasserbüffel-Burger abstellen, wieder in den Sattel und weiter zur Kolonie Breiteiche.

Radtour an der Ohre im Drömling. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Rad- und Wanderweg entlang der Ohre bei Kämkerhorst.

Das Breiteicher Wiesencafé hat zum Glück geöffnet. Auf der Terrasse mitten in der Natur finden wir einen freien Tisch und genießen die wärmende Herbstsonne. Hier sind Kuchen und Torten selbstgemacht und wirklich lecker. Wir probieren Ozean-Torte mit Stachelbeeren, Baiser und Sahne und Milchreistorte mit Brombeeren. Von letzterer bestellen wir noch ein zweites Stück: Die Milchreistorte ist der Hammer!

Torte Breiteicher Wiesencafé im Drömling. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Im Breiteicher Wiesencafé kommen hausgemachte Torten auf den Tisch. Lecker!

Öffnungszeiten des Breiteicher Wiesencafés

Sommersaison: Donnerstag bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr; Wintersaison: Samstag und Sonntag, 14 bis 18 Uhr

Die Gaststätten und Cafés im Drömling sind auf der Webseite des Biosphärenreservats Drömling mit Öffnungszeiten und Kontaktdaten aufgelistet. Wenn ihr weitere Lokale im Drömling kennt, lasst gerne einen Kommentar hier oder schreibt mir eine Email.

Alle Fotos: Beate Ziehres

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10 Routen zu den schönsten Kirchen der Altmark https://www.reiselust-mag.de/kirchen-altmark/ Sun, 18 Aug 2024 22:05:17 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=6281 Die Altmark ist reich an sehenswerten Kirchen und Klöstern. 10 touristische Routen dienen als Wegweiser zu den 70 schönsten sakralen Bauwerken im Norden Sachsen-Anhalts.

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(Werbung) Besucher der Altmark suchen im Norden Sachsen-Anhalts Ruhe, aber auch kulturelle Erlebnisse. Wo könnte sich beides besser vereinen, als in den bezaubernden Kirchen und Klöstern zwischen Salzwedel und Stendal? Rund 500 kunst- und kulturhistorisch wertvolle Sakralbauten finden sich in der Altmark. Der Altmärkische Regionalmarketing- und Tourismusverband (ART) hat 10 Routen entwickelt, die zu den 70 schönsten Kirchen der Altmark führen.

Für einen kleinen Road Trip habe ich mir die Kirchenroute Nr. 6 ausgesucht. Sie gilt auch als Barock-Kirchen-Tour. Auf einer Länge von rund 130 Kilometern fasst die Route neun sehenswerte sakrale Bauwerke zwischen Salzwedel und Stendal zusammen.

Dom St. Nikolaus und St. Marienkirche in Stendal

Die Kirchenroute Nr. 6 nimmt ihren Ausgang in Stendal, der „Hauptstadt“ der östlichen Altmark. Stendal beheimatet gleich zwei kunstgeschichtlich herausragende Gotteshäuser: den Dom St. Nikolaus und die Stadt- und Ratskirche St. Marien. Beide Kirchen sind Werke der Backsteingotik und im 15. Jahrhundert in ihrer heutigen Form entstanden. Bei meinem Besuch fand ich beide auf unterschiedliche Art sehr beeindruckend.

Die sehenswertesten Elemente des Doms St. Nikolaus sind die großflächigen Glasmalereifenster. Sie sind beispielsweise im Altarraum mit Originalverglasung aus dem 15. Jahrhundert erhalten und zaubern ein geradezu mystisches Licht. Auch das spätgotische Chorgestühl hat mir sehr gut gefallen.

Stendal, Blick zu Chorschranke und Altar der Marienkirche. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Blick von der Empore zu Chorschranke und Altar der Marienkirche.

In der St. Marienkirche haben zuerst die filigrane Chorschranke und der prächtige Hochaltar meine Aufmerksamkeit erregt. Hier könnte man ewig im abgeschirmten Chorraum verweilen, um die Bildgeschichten, die der Flügelaltar erzählt, zu betrachten. Doch St. Marien ist auch für seine Glocken berühmt. Deshalb lohnt sich der Weg hinauf auf den Glockenturm unbedingt.

Stiftskirche St. Nikolaus in Beuster

Dass Beuster direkt an einem Altarm der Elbe und damit im UNESCO Biosphärenreservat Mittelelbe liegt, ist mir erst gar nicht aufgefallen. Wohl aber, dass sich hier Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Die romanische Augustiner-Stiftskirche wirkt überdimensioniert im 200-Seelen-Dorf Beuster. Dabei war sie ursprünglich noch größer.

St. Nikolaus Beuster, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Stiftskirche St. Nikolaus in Beuster

Dr. Volker Stephan berichtet, dass der romanische Turm der Kirche im Jahr 1500 abgebaut und ein neuer gotischer Turm in das Kirchenschiff hineingestellt wurde. Als Vertreter des Fördervereins St.-Nikolaus-Kirche Beuster führt er mich durch das Gotteshaus.

Ich erfahre, dass die dreischiffige Backsteinbasilika im 12. Jahrhundert errichtet wurde und damit zu den ältesten Backsteinbauten nördlich der Alpen zählt. Ursprünglich war das Gotteshaus die Kirche des Kollegiatstifts Beuster. Zur mittelalterlichen Klosteranlage zählten neben der Kirche auch ein Kapitelsaal, Schlafsäle und ein Kreuzgang. Der Kreuzgang befand sich in der Stelle, an der heute der Friedhof ist. Im Kloster lebten jedoch keine Mönche, sondern nur Chorherren.

Das Kloster ist heute weitgehend verschwunden. Das gleiche gilt für die Originalausstattung der Kirche. Lediglich der romanische Taufstein ist noch im Original erhalten.

St. Nikolaus Beuster, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die Apsis und das Mittelschiff sind Originalsubstanz aus dem 12. Jahrhundert. Die Seitenschiffe wurden in der Barockzeit (17. Jahrhundert) wiedererrichtet.

Altar und Taufstein St. Nikolaus Beuster. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag St. Nikolaus Beuster, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Einkehrtipp in Beuster: Schäferei Schuster

Nach dem Besuch der Stiftskirche kehre ich in der Schäferei Schuster ein – genau im richtigen Moment, um einem Wolkenbruch zu entkommen. Kerstin Schuster betreibt direkt hinter dem Deich und am Elberadweg einen Hofladen mit gemütlichem Café und sogar eine Ferienwohnung.

Hier gibt es nicht nur alles, was die Deichschafe vom Fell bis zur Lammsalami so hergeben, sondern auch exzellente hausgemachte Hefekuchen und Torten. Ich habe der süßen Verlockung erst einmal widerstanden und stattdessen eine Lamm-Soljanka probiert – köstlich! Als Nachtisch gönne ich mir schließlich ein leckeres Stück Erdbeertorte. Absolut empfehlenswert.

Lamm-Soljanka, Schäferei Schuster. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Erdbeertorte, Schäferei Schuster. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag
Hofladen und Café Schäferei Schuster, Beuster. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Hofladen und Café der Schäferei Schuster.

Öffnungszeiten und Kontakt Hofladen und Café Schäferei Schuster

St.-Petri-Kirche in Seehausen

Vor St. Petri in Seehausen erwartet mich Christian, der erste Türmer der Kirche. Zur Begrüßung stößt er in sein Horn. Doch eigentlich, so lerne ich später, geschah dies früher zu anderen Anlässen. Dazu später mehr.

Christian, erster Türmer der St.-Petri-Kirche in Seehausen, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Christian, der erste Türmer von St. Petri.

Wir betreten die Backsteinbasilika durch einen unspektakulären Seiteneingang. Wieder einmal bin ich beeindruckt von der schieren Größe des Gotteshauses, das zwischen dem 12. und dem 15. Jahrhundert in unterschiedlichen Stilen gebaut und mehrmals umgebaut wurde. Die Außenwände des Langhauses stammen original aus dem 12. Jahrhundert.

Christian alias Dr. Walter Fiedler hat allerhand zu berichten, beispielsweise, dass das Gotteshaus zu seiner katholischen Zeit über 16 Seitenaltäre verfügte. Auch ein dramatischer Vorfall ist überliefert: So sei die Spitze eines Turms im 16. Jahrhundert während des Gottesdienstes abgebrochen und ins Kirchenschiff gestürzt.

St.-Petri-Kirche Seehausen. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

St. Petri Seehausen, Blick zum Altar.

St.-Petri-Kirche Seehausen, barocke Kanzel und Orgel. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Barocke Kanzel und Orgel.

Bemerkenswert ist in St. Petri einiges:

  • ein romanisches Backsteinportal
  • geschnitzter Holzaltar
  • eine fast einzigartige Abendmahl-Darstellung
  • Fund eines Münzschatzes
  • die Türmerwohnung

Romanisches Backsteinportal

Nach der Einleitung treten wir vor das Hauptportal von St. Petri. Es liegt geschützt unter den wehrhaften Westtürmen in einer Kapelle, die im 15. Jahrhundert nachträglich angebaut wurde. Das Portal gilt als eines der schönsten romanischen Backsteinportale in Norddeutschland. Backstein und Sandstein bilden ein romanisches Stufenportal mit eingestellten Säulen.

Holzaltar

Der prächtige Holzaltar verfügt über 152 geschnitzte Figuren. Im unteren Bereich, der sogenannten Predella des Hochaltars, entdecke ich eine Kopie von Leonardo Da Vincis Gemälde „Das letzte Abendmahl“. Dieses Bild wurde erst im 19. Jahrhundert anstelle einer außergewöhnlichen Darstellung dieses Ereignisses eingefügt.

Altar und Taufstein St. Petri Seehausen, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Romanisches Portal der St.-Petri-Kirche Seehausen, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

„Das letzte Abendmahl“ mit liegenden Aposteln

Im Jahr 2022 fand man zufällig in einem Schrank das ursprüngliche Altarbild wieder. Es zeigt Jesus und die Jünger im Gegensatz zu üblichen Darstellung nicht sitzend, sondern liegend beim letzten Abendmahl. In Deutschland ist nur ein vergleichbares Abendmahl-Bild bekannt.

Bild, Jesus und die Apostel beim Abendmahl liegend. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Rare Darstellung des letzten Abendmahls: Jesus und die Apostel liegen zu Tisch.

Ein Münzschatz

Im Jahr 1991 fanden Bauarbeiter in St. Petri einen über Jahrhunderte verborgenen Schatz. In einem Gefäß befanden sich Münzen und Schmuck aus der Zeit zwischen 1535 und 1635. Demnach muss der Schatz während des Dreißigjährigen Krieges vergraben worden sein. Die Münzen stammten beispielsweise aus den Niederlanden, aus St. Gallen und aus Salzburg. Leider ist der Schatz nicht in Seehausen zu sehen, er wird in Osterburg in einem Museum ausgestellt.

Türmerwohnung

Nun gegen Ende der Führung durch St. Petri habe ich die Gelegenheit zu erkunden, wie es sich in einem Kirchturm lebt. Seit 1680 wohnte über einen Zeitraum von fast 300 Jahren durchgehend ein Türmer mit seiner Familie der Türmerwohnung. Die spartanischen Räume liegen 55 Meter über den Straßen der Hansestadt. Aus den Fenstern bietet sich ein fantastischer Blick über die Dächer Seehausens und der Umgebung.

St.-Petri-Kirche Seehausen, Türmerwohnung. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Türmerwohnung St. Petri Seehausen, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Eindruck Türmerwohnung St. Petri Seehausen, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag
St.-Petri-Kirche Seehausen, Wäschetrockenplatz im Turm. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Wäschetrockenplatz im Turm.

Hier oben finde ich auch das Horn des Türmers wieder. Es hängt griffbereit neben dem Fenster und diente dazu, die Bürger zu warnen, wenn beispielsweise ein Feuer ausgebrochen war. Denn zu den Aufgaben des Türmers gehörte, in kurzen Abständen aus den Fenstern zu schauen, um sich davon zu überzeugen, dass alles seine Richtigkeit hat.

Der Aufstieg über die Holzstiegen ist beschwerlich, aber abwechslungsreich. Ich komme an einem öffentlichen Wäschetrockenplatz, dem Hühner-“Hof“ der Türmerfamilie und an den Glocken vorbei, um nur Beispiele zu nennen. Als Lohn für den Aufstieg überreicht mir Christian zum Abschied den „Türmerling“, einen Kräuterlikör.

Türmerling, Seehausen, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Türmerling.

Arendsee: Klosterkirche, Klosterruine und das „altmärkische Meer“

Auf der Kirchenroute Nr. 6 erreiche ich nun ein weiteres Highlight: Arendsee. An den stillen Wassern des gleichnamigen Sees liegt eine Klosterruine. Die dazugehörige spätromanische Kirche trägt den etwas sperrigen Namen Klosterkirche St. Marien, St. Johannes und St. Nikolaus. Arendsee muss eine gefährliche Gegend sein, dass die Kirche gleich drei Heiligen zum Schutz anbefohlen wurde, denke ich mir.

Der Arendsee

Tatsächlich berichtet die Legende von schrecklichen Ereignissen, die sich hier zugetragen haben sollen. Allein die Entstehungsgeschichte des Sees, der mit bis zu 50 Metern zu den tiefsten Seen Norddeutschlands zählt, jagt mir einen leichten Schauer über den Rücken. Der Arendsee ist durch den Einbruch eines Salzstocks entstanden, der sich vor mehr als 1200 Jahren ereignete.

Bei einem weiteren Einbruch im Jahr 1685 soll sich die Seefläche gleich um 20 Hektar vergrößert haben. Und hier kommen wir zur vermeintlichen Legende, die besagt, dass bei einem schweren Unwetter die Mühle des Ortes vom Wasser verschluckt wurde. Sogar die Gebrüder Grimm haben diese Geschichte in einer Sagensammlung aufgenommen. Doch die Legende ist wahr. Denn in 1983 und im Jahr 2000 bargen Taucher Mühlensteine vom Grund des Sees.

Mühlensteine und Klosterkirche Arendsee. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die aus dem Arendsee geborgenen Mühlensteine sind im Innenhof des Klosters zu sehen

Heute ist der Arendsee ein beliebtes Freizeitgewässer, auf dem Kanuten, Segler, Fischer und ein Raddampfer namens Queen unterwegs sind.

Arendsee. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag.de

Der Arendsee ist ein beliebtes Badegewässer.

Arendsee, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag.de

Still ruht der See.

Klosterruine mit Seeblick

Zwischen See und Klosterkirche liegen die Ruinen des einstigen Benediktiner-Nonnenklosters Arendsee. Durch die zahlreich in den verwitterten Mauern vorhandenen Fensteröffnungen kann ich den See sehen – eine nicht ganz alltägliche Lage für ein Kloster. Ob die bis zu 70 Nonnen, die hier lebten, den Seeblick aus dem Refektorium – dem klösterlichen Speisesaal – genossen haben?

Fest steht, dass die Benediktinerinnen in Arendsee eine Klosterschule betrieben und sich in einem eigenen Klosterhospital der Krankenpflege widmeten. Doch 1540, als das Kloster unter Priorin Anna von Jagow gerade seine Blütezeit mit maximalem Besitz und Einfluss erreicht hat, wird es aufgelöst. Das Klostergut wird kurfürstliche Domäne, in den Klosterräumen findet ein adliges Frauenstift Platz. Ab 1868 verfällt das Kloster.

Klosterruine Arendsee, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Klosterruine Arendsee, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Klosterruine Arendsee, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag
Kunst im Kloster Arendsee. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Kunst in der Klosterruine Arendsee: Die Bronze-Plastik „Pieta 74“ stammt von Valentin Starchev.

Klosterkirche St. Marien, St. Johannes und St. Nikolaus Arendsee

Die Klosterkirche entstand ab 1185 und damit noch vor den eigentlichen Klostergebäuden. Sie wurde im spätromanischen Stil aus Backstein erbaut. Im Norden schließt an das Kirchengebäude ein zweistöckiger Kreuzgang an – der einzige noch erhaltene Flügel des Kreuzgangs.

Kreuzgang Kloster Arendsee, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Im zweistöckigen Kreuzgang des Klosters Arendsee.

Klosterkirche Arendsee. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Klosterkirche Arendsee.

Wir verlassen den abgeschiedenen klösterlichen Innenhof durch die Demutspforte und kommen in den Klostergarten. Noch heute ist es ein Vergnügen, sich hier zwischen all den blühenden Blumen und Gräsern aufzuhalten. In diesem Moment bricht die Sonne durch die Wolken und verstärkt die heitere, ja geradezu gelöste Stimmung dieses Ortes. Jetzt kann ich nachvollziehen, warum Markgraf Otto I. und seine Frau Adelheid ausgerechnet an dieser Stelle ein Kloster gründeten.

Kloster Arendsee. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Im Klostergarten.

Weitere Kirchen an der Kirchenroute Nr. 6

  • Dom St. Marien in Havelberg
  • Johanniskirche in Werben (Elbe)
  • Marienkirche in Salzwedel
  • Katharinenkirche in Salzwedel

Weiterlesen und Weiterhören

Folgende an der Kirchenroute Nr. 6 gelegene Orte sind gleichzeitig Stationen an der sachsen-anhaltinischen Tourismusroute Straße der Romanik:

  • Kloster Arendsee
  • St.-Nikolaus-Kirche Beuster
  • St.-Petri-Kirche Seehausen

Zum Weiterlesen: An der Kirchenroute Nr. 3 liegt die Dorfkirche Schönhausen, St. Maria und St. Willebrord. Die kleine Gutskirche Krumke liegt an der Route 2.

Zum Weiterhören: Im Altmark-Podcast „Damals Kirchen – heute ein Schatz“ berichten die Journalisten Björn Menzel und Pierre Gehmlich von ihrer Reise durch die Altmark, unter anderem zum Kloster Arendsee.

Zum Planen: Auf dieser Seite hat der ART Tourenvorschläge zum Erkunden der Kirchen- und Klosterlandschaft zusammengestellt.

Alle Fotos: Beate Ziehres

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit dem Altmärkischen Regionalmarketing- und Tourismusverband (ART). Vielen Dank für die Einladung und die hervorragende Organisation der Reise!

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Krumke in der Altmark: ein Schloss, ein Park und perfektes Landleben https://www.reiselust-mag.de/krumke/ Tue, 06 Aug 2024 21:26:33 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=6265 Krumke ist ein echtes Kleinod im Nordosten der Altmark. Auf Ausflügler warten in Krumke ein verwunschen anmutendes Schloss, ein idyllischer Park und ein Kulturcafé mit einigen Überraschungen und kulinarischen Köstlichkeiten.

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(Werbung) Im Nordosten der Altmark und vor den Toren der Stadt Osterburg liegt Krumke. Nach Krumke verirrt man sich nicht. Ich biege ganz gezielt von der Landesstraße 9 zwischen Krevese und Osterburg auf einen holprigen Kopfsteinpflasterweg ab. Er trägt den verheißungsvollen Namen Schlossstraße. In der Luft liegt aromatischer Pferdeduft.

Über Krumke

Der Traum vom beschaulichen Leben auf dem Land ist für die Krumker wahr geworden. Im 150-Seelen-Dorf kümmern sich drei Vereine um die wesentlichen Bestandteile von Krumke: den Schlosspark, den Reitplatz, das Kavaliershaus und die Kirche. Und hier zeigt sich auch schnell, wo die Wurzeln des Idylls liegen. Krumke war früher ein Rittergut.

Die heutigen Einwohner des Dorfs bilden eine eingeschworene, aber auch engagierte Gemeinschaft. Hier gibt es keinen Verfall. Die Rasen sind gemäht, die Beete gejätet und die Zäune gestrichen. Und das sicherlich nicht, weil ich zu Besuch gekommen bin.

Aber die Krumker legen auch Wert auf ihre Ruhe. Gegen Pläne der Stadt-„Väter“ in Osterburg, ein neues Wohngebiet im Dorf auszuweisen, wehrten sich die Bürger mit Erfolg.

Schloss Krumke

Nur ein Objekt in Krumke scheint sich der Ordnung zu entziehen. Es ist das neogotische Schloss, das mich irgendwie an Dornröschen erinnert. Es wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf einer künstlich angelegten Insel erbaut.

Schloss Krumke, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Schloss Krumke.

An dieser Stelle stand ursprünglich die markgräfliche Wasserburg Krumke. Sie bildete mit den Burgen Osterburg, Rossau und Gladigau eine Befestigungslinie gegen die Slawen, die auf der anderen Seite des Flüsschens Biese lebten.

Im Jahr 2020 wurde Schloss Krumke verkauft. Soviel ich gehört habe, stehen die neuen Besitzer in den Startlöchern, um dem Kleinod wieder zu Glanz und Würde zu verhelfen. Deshalb bin ich heute schon gespannt auf meinen nächsten Besuch in Krumke.

Kavaliershaus Krumke

Erster Anlaufpunkt der Besucher in Krumke ist sicherlich das Kavaliershaus, ein sehr gastfreundlicher Ort. Das Kavaliershaus ist ein Kulturcafé mit Gästehaus, Weinhandel und überaus herzlichen Gastgebern, die das historische Haus gemeinsam mit Leben füllen.

Kavaliershaus Krumke. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Straßenansicht des Kavaliershaus Krumke.

Außengastronomie Kavaliershaus Krumke, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Wer im Kavaliershaus Krumke draußen speist, nimmt direkt im Schlosspark Platz.

„Mamsells Regionalwaren“ im Kavaliershaus

Aileen Maasdorff ist eine dieser Gastgeberinnen. Ich treffe sie in „Mamsells Regionalwaren“, einem Ausstellungsbereich inmitten des Gastraumes. Hier ist Aileen umgeben von selbstgemachten Dingen, die sie liebt, vor allem Lavendelprodukten. Denn im ersten Leben ist Aileen Landwirtin.

Bei Osterburg bestellt sie ein 1 Hektar großes Lavendelfeld. Hier gedeihen 4000 Lavendelpflanzen, die Aileen selbst aus der Provence geholt hat. Aus den aromatischen lilafarbenen Blüten stellt sie von Hand beispielsweise ein Destillat her, das sie anschließend weiterverarbeitet. So finde ich ein Hydrolat, mit dem man unter anderem das Kopfkissen einsprühen kann, um Mücken abzuwehren.

Mamsells Regionalwaren im Kavaliershaus Krumke. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Mamsells Regionalwaren im Kavaliershaus.

Lavendel-Essig, Kavaliershaus Krumke. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Im Kavaliershaus Krumke bietet Aileen Maasdorff alles aus Lavendel an. Hier Lavendel-Essig.

Lavendel, Kavaliershaus Krumke. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Auch getrocknete Lavendelblüten sind im Angebot.

Habe ich eigentlich schon erzählt, dass ich mich in „Mamsells Regionalwaren“ in ein selbstgehäkeltes Handtäschchen verliebt habe? Es war unwiderstehlich, aber leider nur noch in Braun verfügbar – einer Farbe, die in meiner Sommergarderobe nicht vorgekommen ist. Update: Im Urlaub war ich zum Einkaufen und plötzlich liegt Dunkelbraun im Bereich des Möglichen. Aileen, ich komme wieder!

Essen im Kavaliershaus

Ich habe das Vergnügen, im Kavaliershaus Krumke ein Abendessen und ein Frühstück genießen zu dürfen. Und da Krumke zu Osterburg gehört, die Region Osterburg dank Spargelzüchter August Huche für ausgezeichneten Spargel berühmt ist und ich noch dazu Ende Mai zu Besuch bin, kommt natürlich das weiße Edelgemüse auf den Tisch.

Es kommt in Form einer vorzüglichen Spargelcremesuppe, die von Sven Haucke aus Osterburg gekocht wurde. Beim Essen berichtet Aileen Maasdorff, dass es in Osterburg zum guten Ton gehört, eine eigene Reihe Spargel zu haben.

Nach der Spargelsuppe reicht die Gastgeberin knusprigen Flammkuchen, ebenfalls sehr lecker.

Spargelcremesuppe, Kavaliershaus Krumke. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Flammkuchen im Kavaliershaus Krumke. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag
Gastronomie im Kavaliershaus Krumke. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Eine geschmackvolle Geschichte: Speisen im Kavaliershaus Krumke.

Das Frühstück am nächsten Morgen ist ebenfalls bemerkenswert. Mir bleibt insbesondere Lavendelleberwurst und Lavendelmarmelade in Erinnerung – natürlich hausgemacht. Was nicht selbstgemacht ist, stammt aus der Region.

Kavaliershaus Krumke, Frühstückstisch. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Auf Übernachtungsgäste wartet ein reich gedeckter Frühstückstisch.

Die kulinarischen Genüsse der Region weiß ich übrigens schon seit meinem Einsatz als Altmarkbloggerin beziehungsweise als Küchenspionin im Elbhavelwinkel zu schätzen.

Übernachten im Kavaliershaus

Inmitten der Natur zur Ruhe kommen, begleitet vom Schlaflied des Windes in den hohen Bäumen und morgens aufgeweckt vom Gezwitscher der Vögel – wäre das was für Sie? Für mich ist es ein Traum. Im Kavaliershaus Krumke wird er wahr. Das Gästehaus bietet 2 Doppelzimmer, ein Einzelzimmer und eine Ferienwohnung. Die Unterkünfte sind ganzjährig verfügbar und werden mit veganem, vegetarischem oder klassischen Frühstück angeboten.

Krumke, Altmark. Gästezimmer im Kavaliershaus. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Gästezimmer im Kavaliershaus Krumke.

Öffnungszeiten des Kavaliershauses

Gastronomie ganzjährig Donnerstag bis Sonntag, Gästehaus 365 Tage im Jahr.

Schlosspark Krumke

Nach Krumke gibt es nur einen Weg. Eine schmale Kopfsteinpflasterstraße führt direkt zum schmiedeeisernen Tor, hinter dem sich der Schlosspark versteckt. Das Kleinod abseits der Hauptverkehrsrouten ist Teil des touristischen Gartenträume-Netzwerks.

Bekannteste Rarität im Schlosspark ist wohl die knapp 400 Jahre alte Buchsbaumhecke. Hätte man mich nicht darauf hingewiesen, hätte ich die mächtige Hecke nicht als Buchsbaumhecke erkannt. Bis zu 5 Meter sind die ausladenden Büsche hoch. So bieten sie bei schlechtem Wetter einen schönen Regenschutz. Glück für die Krumker: Der gefürchtete Zünsler hat den Methusalem unter den Buchsbaumhecken noch nicht entdeckt.

Schlosspark Krumke, Buchsbaumhecke. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Schlosspark Krumke, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag
Schlosspark Krumke, Altmark. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Still ruht der See im Schlosspark.

Der Park des ehemaligen Ritterguts Krumke wurde im 17. Jahrhundert als Barockgarten angelegt und später in einen englischen Landschaftspark umgestaltet. Heute verschmelzen im Schlosspark Elemente des französisch-barocken Lustgartens mit dem Typ des englischen Landschaftsgartens.

Aus dem 18. Jahrhundert sind die Orangerie, das Steinkabinett und barocke Skulpturen erhalten. Der alte Baumbestand und in unseren Breiten seltene Arten wie Weymouthskiefern, Jade- und Gingkobaum zählen zu den besonderen Schätzen des Parks.

Orangerie im Schlosspark Krumke. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die Orangerie im Schlosspark Krumke befindet sich heute im Privatbesitz und wurde zu einem eleganten Wohnhaus umgebaut.

Weinprobe im Schlosspark

Im stilvollen Ambiente des Parks ist eine Weinprobe natürlich ein besonderer Genuss. Et voila: Enrico Potzesny, Sommelier und Mitmieter im Kavaliershaus, kredenzt unserer kleinen Reisegruppe unter den Augen von Bacchus Weine aus der Saale-Unstrut-Region.

Mein Favorit ist der Schaumwein Rurale auf der Basis eines Müller-Thurgau aus dem Hause „Böhme und Töchter“. Auf der Zunge ist er spritzig wie ein Federweißer, aber trockener als der leicht vergorene Traubenmost.

Weinprobe im Schlosspark Krumke mit Enrico Potzesny. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Enrico Potzesny, Sommelier und Mitmieter im Kavaliershaus, lädt zur Weinprobe in den Schlosspark.

Weinprobe im Schlosspark Krumke. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Stilvolle Weinprobe im Schlossgarten.

Krumke als Filmkulisse und Drehort

So viel Romantik bleibt natürlich auch Filmemachern nicht verborgen. Der verwunschene Park hinter dem schmiedeeisernen Tor ist wie gemacht als Schauplatz für Tragödien.

So entstand in der Altmark, unter anderem im Schlosspark Krumke, der zweiteilige Film „Das Bernstein-Amulett“. Die ewige Schönheit des Gartens diente im Sommer 2003 als Kulisse, als sich das Schicksal der Filmfamilie entschied. In 2009 drehte Til Schweiger ebenfalls im Englischen Landschaftspark Teile seines Films „Klassentreffen 2.0“

Dorf- und Schlosskirche Krumke

Ein weiteres bemerkenswertes Kleinod in Krumke ist die Dorf- und Schlosskirche. Die Größe des Gotteshauses aus dem 12. Jahrhundert orientiert sich an den Bedürfnissen eines mittelalterlichen Rittergutes. Der zweiteilige Feldsteinbau wurde von den damaligen Gutsbesitzern gestiftet.

Ein reich geschmückter Holz-Kanzelaltar aus dem Jahr 1722 und der Taufstein prägen den kleinen Kirchenraum. Bei der Sanierung im Jahr 2021 legte die Denkmalpflege an der Außenwand links neben dem Altar Rotstrichmalereien frei, die um 1260 entstanden sind.

Holzaltar in der Dorfkirche Krumke. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Dorfkirche Krumke. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Der Architekt Frank Ende, der vor drei Jahren den Auftrag zur Sanierung der Schlosskirche von der Stadt Osterburg als Eigentümerin erhalten hatte, weist uns auch auf eine verglaste Empore im linken Bereich hin. Von dort aus konnten der Gutsherr und seine Familie dem Gottesdienst folgen.

Tipps zum Weiterlesen

Alle Fotos: Beate Ziehres

Ich habe Krumke auf Einladung des Altmärkischen Regional- und Tourismusverbands besucht und danke herzlich für die Organisation und die Einladung.

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Stendal – die 7 beliebtesten Sehenswürdigkeiten https://www.reiselust-mag.de/stendal-sehenswuerdigkeiten/ Mon, 17 Jun 2024 21:35:34 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=6150 Die Hansestadt Stendal hat bereits im ausgehenden Mittelalter von sich reden gemacht. Sie war und ist die größte von insgesamt 8 Hansestädten in der Altmark. Zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten zählen die mächtigen Backsteinbauwerke aus dem 15. Jahrhundert.

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(Werbung) Die Hansestadt Stendal ist heute die größte Stadt der Altmark und war früher eine von nur 25 mittelalterlichen Großstädten. Hier im Nordosten Sachsen-Anhalts zeugen mächtige Stadttore, riesige Backsteinkirchen und ein prächtiges Rathaus von Wohlstand und Ansehen in der Hansezeit. Die 7 beliebtesten Sehenswürdigkeiten von Stendal zeige ich euch in diesem Beitrag. Und am Ende folgt noch ein ganz neuzeitlicher Restaurant-Tipp.

Stendal und die Hanse

Stendal in der Hansezeit muss man sich so vorstellen: Die größte altmärkische Hansestadt stellte ihren Wohlstand mit prächtigen Backsteinbauten zur Schau. Tuchmacher und Gewandschneider verdienten gutes Geld, denn das berühmte „Stendaler Laken“ wurde im ganzen Ost- und Nordseeraum gehandelt.

Den Grundstein für den Aufstieg Stendals zur blühenden Handelsstadt legte Markgraf Albrecht der Bär. Um 1165 gab der Stendal die Marktrechte. Durch die Mitgliedschaft Stendals in der Hanse – die Aufnahme in den mächtigen Handelsbund stellte ein Ritterschlag für die neuen Mitglieder dar – nahm der wirtschaftliche Aufschwung Fahrt auf. Den Reichtum des 14. und 15. Jahrhunderts sieht man der Stadt heute noch an. Gebäude aus dieser Zeit zählen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Stendal, Backsteingotik, Giebel des alten Rathauses. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Backsteingotik – Giebel des alten Rathauses zu Stendal.

Doch die Herrlichkeit sollte bald ein Ende haben. Es kam zu Aufständen im Volk. Die Menschen in der Altmark protestierten gegen die Einführung einer Biersteuer. Bis 1518 wurden alle acht altmärkischen Hansestädte aus dem mächtigen Handelsbund ausgeschlossen. Heute haben sich die historischen Hansestädte zum Altmärkischen Hansebund zusammengeschlossen und tragen wieder stolz die Bezeichnung Hansestadt.

Mehr über die Hanse erfahrt ihr im Altmark-Podcast in der Folge „Damals Hanse – heute ein Erlebnis“.

#1 Marienkirche Stendal

Gemeinsam mit dem Rathaus und dem Roland bildet die Stadt- und Ratskirche St. Marien ein majestätisches Gebäudeensemble am Stendaler Markt. Die gotischen Backsteintürme der Marienkirche überragen alle anderen Kirchtürme der Stadt. Sie zeugen noch heute vom Selbstbewusstsein der reichen Stendaler Bürger. Für mich ist die Marienkirche eine der herausragenden Sehenswürdigkeiten Stendals.

Stendal, Westwerk der Marienkirche und Giebel des neuen Rathauses. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Westwerk der Marienkirche und Giebel des neuen Rathauses.

Geschichte und Ausstattung

Die dreischiffige Hallenkirche wurde ab 1420 an der Stelle eines romanischen Vorgängerbaus errichtet und 1447 geweiht. Für die Ausstattung des Sakralbaus war der wohlhabenden Bürgerschaft das Beste gerade gut genug. Beim Betreten des monumentalen Innenraums erregt zuerst die Chorschranke meine Aufmerksamkeit. Das filigran geschnitzte Bauteil stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die integrierten Apostelfiguren sollen jedoch bereits im 13. Jahrhundert entstanden sein.

Hinter der Chorschranke befindet sich ein beeindruckender doppelflügeliger Schnitzaltar. Das spätgotische und reich vergoldete Prachtexemplar zeigt biblische Szenen, unter anderem aus dem Leben Marias und der Kindheit von Jesus. Stundenlang könnte ich hier verweilen, die einzigartige Atmosphäre in diesem Chorraum aufnehmen und die geschnitzten Reliefs betrachten.

Stendal, Sehenswürdigkeit geschnitzter Flügelaltar in der Marienkirche. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Stendal, geschnitzte Chorschranke der Marienkirche. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag
Stendal, Blick zu Chorschranke und Altar der Marienkirche. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Blick von der Empore zu Chorschranke und Altar der Marienkirche.

Astronomische Uhr

Im weiteren Verlauf der Führung durch die Marienkirche macht Bärbel Hornemann, Vorsitzende des Stendaler Glockenvereins, auf eine weitere Sehenswürdigkeit aufmerksam: die astronomische Uhr. Sie ist an der Rückwand des Kirchenraumes unter der Orgelempore versteckt.

Zumindest im ostdeutschen Binnenland ist diese astronomische Uhr einmalig. Sonst sind sie nur in den Hansestädten an den Küsten anzutreffen. Dass das technische Meisterwerk aus dem 16. Jahrhundert heute wieder funktioniert, ist dem Stendaler Goldschmiedemeister Oskar Roever zu verdanken. Nach einigen Jahrhunderten Stillstand erweckte er die kunsthistorisch wertvolle Uhr wieder zum Leben.

Einen kompletten Tag benötigt der Stundenzeiger, um das knapp 3 mal 3 Meter große 24-Stunden-Zifferblatt einmal zu umrunden. Der im Original nicht vorhandene Minutenzeiger benötigt 2 Stunden für einen Umlauf. Zudem gibt es unter anderem einen Sonnen- und einen Mondzeiger. Faszinierend!

Stendal, Sehenswürdigkeit astronomische Uhr in der Marienkirche. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die berühmte astronomische Uhr in der Marienkirche ist eine der Sehenswürdigkeiten Stendals.

Scherer-Orgel

Nun besteigen wir den Nordturm. Der erste Ausgang führt zur Orgelempore. Hier erwartet den Besucher ein bedeutendes Architektur-, Kunst und Klangdenkmal: Der berühmte Hamburger Orgelbauer Hans Scherer der Ältere hat dieses Instrument im Jahr 1580 geschaffen. Heute ist noch ein Drittel der Orgelpfeifen im Original vorhanden.

Stendal, Blick zur Orgel der Marienkirche. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Stendal, Orgel der Marienkirche. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag
Stendal, Malerei unter der Orgel der Marienkirche. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Malerei unter der Orgel der Marienkirche.

Glocken der Marienkirche Stendal

Nun geht es höher hinauf in Richtung Turmzimmer. In einem Zwischengeschoss informiert eine kleine Ausstellung über die Kunst des Glockenbaus. Und dann erreichen wir das mittelalterliche Geläut der Marienkirche.

Die Stendaler beauftragten bald nach der Einweihung der Kirche den berühmtesten Glockengießer seiner Zeit, den Niederländer Gerdt van Wou. Der Meister richtete 1490 seine Werkstatt in Stendal ein. Mit der größten Glocke, die den passenden Namen Maria trägt, und der drittgrößten, der „Faulen Anna“, schuf er den Grundstock für das Geläut. Insgesamt 12 Glocken umfasst das Geläut, ein fein abgestimmtes Kunstwerk. Hier kann man die Glocken läuten hören.

Oben bei den Glocken berichtet Bärbel Hornemann von einigen Besonderheiten. „Maria“, die mehr als ein halbes Jahrtausend ihren Dienst verrichtet, sei wirklich von bemerkenswerter Qualität und niemals gesprungen.

Außergewöhnlich ist auch, dass die Glocken nicht gezogen, sondern getreten werden. Dies geschieht beispielsweise jedes Jahr am 3. Advent. Zu diesem Anlass werden im Turmzimmer traditionell „himmlische Bratäpfel mit Orangensoße“ serviert. Himmlisch deshalb, weil die Glocken als Vermittler zwischen Himmel und Erde gelten und das Turmzimmer über dem Geläut liegt.

Stendal, historisches Uhrwerk Marienkirche. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Historisches Uhrwerk im Nordturm der Marienkirche.

Stendal, Treppe im Nordturm der Marienkirche. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Enge Treppe im Nordturm der Marienkirche in Stendal.

Zum Schluss: 1 Legende, 2 Skelette und 1,7 Meter dicker Staub

  • Einer Legende nach überflutete ein verheerendes Elbhochwasser im Jahr 1425 die Baustelle der Marienkirche. Als das Wasser fiel, blieb ein Fisch zurück. Ein an einem Pfeiler des Chorumgangs befestigter Fisch erinnert an das Ereignis.
  • Beim Aufräumen im Sockel des Südturms fanden Helfer vor einiger Zeit Skelette einer Frau und eines Kindes und nach weiterer Suche daneben den Eingang zu einer mittelalterlichen Gefängniszelle. Die Erforschung der Skelette ergab, dass Mutter und Kind verhungert waren.
  • Bei der Reinigung des Dachbodens im Jahr 2007 war die abzutragende Staubschicht teilweise 1,7 Meter dick. Auf dem Dachboden war mehr als 500 Jahre nicht sauber gemacht worden.
Stendal, Fisch in der Marienkirche. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Sagenumwobener Fisch.

Öffnungszeiten, Turmführungen, Kontakt

  • Öffnungszeiten Mai bis Oktober: Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr; Samstag und Sonntag 12 bis 17 Uhr
  • Öffnungszeiten November bis April: auf telefonische Anfrage unter 03931 212136
  • Turmführungen: Jeden Sonnabend im Anschluss an die Orgelmusik, gegen 11.45 Uhr. Weitere Informationen und Kontakt: https://www.glockenverein.de/fuehrungen.html

#2 Uenglinger Tor

Das Uenglinger Tor fasziniert mich seit meinem ersten Besuch in Stendal. Dieses Mal umso mehr, denn ich darf dem Uenglinger Tor aufs Dach steigen. Stadtführer Arne Marzahn schließt nicht nur auf, sondern klettert mit uns hinauf auf die mit Zinnen besetzte Plattform. Der quadratische Backsteinbau ist 27,5 Meter hoch und verfügt über Ecktürmchen und einen runden Turmaufsatz.

Stendal, Plattform Uenglinger Tor. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Auf der Plattform des Uenglinger Tors.

Auf dem Weg nach oben erklärt er, warum das Uenglinger Tor für Stendal so wichtig ist. Zum einen war das Tor, das zu den schönsten Backsteinstadttoren Norddeutschlands zählt, Teil der mittelalterlichen Wallanlage. Von insgesamt vier Toren in Stendal sind heute noch zwei erhalten: das Tangermünder Tor und das Uenglinger Tor.

Beide Tore sind reich mit Friesen und anderen Elementen geschmückt und waren jeweils Teil einer kleinen Festung in der Stadtmauer. Die ansehnlichen Tore demonstrierten ganz nebenbei auch das Repräsentationsbedürfnis der Stendaler Kaufmannschaft.

Insbesondere ihnen diente das Uenglinger Tor auch als Verbindung zu anderen bedeutenden Hansestädten im Norden wie Salzwedel, Lüneburg und Lübeck. Kaufleute und Händler kamen und gingen, um ihren Geschäften nachzugehen. Das Uenglinger Tor entstand von 1450 bis 1460 und damit in der Blütezeit Stendals.

Stendal, Uenglinger Tor. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Uenglinger Tor.

Öffnungszeiten und Anschrift Uenglinger Tor

  • Altes Dorf 39, 39576 Hansestadt Stendal
  • Geöffnet nur von Mai bis Oktober: Dienstag bis Freitag 13 bis 15 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertage 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr.

#3 Stendaler Roland

Auf dem Marktplatz von Stendal ist die Rolandstatue nicht zu übersehen. Der ursprüngliche Stendaler Roland wurde 1525 vor der Gerichtslaube des Rathauses aufgestellt. Er symbolisiert städtische Rechte und gilt als Wahrzeichen der Stadt.

Die Statue mit dem auffälligen Federschmuck an der Kappe ist eine Kopie. Sie wurde in den 1970er-Jahren aus Elbsandstein gefertigt, nachdem ihr Vorgänger während eines Orkans schwer beschädigt wurde. Geschichten und Sagen um den Stendaler Roland kann man hier nachlesen.

Stendal, Roland. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Der Roland von Stendal.

#4 Rathaus zu Stendal

Durch das Löwenportal betrete ich jetzt das Rathaus von Stendal. Durch diese altehrwürdige Tür betreten auch die Ratsmitglieder das Gebäude. Das alte Rathaus entstand wahrscheinlich im 14. Jahrhundert und ist der Backsteingotik zuzuordnen. Die historische Gerichtslaube bietet dem Roland eine würdevolle Kulisse.

Stendal, Löwenportal des Rathauses. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Löwenportal des Rathauses von Stendal.

Eine Schnitzwand als Sehenswürdigkeit

Doch Arne Marzahn lenkt meine Schritte ins Obergeschoss. Im Festsaal des alten Rathauses zeigt er mir die älteste profane, also nichtkirchliche Schnitzwand Deutschlands.

Die detailreichen Darstellungen beeindrucken mich besonders. Die Handwerker-Gilden sind hier zu sehen, beispielsweise die Brauer und die berühmten Stendaler Tuchmacher. Aber auch biblische Figuren wie der unbesiegbare Samson, dessen Kraft auf seinem langen Haar beruht haben soll, haben die Schnitzer verewigt – sicherlich im Auftrag der Ratsherren.

Stendal, Wappen der Stadt in der Schnitzwand im Rathaus. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Wappen der Stadt in der Schnitzwand im Rathaus.

Stendal, Detail der Schnitzwand im Rathaus. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Detail der Schnitzwand.

Die Wand stammt aus dem Jahr 1462 und ist nur ein Teil des ursprünglichen Gesamtkunstwerks. Laut Arne Marzahn war der Saal einstmals komplett vertäfelt. Zur besseren Einordnung der Zeit, in der die Schnitzarbeit gefertigt wurde, hat der Gästeführer auch einen Vergleich parat: Kolumbus entdeckte Amerika 30 Jahre nach der Einweihung des Saals!

#5 Dom St. Nikolaus

Der Dom St. Nikolaus ist die Hauptkirche der Hansestadt Stendal und der ganzen Altmark. Als spätgotische Backsteinkirche wurde der Dom ab 1423 um den Vorgängerbau – die romanische Stiftskirche St. Nikolaus – herum gebaut. Die Stiftskirche, eine dreischiffige Basilika, soll der Klosterkirche von Jerichow geähnelt haben.

St. Nikolaus – ein Dom ohne Bischof

Obwohl Stendal kein Bischofssitz ist und nie einer war, wird St. Nikolaus Dom genannt. Das 1188 gegründete Stift war Papst Clemens III. direkt unterstellt. Der Papst segnete die Stiftskirche St. Nikolaus wohl von Rom aus. So war St. Nikolaus unabhängig von den Bischöfen in Havelberg und Brandenburg.

Stendal, Dom St. Nikolaus. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Dom St. Nikolaus in Stendal.

Sehenswürdigkeiten: Glasmalerei-Fenster und Chorgestühl

Bis heute sind in St. Nikolaus 22 Glasmalerei-Fenster erhalten, die im 15. Jahrhundert entstanden sind. Sie zählen zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten Stendals. Etwa die Hälfte der Gläser stammt noch aus dem Mittelalter. Das betrifft hauptsächlich die Fenster im Chorraum. Durch die stärker gefärbten Gläser herrscht hier eine ganz besondere Atmosphäre.

Stendal, Altar Dom St. Nikolaus. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Stendal, Glasmalerei-Fenster im Dom St. Nikolaus. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Doch nicht nur das einzigartige Licht prägt die Stimmung im Altarraum. Das mächtige geschnitzte Chorgestühl, das ebenfalls im 15. Jahrhundert entstand, trägt zu dieser Atmosphäre bei. Hier kann ich alttestamentarische Szenen, Propheten, Fabelwesen und musizierende Engel bewundern.

Stendal, Detail Chorgestühl im Dom St. Nikolaus, Arne Marzahn. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Arne Marzahn zeigt ein Schnitzbild am Chorgestühl im Dom St. Nikolaus.

Stendal, Detail Chorgestühl im Dom St. Nikolaus. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Detail am Chorgestühl im Dom St. Nikolaus.

Wiederaufbau erst 2013 abgeschlossen

Im 2. Weltkrieg wurde der Dom St. Nikolaus durch Bombentreffer schwer beschädigt. Glücklicherweise hatte man 22 Glasmalerei-Fenster rechtzeitig ausgebaut und im Gut der Familie von Alvensleben in Wittenmoor eingelagert. Der Wiederaufbau begann 1946 und wurde nach mehreren Unterbrechungen erst 2013 fertiggestellt.

Stendal, Altäre Dom St. Nikolaus. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Altäre im Dom St. Nikolaus.

Öffnungszeiten und Kontakt Dom St. Nikolaus

  • Geöffnet Mai bis Oktober von Dienstag bis Samstag 10 bis 17 Uhr; Sonntag und Feiertage 12 bis 17 Uhr; Oktober bis April auf telefonische Anfrage
  • Kontakt: Stadtgemeinde Stendal, Telefon 03931 212136

Mehr über die mittelalterlichen Kirchen in Stendal und der Altmark erfahrt ihr im Altmark-Pocast in der Folge „Damals Kirchen – heute ein Schatz“ „Damals Kirchen – heute ein Schatz“

#6 Winckelmann-Museum Stendal

Eines von mehreren sehenswerten Museen in Stendal ist das Winckelmann-Museum. Es befindet sich an der Stelle des Geburtshauses von Johann Joachim Winckelmann. Wickelmann gilt als der Begründer der Klassischen Archäologie und Kunstgeschichte. Der Stendaler lebte von 1717 bis 1768.

Die moderne Dauerausstellung widmet sich dem spannenden Leben und dem Werk Winckelmanns. Ein eigener Bereich mit vielen Mitmachangeboten wendet sich an Kinder. Hier habe ich ausführlich über das Winckelmann-Museum geschrieben.

Trojanisches Pferd im Winckelmann-Museum

Das Familienmuseum des Winckelmann-Museums besitzt das größte begehbare Trojanische Pferd der Welt. Das 15,6 Meter hohe Holzpferd steht auf dem Außengelände des Museums. Es ist begehbar und bietet eine gute Aussicht über die Altstadt von Stendal. Auf der Webseite der Winckelmann-Gesellschaft kannst du die Sage vom Trojanischen Pferd nachlesen.

Stendal, Blick vom Uenglinger Tor. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Suchbild mit Trojanischem Pferd, aufgenommen von der Plattform des Uenglinger Tors. Wer findet es?

Öffnungszeiten und Eintrittspreise Winckelmann-Museum

Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Führungszeiten und weitere Informationen über das Winckelmann-Museum findest du hier.

#7 Stendals Wallanlage

Stendal galt im ausgehenden Mittelalter als uneinnehmbar. Die Bürger hatten ihre Stadt mit einer doppelten Wallanlage und zwei Gräben geschützt. Im 19. Jahrhundert gestalteten die Stendaler den Innenwall, auf dem sich früher die Stadtmauer erhob, zu einer Promenade um. Als grüner Ring ist sie fast vollständig erhalten. Der Wall steht unter Denkmalschutz.

Stendal, Promenade Wallanlage. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Stendal, Promenade Wallanlage.

Die alte Schmiede im Schatten des Uenglinger Tors in Stendal. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die alte Schmiede im Schatten des Uenglinger Tors in Stendal.

Ich bin mit Gästeführer Arne Marzahn ein Stück auf dem Wall spaziert: vom Villenviertel zwischen Bahnhof und Dom, vorbei am mittelalterlichen Kloster St. Anna, dem Mönchskirchhof und der Kirche St. Petri zum Uenglinger Tor.

Während des ganzen Spaziergangs hat mir Arne Marzahn aus der alten und jungen Geschichte Stendals erzählt. So erfahre ich, dass es am Mönchskirchhof bereits im 13. Jahrhundert zwei Franziskanerklöster gab: das Franziskanerinnenkloster St. Anna und auf der gegenüberliegenden Seite des kleinen Parks das Mönchskloster der Franziskaner. Im ehemaligen Klostergebäude der Mönche ist heute die Stadt- und Kreisbibliothek untergebracht. Laut Arne Marzahn sucht man noch heute nach einem geheimen unterirdischen Gang zwischen den beiden Klöstern.

Stendal, ehemalige romanische Klosterkirche St. Anna. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Ehemalige Klosterkirche St. Anna.

Täglicher Stadtspaziergang mit Arne Marzahn

  • Montag bis Freitag, 11 Uhr
  • Treffpunkt: Tourist-Info im Rathaus
  • Preis: 5 Euro, zahlbar vor Start des Spaziergangs in der Tourist-Info

Restaurant-Tipp: „Mainly Stendal“

Ihr habt es wahrscheinlich bereits bemerkt: Um die Sehenswürdigkeiten der Hansestadt Stendal in Ruhe erkunden zu können, solltet ihr etwas Zeit mitbringen. Nur so könnt ihr eintauchen beziehungsweise abtauchen ins Mittelalter und die Zeit vergessen bei vielen spannenden Geschichten, die euch die alten Mauern zu erzählen haben.

Für den Moment, in dem euch der Magen knurrt und ihr dringend auftauchen müsst aus den alten Zeiten, empfehle ich euch das „Mainly Stendal“. Hier habe ich bei der Lektüre der Speisekarte schon wieder die Zeit vergessen. Soll ich Rinderbäckchen nehmen? Diese altmärkische Spezialität habe ich einmal im Elb-Havel-Winkel zubereiten dürfen. Auf veganes „Grünes Thaicurry mit Duftreis“ hätte ich ebenfalls Appetit.

Spezialität: Bowls

Da lenken einheimische Mitreisende meine Aufmerksamkeit auf die Bowls, die unter den Vorspeisen gelistet sind. Es gibt sie jedoch wahlweise als Vorspeise oder als Hauptgericht. Und sie werden sehr gelobt. Deshalb entscheide ich mich für die Lachs Wakame Bowl.

"Mainly Stendal": Lachs Wakame Bowl. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Lachs Wakame Bowl im „Mainly Stendal“

Welch ein Genuss: gebeizter Caipirinha-Lachs auf Wakamealgen, Gurke, Edamame und Salatmix. Besonderer Kick für meine Geschmacksnerven kommt von gedünsteten süß-säuerlichen Apfelstückchen, gerösteten Haselnüssen und Soja-Sesam-Mayo. Ich bin hin und weg!

Diese und andere kulinarische Köstlichkeiten genießt man im stylischen Loftambiente, wahlweise am Kamin oder mit Blick auf die Marienkirchstraße

Anschrift und Öffnungszeiten „Mainly Stendal“

  • Marienkirchstraße 7, Stendal
  • Geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11.30 Uhr bis 23.00 Uhr
  • Bei schönem Wetter ist die Terrasse geöffnet.
  • Vorbestellungen telefonisch unter 0162-2476606 oder online

Anreise nach Stendal

  • Mit dem ICE von Berlin, Hannover und Hamburg
  • Mit dem Auto über die B188 oder die B189 beziehungsweise die A14

Alle Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: Beate Ziehres

Vielen Dank an den Altmärkischen Regionalmarketing- und Tourismusverband, der mich zu dieser Recherche-Reise  eingeladen und den Besuch vorbereitet hat. Ich habe ein Honorar erhalten. Meine Meinung bleibt trotzdem meine eigene.

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7 Highlights an der Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt https://www.reiselust-mag.de/strasse-der-romanik/ Sat, 23 Mar 2024 16:15:11 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=5965 Im Süden Sachsen-Anhalts habe ich Perlen entlang der Straße der Romanik entdeckt. Darunter die Burg Giebichenstein in Halle, das Kloster Petersberg, der Merseburger Dom und Quedlinburg.

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Die Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt besteht seit mehr als 30 Jahren. Auf der Südroute der Tourismusstraße begebe ich mich auf eine Entdeckungsreise ins deutsche Mittelalter. Kaiser Otto I., dessen Todestag sich 2023 zum 1050. Mal jährte, ist untrennbar verbunden mit der Romanik in Sachsen-Anhalt. Die Reise führt von der Saale-Unstrut-Region durch den Harz zur UNESCO-Welterbe-Stätte Quedlinburg. Hier kommen 7 Highlights an der Straße der Romanik – in chronologischer Reihenfolge.

Sehenswürdigkeiten an der Straße der Romanik

Auf einem mehr als 1000 Kilometer langen Rundkurs führt die Straße der Romanik durch Sachsen-Anhalt. In Form einer 8 mit der Landeshauptstadt Magdeburg in der Mitte verbindet die beliebte Tourismusroute 88 ausgewählte Bauwerke aus der Epoche der Romanik miteinander.

Wie auf einer Perlenkette aufgereiht präsentieren sich Klöster und Dome, Schatzkammern, Dorfkirchen, Burgen und Schlösser. Sie alle sind Zeitzeugen einer wegweisenden Epoche deutscher und europäischer Geschichte im Mittelalter.

Burg Falkenstein im Harz. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die Bilderbuch-Burg Falkenstein im Selketal zählt zur Straße der Romanik.

Zwischen 950 und 1250 entwickelte sich die Region des heutigen Sachsen-Anhalts unter der Herrschaft der Ottonen zu einem politischen und kulturellen Zentrum Europas. Bauwerke aus dieser Blütezeit sind in großer Zahl erhalten geblieben. Besonders Quedlinburg, Merseburg und Memleben lassen die Ottonenzeit wieder lebendig werden.

Das romanische Dreieck bei Halle

Meine Reise beginnt in Halle (Saale). Im Umland von Halle erkunde ich das sogenannte Romanische Dreieck, bestehend aus der Oberburg der sagenumwobenen Burganlage Giebichenstein, der Doppelkapelle St. Crucis in Landsberg und der Augustiner-Stiftskirche St. Peter auf dem Petersberg.

#1: Oberburg der Burg Giebichenstein in Halle

Die Oberburg Giebichenstein thront auf einem großen Felsen hoch über der Saale. Insbesondere vom Saaleufer in Halle-Kröllwitz aus gesehen bietet die Ruine einen imposanten Anblick. Die dicken Mauern des Palas, der mindestens fünf Räume umfasste, der romanische Eckturm – zugleich Torturm der Oberburg – und die Reste eines Wohnturmes mit einem Kamin im Erdgeschoss zählen zu den letzten Zeugen einer mächtigen Burganlage. Einst bestand die Burg Giebichenstein aus Oberburg, Unterburg und Alter Burg. Den Torturm kann man übrigens besteigen und eine grandiose Aussicht genießen.

Halle, Oberburg Giebichenstein. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Halle, Burg Giebichenstein, Reste des Wohnturms. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag
Halle, Burg Giebichenstein, Reste Palas. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die Infotafel vermittelt einen Eindruck, wie der Palas ausgesehen haben könnte.

Kaiser Otto I. übereignete den Giebichenstein im Jahr 961 dem Magdeburger Moritzkloster. Dies war zugleich die erste urkundliche Erwähnung der Burg. Später sollen die Burg und die wildromantische Umgebung des Burgbergs Dichter wie Joseph von Eichendorff und Achim von Arnim inspiriert haben.

Um den Giebichenstein rankt sich auch die Sage von Graf Ludwig von Schauenburg, der später Ludwig der Springer genannt wurde. Demzufolge ist der Adlige vom Turm der Burg in die Saale gesprungen, um der Gefangenschaft auf der Burg zu entgehen.

Halle, Oberburg Giebichenstein. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Von hier aus soll Ludwig in die Saale gesprungen sein.

#2: Doppelkapelle St. Crucis in Landsberg

Die Doppelkapelle St. Crucis ist der letzte Zeuge der herrschaftlichen Geschichte Landsbergs. Das bemerkenswerte Kleinod sakraler Baukunst ist im 12. Jahrhundert aus der dreischiffigen Stiftskirche der Burg Landsberg entstanden. Die Doppelkapelle mit den mystischen Abmessungen von 13 mal 13 mal 13 Metern gilt als Meisterwerk mittelalterlicher Architektur. Zwei übereinander liegende sakrale Räume sind akustisch durch einen Raumschacht miteinander verbunden.

Das dritte Geschoss des Gebäudes verdeutlicht ebenso wie die schweren Türen und weitere raffinierte Details, dass das Gotteshaus nicht nur zum Beten genutzt wurde. Es scheint in unruhigen Zeiten auch als gut gesicherter Zufluchtsort und zur Abwehr von Feinden gedient zu haben.

Um eine rote Marmorsäule links neben dem beeindruckenden geschnitzten Alter rankt sich eine Legende: Sie soll in der Nacht von Karfreitag auf Ostersamstag Blut und Wasser schwitzen. Wissenschaftler können das Phänomen der schwitzenden Säule jedoch physikalisch erklären.

Doppelkapelle Landsberg, Straße der Romanik Sachsen-Anhalt Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die Doppelkapelle Landsberg.

Doppelkapelle Landsberg, Straße der Romanik Sachsen-Anhalt Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Doppelkapelle Landsberg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Doppelkapelle Landsberg, Straße der Romanik Sachsen-Anhalt Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

#3: Augustiner-Stiftskirche St. Petrus – Kloster Petersberg

Die dreischiffige, kreuzförmige Augustiner-Stiftskirche St. Petrus hat bei mir einen besonders bleibenden Eindruck hinterlassen. Da ist zum einen die exponierte Lage auf einem 120 Meter hohen Felsen. Dieser soll die höchste Erhebung auf diesem Breitengrad bis zum Ural sein. Zum anderen ist das Kloster Petersberg ein lebendes Kloster. Seit 1999 existiert wieder geistliches Leben an diesem historischen Ort. Heute leben auf dem Petersberg zwei Brüder und vier Schwestern in klösterlicher Gemeinschaft. Sie gehören der Kommunität Christusbrüderschaft Selbitz an.

Schwester Susanne und Bruder Johannes empfangen unsere kleine Reisegruppe mit warmen Getränken und Kuchen – einer Wohltat an diesem windigen Tag. Dann gehen wir gemeinsam in die romanische Basilika. Die Stiftskirche St. Petrus wurde 1184 fertiggestellt.

Bruder Johannes erzählt, dass einer der Erbauer, Konrad von Wettin, die letzten drei Monate seines Lebens im Kloster Petersberg betend verbrachte und sich so auf das Leben im Jenseits vorbereitete. Nach seinem Tod wurde der Graf in der Mitte der noch unfertigen Stiftskirche bestattet.

Gänsehautmoment: Als wir im Glockenturm direkt unter dem mächtigen Läutwerk stehen und uns an den Strahlen der tiefstehenden Sonne freuen, beginnt eine Glocke zum Abendgebet zu läuten. Die Glockenschläge versetzen nicht nur den Turm, sondern den ganzen Körper in Schwingung. Für einen weiteren Gänsehautmoment sorgt Schwester Susanne, als sie im imponierend hohen Altarraum ein Lied anstimmt.

Petersberg, Klosterkirche, Straße der Romanik Sachsen-Anhalt. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Augustiner-Stiftskirche auf dem Petersberg.

Petersberg, Klosterkirche. Straße der Romanik Sachsen-Anhalt. Foto: Beate Ziehres Petersberg, Klosterkirche. Straße der Romanik Sachsen-Anhalt. Foto: Beate Ziehres

#4: Kloster und Kaiserpfalz Memleben

Weiter geht die Reise auf der Straße der Romanik nach Memleben. Hier sind wir erstmals auf den Spuren von Otto I. In der Kaiserpfalz Memleben starb der Kaiser am Pfingsttag des Jahres 973. Bis heute rankt sich um Memleben die Legende, dass hier das Herz Ottos des Großen bestattet wurde. Doch gefunden wurde es nie.

Zurück zu den Fakten: Zu Ehren seines Vaters hatte Otto I. im 10. Jahrhundert eine mächtige Kirche in Memleben errichten lassen. Das monumentale Bauwerk ist heute ebenso verschwunden wie des Kaisers Herz, jedoch deuten Mauerreste und Fundamente auf den Bau aus dem 10. Jahrhundert hin. Mit einer stattlichen Länge von 82 Metern und einer Breite von knapp 40 Metern zählte die Kirche in Memleben zu den größten Gotteshäusern des Heiligen Römischen Reichs. Sie bestand aus einem dreischiffigen Langhaus, zwei Querhäusern sowie jeweils einer Chorapsis im Osten und im Westen. Die freigelegten Fundamente sowie ein Teil der Langhauswand lassen die beeindruckende Größe erahnen.

Memleben, Fundament Klosterkirche 10. Jahrhundert. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Memleben, Ausgrabung Klosterkirche 10. Jahrhundert. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag
Memleben, Virtual Reality, Klosterkirche 10. Jahrhundert. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Blogger-Kollegin Monique betrachtet die komplette Kirche auf ihrem Smartphone.

Dank moderner Technik können wir trotzdem einen Eindruck erhalten von der vermutlichen Größe der Kirche. Mit Hilfe eines Tablets, das man ausleihen kann, oder eines Smartphones entsteht die gewaltige Basilika vor unseren Augen wieder.

Im 13. Jahrhundert errichteten die Benediktinermönche eine neue Klosteranlage nebst Kirche. Für den Bau der ebenfalls dreischiffigen Basilika verwendete man Materialien der inzwischen aufgegebenen Klosterkirche aus dem 10. Jahrhundert. Von der prächtigen Marienkirche sind heute unter anderem Außenwände des Chores und des Langhauses erhalten, zudem Mittelschiffsarkaden und das Westportal. Die völlig unversehrte Krypta der Marienkirche konnten wir in ihrem Originalzustand besichtigen.

Memleben, Klosterkirche 13. Jahrhundert. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Das war einmal das Mittelschiff der Marienkirche.

Memleben, Krypta Klosterkirche 13. Jahrhundert. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Memleben, Klosterkirche 13. Jahrhundert. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die Klostergärten, die versteckt hinter den historischen Klostermauern liegen, gefallen mir besonders gut. Hier blühen und gedeihen in meditativer Ruhe Ringelblume, Schafgarbe und Johanniskraut, aber auch weniger bekannte mittelalterliche Heilkräuter wie Galgant oder Mädesüß.

#5: Merseburger Dom

Als eine der ältesten Städte im mitteldeutschen Raum wurde Merseburg im 10. Jahrhundert zur Königspfalz erhoben. Im Jahr 968 gründete Otto I. das Bistum Merseburg und legte damit nicht wirklich, aber im übertragenen Sinn, den Grundstein des Doms St. Johannes und St. Laurentius. Tatsächlich geschah dies durch Bischof Thietmar von Merseburg, einen der berühmtesten Chronisten des Mittelalters, sowie das Kaiserpaar Heinrich II und Kunigunde.

Gemeinsam mit dem Schloss und dem Kapitelsaal bildet der Dom auf einem Hügel über der Saale ein eindrucksvolles Ensemble.

Merseburger Dom. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Schloss und Dom Merseburg im Abendlicht.

Der Merseburger Dom wurde 1021 nach nur 6 Jahren Bauzeit geweiht. Seitdem veränderte sich die Basilika durch viele Umbauten gewissermaßen laufend. Noch im 11. Jahrhundert kamen aus technischen Gründen zwei runde Türme als Stütze des zuvor eingestürzten Sanktuariums hinzu. Ein Vierungsturm entstand ebenfalls im 11. Jahrhundert.

Von diesem ersten romanischen Bau sind heute noch Teile der Westtürme, ein Querhausflügel und die dreischiffige Hallenkrypta unter dem Chor erhalten.

Zur prachtvollen Ausstattung des Merseburger Domes zählt eine prunkvolle bronzene Grabplatte Rudolfs von Schwaben und ein Taufstein mit Apostel- und Prophetenfiguren. Daneben gibt es ein kunstvoll geschnitztes Chorgestühl, die über die Landesgrenzen hinaus bekannte Dom-Orgel und eine Renaissance-Kanzel im Langhaus.

Merseburger Dom. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die romantische Ladegast-Orgel des Merseburger Doms.

Merseburger Dom, Straße der Romanik. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Merseburger Dom. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Weil ich gerade Rudolf von Schwaben erwähnt habe: Im Domstiftsarchiv entdecke ich zufällig ein etwas makaberes Exponat. Es ist eine mumifizierte Hand. Genauer gesagt die Hand von Rudolf von Schwaben und ein dazugehöriges Etui. Die Hand soll dem umstrittenen mittelalterlichen Herrscher während einer Schlacht abgeschlagen worden sein.

Merseburger Zaubersprüche

Nachdem ich eine beeindruckende Klangprobe der Orgel erhalten habe, ziehen mich die Domstiftsbibliothek und insbesondere das Zauberspruchgewölbe magisch an. In dunkler Abgeschiedenheit und hinter dicken Mauern werden hier die Merseburger Zaubersprüche aufbewahrt. Die mystische Beleuchtung tut ihr Übrigens, um mir einen Schauer über den Rücken zu jagen, als die Domführerin mit Grabesstimme aus den heidnischen Beschwörungsformeln zitiert.

Merseburger Zaubersprüche. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Merseburger Zaubersprüche.

Die Merseburger Zaubersprüche gelten als die einzigen in Deutschland erhaltenen Zeugnisse germanischer Religiosität in althochdeutscher Sprache. Vor mehr als 1000 Jahren wurden sie von einem Mönch aufgeschrieben.

#6: Kloster St. Marien Helfta

Die Reise auf der Straße der Romanik führt mich nun nach Helfta, einem Stadtteil der Lutherstadt Eisleben. Das im Jahr 1999 wiederaufgebaute und -belebte Zisterzienserinnenkloster St. Marien war im 13. Jahrhundert berühmt als „Krone der deutschen Frauenklöster“. Die Bekanntheit beruhte unter anderem auf der wissenschaftlichen Bildung der Ordensfrauen.

Heute betreiben die Schwestern auf dem Klostergelände unter anderem einen Klosterladen, eine Seifenmanufaktur und ein Gästehaus. Im Park hinter der Kirche wurde ein Labyrinth aus Kräutern, Heilpflanzen und anderen heimischen Gewächsen angelegt.

Kloster Helfta, Garten, Labyrinth. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Labyrinth.

Klosterkirche Helfta, Altarraum. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Kloster Helfta, Park. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

#7: UNESCO-Welterbe-Stadt Quedlinburg

Die mittelalterliche Stadt Quedlinburg ist für mich immer eine Reise wert. Die von wunderschönen Fachwerkhäusern gesäumten Gassen der Altstadt ziehen sich hoch bis zum Schlossberg, auf dem die Stiftkirche St. Servatius thront. Der Domschatz ist weltberühmt und die Sarkophage des Königsehepaares Heinrich I. und seiner Gemahlin Mathilde sowie die romanische Krypta sind Sehenswürdigkeiten für sich.

Dom und Domschatz Quedlinburg

Der Dom St. Servatius als Herzstück der UNESCO-Welterbe-Stätte Quedlinburg entstand um 1100. Die Basilika zählt zu den bedeutendsten hochromanischen Bauwerken in Mitteldeutschland und hat eine bewegte Geschichte. So gründete Königin Mathilde nach dem Tod ihres Mannes Heinrich I. im Jahr 936 auf dem Burgberg ein Damenstift. Von hier aus regierten die Kaiserinnen Adelheid und Theophanu sowie Mathilde als Äbtissin das Reich.

Quedlinburg, Dom. Straße der Romanik. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Quedlinburg, Dom. Straße der Romanik. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

 

Der Domschatz zu Quedlinburg besteht aus Kostbarkeiten, die im Besitz sächsischer Könige waren, und aus dem Brautschatz von Theophanu. Die Kaiserin stammte aus Konstantinopel und brachte von dort Künstler, Architekten und Kunsthandwerker mit. So verbreitete sich der Einfluss byzantinischer Künste im ganzen Reich.

Wann immer ich im Quedlinburger Dom bin, staune ich über kostbare Gefäße mit filigranen Intarsien, Skulpturen, einzigartige Goldschmiedearbeiten und feine Elfenbeinschnitzereien.

Quedlinburg, Domschatz, Samuhel Evangeliar. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Samuhel Evangeliar aus dem Domschatz in Quedlinburg.

Basilika St. Wiperti in Quedlinburg

Am Fuße des Burgbergs liegt auf dem Gelände des ehemaligen Königshofs von Heinrich I. die Kirche St. Wiperti. Sie weist eine Krypta auf, die 1020 nachträglich in das Gotteshaus eingebaut wurde und bis heute im Originalzustand erhalten ist. An diesem Ort zu stehen, an dem Spuren von mehr als 1000 Jahren Leben konserviert sind, ist schon etwas ganz Besonderes.

Quedlinburg, Wiperti-Kirche, Krypta. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag
Quedlinburg, Wiperti-Kirche, Krypta. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Zier-Fries aus dem 11. Jahrhundert, Krypta St. Wiperti Quedlinburg.

Auch das romanische Rundbogenportal des Gotteshauses ist bemerkenswert. Außerdem gibt es ein Sandsteintaufbecken aus der Zeit um 1300 und einen Schnitzaltar aus dem Jahr 1485. St. Wiperti zählt übrigens ebenfalls zum UNESCO Welterbe.

In diesem Beitrag stelle ich weitere Welterbe-Stätten in Sachsen-Anhalt vor.

Mir hat übrigens die Stimmung auf dem Wiperti-Friedhof, den man auf dem Weg zum Eingangsportal passiert, am Abend eines anstrengenden Tages besonders gut gefallen. Der Friedhof gehört zum denkmalgeschützten Areal und sollte bei einer Besichtigung nicht ausgelassen werden.

Alle Fotos: Beate Ziehres

Pressereise: Mein Dank für die Einladung geht an die IMG Sachsen-Anhalt mbH und an alle an der Organisation und Umsetzung Beteiligten. Ich habe kein Honorar erhalten. Der Beitrag gibt meine eigenen Ansichten wieder.

Weitere bedeutende Bauwerke an der Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt

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Jahresrückblick 2023: von Schweden bis zu den Kanaren und eine Reise zu mir selbst https://www.reiselust-mag.de/jahresrueckblick-2023/ Tue, 26 Dec 2023 19:36:50 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=5832 Mein persönlicher Jahresrückblick 2023 – mit neu entdeckten Plätzen zum Überwintern, frischen Sommerzielen sowie liebenswerten Orten mit Charme und Geschichte.

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Schon wieder ist die Zeit gekommen, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Für mich bedeutet das in erster Linie, an schöne Erlebnisse zurückzudenken und an Orte, die einen bleibend guten Eindruck bei mir hinterließen. Habe ich 2023 Städte oder Landschaften entdeckt, die in Zukunft eine Rolle in meinem Leben spielen könnten? Definitiv! Aber: Ich habe im vergangenen Jahr auch eine Reise zu mir selbst gemacht. Mein Jahresrückblick 2023 ist also ein Reiserückblick in jeder Hinsicht.

Hier lest ihr, welche Orte zum Überwintern ich im Jahr 2023 erkundet habe. Lernt Orte mit Geschichte kennen, charmante Städte und erfahrt, wo ich am liebsten – so auch in 2023 – meinen Sommerurlaub verbringe. Und am Ende meines persönlichen Jahresrückblicks 2023 teile ich zudem meine Ziele und Vorhaben für 2024 mit euch.

Das hatte ich mir für 2023 vorgenommen

Eigentlich bin ich mit nur einem Vorsatz ins Jahr 2023 gestartet. Ich wollte wieder in Form kommen. Die erste Maßnahme – Training im Fitnessraum eines Sportvereins – blieb leider erfolglos. So kam ich auf die Idee, mich erstmals in meinem Leben coachen zu lassen.

Ein kleines Ziel am Jahresanfang war, meine Haare abschneiden zu lassen. Außerdem begleitete mich auch 2023 die bisher unausgesprochene Suche nach Orten, an denen ich gerne leben und insbesondere überwintern möchte. Es ist nämlich so, dass ich den deutschen Winter nicht besonders schätze – zumindest meistens. Da hat auch der Einbau einer Infrarotkabine im Keller meines Hauses nur wenig Abhilfe geschafft.

Das ist aus meinen Zielen geworden

  • In Form kommen: Schon lange vor dem Ende des sechsmonatigen Coachings war mir klar, dass ich selten eine wirksamere Entscheidung getroffen habe. Ja, ich habe Zeit investiert für Fitnesseinheiten, tägliche Bewegung und Bücherlesen. In relativ kurzer Zeit hatte ich fast alle ursprünglichen Ziele erreicht und noch Einiges mehr. Heute weiß ich: Mit entsprechender Strategie und Engagement kann ich alle Ziele erreichen, die ich erreichen will. Und so starte ich auch mit klaren Zielen ins kommende Jahr. Dazu später mehr.
  • Haare abschneiden lassen: Haken dran. Im Frühjahr 2023 war die rote Mähne Geschichte und ich fühlte plötzlich Energie für weitere Veränderungen in mir.
  • Orte zum Überwintern finden: Diesem Dauerziel waren in 2023 zwei Reisen gewidmet. Tatsächlich habe ich vier Orte entdeckt, die sich anbieten, um im Winter der feuchten Kälte zu entfliehen.
Beate Ziehres, Malmö, Lilla Torg. Foto: Bernd Ewert

Den Abend genießen am Lilla torg in Malmö. Foto: Bernd Ewert

Mein Reiserückblick 2023

Langfristige Reiseplanungen sind nicht mein Ding. Ich liebe es, spontan aufbrechen zu können – wenn das Wetter schön ist, ich eine Idee habe oder ein spannendes Angebot bekomme. So entschieden wir uns im Januar sprichwörtlich in der letzten Minute für eine Kanaren-Kreuzfahrt.

Beim Rückblick auf das Reisejahr 2023 habe ich vier Vorlieben ausgemacht, an denen sich meine Reiseplanungen häufig orientieren. Im Winter suche ich meist die Wärme und im Sommer Ziele, die Erfrischung versprechen. Städte mit einem gewissen Charme begeistern mit grundsätzlich, ebenso Orte mit Geschichte.

Orte zum Überwintern

Die Kanaren-Kreuzfahrt mit der AIDA Nova hat meinem Lebensgefährten so gut gefallen, dass wir im November gleich wieder an Bord gegangen sind. In Hamburg sind wir mit der AIDA Prima in Richtung Mallorca gestartet. Auf beiden Kreuzfahrten haben wir Orte entdeckt, die mir zum Überwintern geeignet erscheinen.

Madeira

Die portugiesische Insel im Atlantik liegt näher bei Marokko als beim europäischen Festland und wird auch die Insel des ewigen Frühlings genannt. Im Winter beträgt die Durchschnittstemperatur 16 Grad, im Sommer etwa 23 Grad. Wir haben in Funchal die Markthallen besucht und sind dann mit dem Taxi nach Monte gefahren. Auf kurzer Strecke führt hier eine Serpentinenstraße von Meereshöhe auf 600 bis 800 Meter. Oben besuchten wir den tropischen Garten Monte Palace – ein absolutes Muss für Gartenfreunde. Für den Rückweg haben wir die Seilbahn genommen und noch einmal ganz andere Ansichten und die Aussicht genossen. Unser Fazit nach einem Tag auf der Insel: Hier lohnt sich auf jeden Fall ein längerer Aufenthalt.

Tropischer Garten Monte Palace bei Funchal, Madeira. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Tropischer Garten Monte Palace, Funchal, Madeira. Foto: Bernd Ewert

Teneriffa

Für die spanische Kanaren-Insel Teneriffa hatten wir ebenfalls nur einen Tag Zeit. Hier entschieden wir uns nach einem kurzen Bummel durch Santa Cruz de Tenerife, einen Ausflug in die alte Inselhauptstadt San Cristóbal de La Laguna zu machen. Dafür nahmen wir die Straßenbahn, die zwischen den beiden nahezu aneinandergewachsenen Städten verkehrt.

La Laguna liegt auf 550 Metern Höhe. Daher ist es hier etwa 4 Grad kälter als in Santa Cruz – ein Umstand, der uns im Januar zusammen mit einem frischen Wind etwas unangenehm aufgefallen ist. Trotzdem habe ich La Laguna als charmante Stadt mit einer hübschen Altstadt, netten Boutiquen und ausgefallenen Cafés in Erinnerung behalten.

Skulptur in Erinnerung an Papst Johannes Paul II, Iglesia La Concepción, La Laguna, Teneriffa. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Garten der Kirche La Concepción in La Laguna (Teneriffa) mit einer Skulptur Johannes Paul II.

Lanzarote

Die Vulkaninsel Lanzarote liegt nur 125 Kilometer vor der Küste Marokkos. Das Wetter war am Tag unseres Besuchs wechselhaft: mal sonnig warm, mal bewölkt und frisch, mal nass. Aber: In Arrecife hat mein Lebensgefährte im Januar im Meer gebadet – das einzige Mal während dieser Reise.

Mir hat in Arrecife der idyllische Fischerhafen am besten gefallen. Aber auch in der Stadt gab es interessante versteckte Winkel. Nach Lanzarote will ich unbedingt noch einmal zurückkehren, mit viel Zeit für die bizarre Vulkanlandschaft, aber auch zum Baden.

Beate Ziehres, Arrecife, Lanzarote. Foto: Bernd Ewert

Am Fischerhafen von Arrecife auf Lanzarote. Foto: Bernd Ewert

Cádiz, Spanien

Im November brachte uns die AIDA Prima in die spanische Stadt Cádiz. Cádiz liegt in Andalusien und an der Costa de la Luz. Hier haben wir bei Flamenco-Klängen vor der Kulisse des ehemaligen Badehauses Balneario de la Palma am Sandstrand gechillt. An dieser Stelle wurden die Eingangsszenen des James-Bond-Streifens „Stirb an einem anderen Tag“ mit Halle Berry und Pierce Brosnan gedreht. Doch das war nur ein kleiner Teil eines herrlichen Tages in einer wunderschönen Stadt.

Ihr merkt schon: Cádiz hat mir sehr gut gefallen. T-Shirt- und Rock-Temperaturen im November und eine angenehme Atmosphäre haben dazu beigetragen, dass es die Stadt auf meine Liste der Favoriten für einen Aufenthalt im Winter geschafft hat. Vom Sonnenuntergang ganz zu schweigen.

Cadiz, Andalusien, Spanien. Kathedrale. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die Kathedrale von Cádiz in Andalusien (Spanien) im Schein der untergehenden Novembersonne.

Städte mit Charme

Immer wieder entdecke ich auf meinen Reisen weltweit Städte, die mich aus den unterschiedlichsten Gründen einfach ansprechen. Das war auch dieses Jahr so. Hier denke ich insbesondere an

  • A Coruña – eine Hafenstadt im äußersten Nordwesten Spaniens, gerne aufgrund der verglasten Balkone auch „Stadt aus Glas“ genannt. Hier erlebten wir in der Dunkelheit vor dem historischen Leuchtturm „Herkules“ magische Minuten, an die ich mich lange erinnern werde.
  • Gijón – nordspanische Hafenstadt in der Provinz Asturien und am Golf von Biskaya. Die Stadt hat mich mit ihrer hübschen Altstadt, fotogenen Ansichten und dem schönen Strand San Lorenzo in ihren Bann gezogen.
  • Łódź – viertgrößte Stadt Polens, bis 1989 Industriestadt. Heute zieht in die riesigen Backsteinkomplexe der Baumwollspinnereien und Textilfabriken neues Leben ein. Mich faszinieren in Lodz die Aufbruchsstimmung und das harmonische Miteinander von Alt und Modern.
  • Malmö – drittgrößte Stadt Schwedens, im Süden des Landes am Öresund gelegen. Malmö wird geprägt durch sehr moderne Stadtteile, die beispielsweise auf dem Gelände einer ehemaligen Werft entstanden sind. Gleichzeitig lockt der Lilla Torg mit seinen alten Fachwerkhäusern insbesondere am Abend viele Menschen an. Mir gefallen in Malmö die multikulturelle Gesellschaft und die überall sichtbaren internationalen Einflüsse.
  • Warschau – Hauptstadt von Polen. Geschichtsträchtig und modern zugleich. Atemberaubend, mondän, überwältigend. Diese Stadt muss ich mir in aller Ruhe anschauen und dafür mindestens eine Woche einplanen.
Leuchtturm Herkules von A Coruna an der nordwestlichsten Spitze der iberischen Halbinsel. Foto: Beate Ziehres Gijon, Asturien, Spanien. Foto, Beate Ziehres, Reiselust-Mag. Lodz Manufaktura. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Turning Torso in Malmö, Stadtteil Västra Hamnen. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag
Warschau, Polen, Altstadtmarkt. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Altstadtmarkt in Warschau, Polen.

Erfrischende Sommerziele

Natur soweit das Auge reicht und herrlich klare Luft – solche Ziele fasse ich gerne im Sommer ins Auge. In diesem Jahr haben wir den Juli in Südschweden verbracht und davon die meiste Zeit auf Öland. Bei der Auswahl des Urlaubsortes habe ich mir einige Mühe gegeben. Es sollte einen schönen Meeresstrand geben, viele Sonnenstunden und auch ein paar Sehenswürdigkeiten. Und es sollte nicht so weit im Norden sein. So landeten wir auf der Insel Öland, genauer gesagt in Böda.

Öland (Südschweden)

In Böda auf Öland liegt einer der schönsten Strände Schwedens, ein wahrer Traumstrand. Weißer, puderzuckerfeiner Sand soweit das Auge reicht und glasklares, seichtes Wasser. Dazu hatten wir eigentlich jeden Tag Sonne, während der Himmel in Deutschland wochenlang nur Wasser ausschüttete.

Öland bietet einzigartige Landschaften, die wir zum Teil mir dem Fahrrad erkunden konnten, und einige „echte“ Sehenswürdigkeiten.

Leuchtturm Lange Erik bei Byxelkrok, Öland. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Am nördlichsten Zipfel von Öland sorgt der Leuchtturm „Langer Erik“ für sichere Seewege.

Seen in Brandenburg

Als Paddler haben wir diesen Sommer wieder einige Wochenenden an brandenburgischen Seen verbracht. Ja, auch hier gibt es abgeschiedene Fleckchen, die eine Reise wert sind. 2023 haben wir den Springsee in Storkow (Landkreis Oder-Spree) und den Bützsee im Fehrbelliner Stadtteil Wustrau-Altfriesack (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) entdeckt.

Springsee in Brandenburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Vom Bützsee mit dem Kanu auf dem Weg zur Fischerei Pfefferkorn. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Orte mit Geschichte

Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich es liebe, in die Vergangenheit zu reisen? Mein Lebens- und Reisegefährte kennt dieses Steckenpferd zur Genüge. Wo immer ich hinkomme – mein erster Weg führt in die Altstadt. Kälte, Regen und sonstige Unannehmlichkeiten sind sofort vergessen,  wenn es irgendwo Fachwerkhäuser und pittoreske Kopfsteinpflaster-Gassen gibt.

Da gab es in 2023 einige Highlights:

Honfleur in der Normandie

Unsere November-Kreuzfahrt führte unter anderem in die Normandie. Ich hatte bisher weniger gute, verschwommene Erinnerungen an die Bretagne, die in meiner Jugendzeit wurzeln, zum Anlass genommen, den Norden Frankreichs in meinen Reiseplanungen auszuklammern. Ein Fehler, wie ich heute weiß. Nur durch Zufall haben wir Honfleur entdeckt.

Dem Fischerstädtchen mit den bunten Fachwerkhäusern, der Seemannskirche aus Holz und dem pittoresken Hafen werde ich einen eigenen Blogpost widmen und sicherlich einen weiteren Besuch abstatten. Deshalb hier nur kurze Impressionen.

Honfleur Hafen, Frankreich. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Honfleur, Normandie, Frankreich. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Naumburg

Ein Auftrag führte mich im August nach Naumburg. Ich nahm den Besuch zum Anlass, die mittelalterliche Domstadt an der Saale besser kennenzulernen und auch Stadtteile zu erkunden, die ich bisher nicht kannte. Außerdem holte ich im UNESCO-Weltkulturerbe Naumburger Dom die Turmbesteigung nach, die ich bei meinem ersten Besuch wegen Gewitters abbrechen musste.

Marktplatz Naumburg, Sachsen-Anhalt. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Marktplatz in Naumburg, Sachsen-Anhalt.

Quedlinburg

Die Welterbestadt Quedlinburg liegt nördlich des Harzes in Sachsen-Anhalt und damit gewissermaßen vor meiner Haustür. Trotzdem geht mir immer wieder das Herz auf, wenn ich durch die kopfsteingepflasterten Gassen bummele. In Quedlinburg – seit 1994 UNESCO Weltkulturerbe – sind mehr als 2000 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten erhalten.

Welterbestadt Quedlinburg, Sachsen-Anhalt. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Brunnen „Münzenberg Musikanten“ auf dem Marktplatz der Welterbestadt Quedlinburg.

Thront auf dem Berg noch eine Burg, eine Festung oder ein mittelalterliches Kloster, dann ist mein Reiseglück perfekt. Dies war 2023 einige Male der Fall.

Alcazaba in Málaga

Die Alcazaba ist eine maurische Festung oberhalb von Málaga in Südspanien. Ich muss zugeben, dass ich der Palastanlage in Anbetracht der Kürze unseres Besuchs einige Zeit gewidmet habe. Es gibt doch nichts Schöneres, als zwischen den alten Mauern umherzustreifen und versteckte Innenhöfe und Gärten zu entdecken!

Die Alcazaba geht auf einen Maurensultan zurück, der die Burg im 11. Jahrhundert errichtete. Und so muten nicht nur der Name, sondern auch die Bauweise und viele architektonische Details orientalisch an.

Alcazaba – Burg von Malaga. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Burganlage Alcazaba in Málaga.

Burg Falkenstein im Harz

Die mittelalterliche Burg Falkenstein ist eine Burg wie aus dem Bilderbuch. Ich habe sie während einer Pressereise ins südliche Sachsen-Anhalt kennengelernt. Bei einem deftigen Mittagessen erzählte uns der Wirt der Burgschänke, dass die im 12. Jahrhundert erbaute Burg niemals erobert wurde. Ein sagenumwobener Familienschatz der Asseburger, die von 1437 bis nach dem Zweiten Weltkrieg Besitzer der Burg waren, wurde erst 1990 auf der Burg Falkenstein wiedergefunden.

Die Burganlage mit Kernburg, Tor- und Zwingeranlagen, Bergfried und Vorburgen ist heute eines der beliebtesten Ausflugsziele im Harz und Bestandteil der Straße der Romanik.

Burg Falkenstein im Harz. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Bilderbuch-Burg Falkenstein im Selketal.

Marienkirche in Marienhafe

Eine Kirche, die berüchtigten Seeräubern als Fluchtburg gedient haben soll, entdeckten wir in Ostfriesland. Genauer gesagt im beschaulichen Marienhafe. Ich kannte Marienhafe bisher nur dem Namen nach und hätte den Ort keinesfalls in Niedersachsen vermutet. Des Öfteren kommt der Pirat Klaus Störtebeker auf der Freilichtbühne von Ralswiek auf Rügen auf Marienhafe zu sprechen. Kein Wunder, schließlich war Frauke, Störtebekers Geliebte und Tochter von Häuptling ten Brok, in Marienhafe zuhause.

Tatsächlich erkannte ich in der trutzigen Marienkirche mit dem mächtigen Turm das Vorbild für eine Kulisse der Störtebeker-Festspiele wieder. Und ich ließ es mir nicht nehmen, die ausgetretenen Stufen im Turm nach oben zu nehmen. Gewissermaßen auf den Spuren des legendären Seeräubers kletterte ich bis auf die luftige Aussichtsplattform, um den Blick zu der Stelle schweifen zu lassen, wo die Piratenschiffe dereinst im Hafen gelegen haben müssen.

Marienkirche Marienhafe. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Turmtreppe der Marienkirche in Marienhafe. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Meine 3 liebsten eigenen Blogartikel des Jahres

2023 in Zahlen

  • 7 bereiste Länder
  • 35+ bereiste Orte
  • 8 Blogposts
  • 3,65 Mio. Page Impressions
  • 50.000 Klicks aus Google

Meine Ziele für 2024

  • Drei neue Länder und einen neuen Kontinent bereisen: Obwohl Asien nicht ganz neu für mich ist, stehen hier einige Ziele ganz oben auf meiner Liste. Sei es nun der Oman oder Vietnam – meiner Ansicht nach ist Asien so vielfältig wie kaum ein anderer Kontinent. Außerdem will ich in diesem Jahr ein neues afrikanisches Land bereisen.
  • Mindestens zwei neue Blogposts im Monat auf Reiselust-Mag veröffentlichen: Ich will endlich die lange Liste der Themen abarbeiten, die ich schon ewig mit den Worten kommentiere „Darüber wollte ich schon lange geschrieben haben.
  • Die Reichweite von Reiselust-Mag vergrößern: Dies möchte ich beispielsweise durch die Nutzung von Pinterest erreichen.
  • Stärker auf Leserschaft und Zielgruppe fokussieren, indem ich zielgruppenrelevante Themen aufgreife.
  • Blog Business erweitern: Ich möchte erreichen, dass mein Blog mehr Gewicht in meinem Einnahmenmix erhält.
  • Fokus auf Kategorien „Essen und Trinken“ sowie „Wellness“: Diese Themen habe ich eine Weile vernachlässigt, deshalb ist es an der Zeit, hier neue Impulse zu setzen.
  • Themenspektrum erweitern: Ich habe schon Ideen für ein oder zwei neue Kategorien, die ich jedoch hier noch nicht verraten werde.

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Übernachten am Naumburger Dom: die Pension „Alter Bischofshof“ https://www.reiselust-mag.de/pension-alter-bischofshof-uebernachten-naumburger-dom/ Mon, 04 Sep 2023 13:56:30 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=5703 Direkt neben der Welterbestätte Naumburger Dom empfangen die Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz seit Sommer 2023 Übernachtungsgäste. In der Pension "Alter Bischofshof" ist der Name Programm.

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[Werbung] An der Sonnenseite der Welterbestätte Naumburger Dom erstrahlt seit kurzem ein historisches Gebäude in neuem Glanz. Früher logierten hier die Bischöfe, heute empfangen die Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz an dieser Stelle Gäste. Ich hatte das sprichwörtliche Vergnügen, eine Nacht in der Pension „Alter Bischofshof“ zu verbringen.

Das Ambiente, die Lage und die Geschichte des Gebäudes – diese Punkte finde ich beim näheren Kennenlernen der Pension „Alter Bischofshof“ besonders bemerkenswert. Die Einrichtung bezieht sich immer wieder auf die Historie des Ortes, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Gleichzeitig dürfte die Ausstattung den gehobenen Ansprüchen eines geistlichen Würdenträgers gerecht werden. Alles scheint liebevoll bis ins Detail geplant und durchdacht. Und: Alle Zimmer sind individuell gestaltet.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Zimmer. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Gemütlich …

Pension Alter Bischofshof Naumburg: historische Ausstattungsdetails im Zimmer. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Historische Details wie hier das Bänkchen finden sich in allen Zimmern.

Zimmer in der Pension „Alter Bischofshof“

Schon vor dem Betreten meines Zimmers fällt mir auf, dass der „Alte Bischofshof“ vom Gewöhnlichen abweicht:  Der Knauf der schweren Holztür erinnert mich an die Häuser meiner Vorfahren. Außerdem gibt es einen Schlüssel, mit dem die Zimmertür beim Verlassen des Raums abgeschlossen werden sollte – wie es früher eben üblich war.

Augenblicke später knarren Holzdielen gemütlich unter meinen Füßen. Ich freue mich über goldene Samtvorhänge und einen ausladenden, weich gepolsterten Sessel, der mich einlädt, sofort zu entspannen. Die Ständer des historischen Fachwerks geben dem Raum eine angenehme Struktur. Ein königsblauer Teppich und ein Lampenschirm in gleicher Farbe, kombiniert mit goldschimmernden Beistelltischen, sorgen für ein erhabenes Ambiente. Ich fühle mich auf Anhieb wohl.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Zimmer. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Mein Zimmer – einfach zum Wohlfühlen.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Zimmer. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die goldfarbenen Samtvorhänge haben es mir besonders angetan.

Bad mit Stil

Als bekennender Fan der Farben Schwarz und Weiß bin ich in das Bad schockverliebt, seit ich es gesehen habe: mattschwarze Armaturen, Accessoires und Badmöbel, dazu passend gewellte Wandfliesen in Weiß und Bodenfliesen mit Blumenmuster. Die Dusche mit Glastür und -abtrennung sowie Thermostat ist ebenso großzügig wie komfortabel.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Bad. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Blick ins Bad.

Im Schlaf Geschichte lernen

Besonders auffällig und in jedem Zimmer einzigartig – gewissermaßen das Markenzeichen der Pension – ist ein rundes, beleuchtetes Wandbild. Es ist dem  Namensgeber meines Zimmers gewidmet: dem Bischof und Hundefreund Richwin. Bewusst erinnert das Bild an ein Kirchenfenster.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Zimmerdetails. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Bild des Bischofs Richwin in meinem Zimmer.

Und tatsächlich: Bei meinem Besuch im Naumburger Dom entdecke ich das Originalfenster im Westchor. Als Gast der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz finde ich in meinem Zimmer übrigens eine kostenlose Eintrittskarte für den Dom.

„Dass dieses Haus zu verschiedenen Zeiten der Sitz der Naumburger Bischöfe gewesen ist, spiegelt sich in den Zimmern wider. Sie sind alle nach Bischöfen benannt“, erklärt mir Kristina Schwarz, bei den Vereinigten Domstiftern für Marketing und Presse zuständig, später.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Zimmertür. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Studio 2 ist beispielsweise nach dem brüderlichen Berthold benannt.

Kristina Schwarz hat auch die Geschichten zu den namensgebenden Bischöfen parat. Wie zum „Hundefreund Richwin“: Richwin war von 1123 bis 1125 Bischof von Naumburg und hatte damit eine der kürzesten Amtszeiten unter den Naumburger Bischöfen. „Von seinem Leben ist kaum etwas bekannt. Sein bischöfliches Siegel zeigt ihn auf einem Sessel mit zwei Hundeköpfen sitzend. Deshalb der Hundefreund“, erzählt sie.

Schlafen wie ein Murmeltier

Nach einem erlebnisreichen Tag in Naumburg, den ich bei bestem Sommerwetter richtig genießen konnte, freue ich mich auf das Bett im wunderbar kühlen Nordzimmer. Doch kaum habe ich mich in die knisternden Laken gehüllt und das Licht, mit dem mir die Kirchmaus den Weg leuchtet ausgeknipst, höre ich Donnergrollen.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Bett. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Zeit zum Schlafengehen. Gute Nacht.

Kurz darauf registriere ich durch das geöffnete Fenster lautes Wasserrauschen. Vermutlich verrichten die Wasserspeier unter den weitläufigen Dächern des Doms ihre Arbeit. Sorgen bereitet mir das Geräusch nicht. Ich fühle mich geborgen wie in Adams Schoß und widerstehe der Versuchung, aufzustehen und das mächtige mittelalterliche Domgemäuer im zuckenden Licht der Blitze zu betrachten.

Am nächsten Morgen wache ich erholt auf, finde es allerdings etwas schade, das bequeme Bett schon verlassen zu müssen.

Frühstück in der Pension „Alter Bischofshof“

Auch im Treppenhaus ist das Alter des Hauses, das im Jahr 1724 erbaut wurde, sicht- und spürbar. Das im Original erhaltene Treppengeländer und die teils ungleichmäßigen, ausgetretenen Stufen sprechen eine charmante Sprache.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: historische Elemente im Treppenhaus. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Originalbauteile im Treppenhaus.

Um das Frühstück einzunehmen, steige ich hinauf ins Dachgeschoss. Hier wiederholt sich die Liebe zum Detail. Die Tische sind mit schwarz-weißem Geschirr, Servietten und schwarzem Besteck gedeckt.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Frühstücksraum. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Frühstücksraum beinahe über den Dächern von Naumburg.

In der kleinen, offenen Küche, in der auch das Frühstücksbüfett aufgebaut ist, heißt eine Mitarbeiterin alle Gäste persönlich willkommen. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass es an nichts fehlt. So habe ich die Wahl zwischen unterschiedlichen Brötchen, Marmeladen und mehreren Sorten Honig, reichlich Salami, Schinken, Käse und Eiern, ganz nach Geschmack zubereitet. Daneben stehen frisches Gemüse, Joghurt mit Erdbeere, Birnenkompott mit Vanillesoße und ein kleiner Salat bereit.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Frühstück. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Mit diesem Frühstück startet es sich gut in einen wunderbaren Tag.

Mein Favorit an diesem Morgen ist übrigens der Gurken-Paprika-Salat, der appetitlich in kleinen Gläschen angeboten wird.

Hier oben bin ich der Turmuhr des Doms übrigens hörbar näher. Der Schlag, der durch das offene Fenster tönt, klingt schon fast auf Augenhöhe. Dazu gesellt sich das Gurren der Tauben auf dem Dach und ich fühle mich einmal mehr pudelwohl in diesem Haus.

Lage der Pension „Alter Bischofshof“

Die Pension „Alter Bischofshof“ liegt direkt neben dem Naumburger Dom. Zum Besuchereingang der Welterbestätte sind es nur wenige Schritte. Aus meinem Zimmerfenster blicke ich direkt auf das faszinierende mittelalterliche Gemäuer.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Blick aus dem Fenster. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Pension Alter Bischofshof Naumburg: Blick aus dem Fenster. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Doch die Pension bietet sich auch für Radtouristen an. Der Saale-Radweg liegt nur zwei Fahrradminuten entfernt. Außerdem gibt es einen hauseigenen Fahrradkeller, in dem die Drahtesel über Nacht sicher verwahrt sind.

„Alter Bischofshof“ – Zahlen, Daten, Preise

„Die Idee, hier eine Pension zu eröffnen, entstand vor etwa 5 Jahren. Damals waren die Neugestaltung des Domplatzes und die Errichtung des Welterbe-Informationszentrums bis zum 1000-jährigen Bestehen Naumburgs im Jahr 2028 bereits geplant“, sagt Kristina Schwarz. Der „Alte Bischofshof“ wurde im Juni 2023 nach rund dreijähriger Sanierung eröffnet.

Pension Alter Bischofshof Naumburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Pension direkt neben dem Naumburger Dom.

Die Pension verfügt über 7 Doppelzimmer und 2 Studios mit Küche für jeweils 2 bis 4 Personen. Im Doppelzimmer „Standard“ übernachtet man ab 59,50 Euro pro Person und Nacht, im Doppelzimmer „Komfort“ ab 65 Euro. Die Übernachtungspreise in den Zimmern gelten inklusive Frühstück. Doppelzimmer sind ab einer Nacht buchbar.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Studio. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Studio.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Studio. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Wohnbereich eines Studios mit zusätzlicher Schlafmöglichkeit.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Küche im Studio. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Küche eines Studios.

Studios sind bei Zweierbelegung ab 95 Euro pro Tag erhältlich. Für die Studios gilt eine Mindestaufenthaltsdauer von 2 Nächten, die Preise verstehen sich in diesem Fall ohne Frühstück.

Pension „Alter Bischofshof“
Domplatz 20
06618 Naumburg
Telefon +49 (0) 176 8731 0821
E-Mail: info@alterbischofshof-naumburg.de
Webseite Pension „Alter Bischofshof“

Alle Fotos: Beate Ziehres

Offenlegung: Für diesen Artikel habe ich ein Honorar erhalten. Meine eigenen Eindrücke und Meinung sind unbeeinflusst.

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Magdeburg: Reise auf den Spuren von Kaiser Otto I. https://www.reiselust-mag.de/magdeburg-kaiser-otto/ https://www.reiselust-mag.de/magdeburg-kaiser-otto/#comments Sun, 11 Jun 2023 13:37:21 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=5668 Vom Kaiser-Otto-Fest über die Kaiser-Otto-Brücke bis hin zum Ottonianum und zum Kaiser-Otto-Preis – der Name Ottos des Großen ist in Magdeburg allgegenwärtig. Anlässlich des 1050. Todestages des mittelalterlichen Herrschers bin ich in Magdeburg auf Spurensuche.

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Im Jahr 2023 jährt sich der Tod Ottos des Großen zum 1050. Mal. Anlass genug, mich etwas ausführlicher mit dem mittelalterlichen Herrscher zu befassen. Mehr noch: Ich begab mich auf „Des Kaisers letzte Reise“. Sie führte Otto, der ganz der Mode der damaligen Zeit entsprechend immer auf Achse war, von Magdeburg nach Memleben, wo der Kaiser mit 60 Jahren verstarb.

Hier geht es um Magdeburg, seinerzeit die Lieblingspfalz von Otto dem Großen. Außerdem geht es natürlich um Otto selbst, seine Frauen, die Spuren, die er in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt hinterlassen hat, und um eine Einkaufsliste. Dazu gibt’s einen Tipp für Mittelalterfreunde und eine Restaurantempfehlung.

Reisekönigtum im Mittelalter

Eine Angewohnheit der mittelalterlichen Herrscher gefällt mir als Reiseblogger natürlich besonders gut: das sogenannte Reisekönigtum. Damals wurde nicht von Hauptstädten aus regiert. Könige und Kaiser reisten mit ihrem kompletten Gefolge durch ihr Reich.

Unterwegs kam der Hof auf Pfalzen oder Königshöfen unter und blieb an einem Ort, bis in der jeweiligen Region die Nahrungsmittel aufgebraucht waren. Der tägliche Bedarf war immens. In einer Chronik wird die Einkaufsliste des Hofstaats von Ottos I. wiedergegeben. Darauf stehen unter anderem 1000 Schweine und Schafe, zehn Fuhren Wein, zehn Fuhren Bier, acht Rinder, dazu Hühner, Ferkel, Fische, Eier, Hülsenfrüchte und Getreide. Täglich! Allerdings soll im Mittelalter das Schlachtvieh wesentlich kleiner gewesen sein als heute.

Königshof Walbeck bei Hettstedt. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Königshof Walbeck bei Hettstedt. Auch hier machte Kaiser Otto I. während seiner letzten Reise Station.

Zu bedenken ist außerdem, dass neben mehreren hundert Hofangehörigen auch beispielsweise Pferde und Ochsen mitversorgt werden mussten. Bei großen Hoftagen konnten auch tausende oder gar zehntausende Menschen zusammenkommen, die allesamt verköstigt werden mussten.

Ottos letzter Besuch in Magdeburg

Doch nun zu Ottos letztem Besuch in Magdeburg. Im März 973 kehrt der erste Kaiser des Heiligen Römischen Reiches mit seinem Gefolge in die Stadt zurück. Die schicksalhafte Reise hatte bereits im Hochsommer 972 im italienischen Pavia begonnen. Seitdem bewegte sich der Tross in Richtung Alpen und weiter nach Mitteldeutschland.

Weihnachten feiert der Hof in Frankfurt am Main. Am Palmsonntag, dem 16. März 973, werden der Kaiser, seine Frau Adelheid, sein Sohn Otto sowie Schwiegertochter Theophanu prunkvoll im Magdeburger Dom empfangen. Otto I. verkündet feierlich die beim Papst erreichte Gründung des Erzbistums Magdeburg und übergibt der Kirche zahlreiche Geschenke.

Von Kaiser Otto gestiftetes Taufbecken im Magdeburger Dom. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Von Kaiser Otto gestiftetes Taufbecken im Magdeburger Dom.

Magdeburg selbst verdankt dem einflussreichen Herrscher den Aufstieg zu einer der bedeutendsten mittelalterlichen Metropolen Europas. Archäologische Funde untermauern die imperiale und sakrale Bedeutung Magdeburgs für das von Otto I. begründete Herrschergeschlecht der Ottonen. Die Stadt diente auch als Morgengabe für Ottos erste Gemahlin Editha. Die englische Königstochter kam im Alter von 19 Jahren nach Magdeburg, um Otto I. zu heiraten.

In diesen Märztagen des Jahres 973 bleibt der Hof nicht lange in Magdeburg, denn schon das Osterfest will man in Quedlinburg feiern. Und so zieht Otto mit seinem Gefolge nach einem kurzen Besuch weiter in Richtung Harz.

Dom St. Mauritius und Katharina zu Magdeburg

Bevor wir jedoch der letzten Reise des Kaisers nach Quedlinburg und Memleben folgen, verweilen wir etwas in Magdeburg. Eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen der Stadt ist der Dom St. Mauritius und Katharina. Otto I. und seine erste Frau, Königin Editha, hatten einen starken Bezug zu Magdeburg und zum Dom. Sie sahen die Kathedrale als Symbol ihrer Macht und des christlichen Glaubens im aufstrebenden deutschen Reich.

Das majestätische Gotteshaus im Herzen Magdeburgs beeindruckt mich immer wieder mit seiner imposanten Architektur. Es ist die erste von Anfang an gotisch konzipierte und die am frühesten fertiggestellte Kathedrale der Gotik in Deutschland. Der Dom, wie wir ihn heute besichtigen können, wurde ab 1209 gebaut. Er ist der Nachfolgebau des Ottonischen Doms, der 1207 bei einem großen Stadtbrand schwer beschädigt wurde. Unter großem Protest der Bevölkerung ließ der Erzbischof damals die erhalten gebliebenen Außenmauern abtragen. Aus den Steinen entstand an gleicher Stelle der neue Dom.

Gotisches Hauptschiff des Magdeburger Doms. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Altarraum des Magdeburger Doms. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Doch zurück zu Kaiser Otto. Er gründet 937 an der Elbe das Mauritiuskloster. Editha wird dort 946 bestattet und auch Otto selbst hatte bestimmt, in Magdeburg beigesetzt zu werden. Es ist nachgewiesen, dass Otto in den 950er-Jahren einen großartigen Domneubau im spätromanisch-gotischen Stil in Auftrag gibt. Zahlreiche Kostbarkeiten, die Otto I. spätestens bei seinem letzten Besuch im März 973 nach Magdeburg bringt, sollen seinen imperialen Anspruch untermauern.

Nach seinem plötzlichen Tod in Memleben wird die sterbliche Hülle von Kaiser Otto I. im Mai 973 nach Magdeburg gebracht. Die Herrscherfamilie und Weggefährten wohnen seiner Beisetzung im Dom bei.

Die Grablegen Ottos des Großen und seiner ersten Gemahlin Editha wurden später im Altarraum des heutigen Doms platziert. Dort finde ich sie bei meinem Besuch. Doch auch das Kirchenschiff mit der hohen Gewölbedecke, die kunstvoll verzierten Säulen und die würdevoll-kühle Atmosphäre nehmen mich wieder einmal gefangen.

Grab von Kaiser Otto im Magdeburger Dom. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Das Grab Ottos des Großen befindet sich an prominenter Stelle in der Mitte des Hohen Chores im Magdeburger Dom.

Grab von Königin Edith im Magdeburger Dom. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Grab von Königin Editha im Magdebirger Dom, mit Blick nach Osten.

Während Ihres Besuchs im Magdeburger Dom sollten Sie unbedingt eine Führung mitmachen. Die sachkundigen Guides erzählen von der Geschichte des Doms, der Bedeutung von Otto I. und Editha sowie den architektonischen Besonderheiten. Von April bis Oktober werden Turmführungen angeboten und von Oktober bis April Nachtführungen. Alle Zeiten, Treffpunkt und Preise finden Sie auf der Webseite des Magdeburger Doms.

Dommuseum Ottonianum

Nach dem Besuch des Doms begebe ich mich in ein prachtvolles Gebäude gleich gegenüber der Kathedrale. In einem ehemaligen Bankgebäude aus den 1920er-Jahren ist  das Dommuseum Ottonianum untergebracht. Wie der Name schon vermuten lässt, erfahre ich hier alles über Magdeburgs Geschichte, den Dom und seine Schätze sowie Kaiser Otto und seine Frauen.

Thematisiert werden unter anderem die majestätischen und luxuriös ausgestatteten Großbauten, die in ottonischer Zeit auf der heutigen Domplatte entstanden. Die Rede ist von antiken Bauteilen aus Italien, Marmorfußböden, glasierten Dachziegeln und prächtigen Wandmalereien. Die mächtigen Fundamente, die freigelegt wurden, sind auf dem Domplatz zu sehen.

Die Dauerausstellung des Ottonianums versucht auch Menschen jenseits des Bildungsbürgertums anzusprechen und nutzt dafür auch populäre Formate wie Trickfilme. Immer wieder finde ich Anknüpfungspunkte zum Dom oder auch Sichtachsen zur Kathedrale. Mittels Drohnenaufnahmen sieht der Besucher den Dom auch aus ungewöhnlichen Perspektiven.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Informationen zu Führungen finden Sie auf der Webseite des Dommuseums Ottonianum.

Majestas-Domini-Darstellung aus der Gruppe der Magdeburger Elfenbeintafeln, derzeit zu sehen im Ottonianum. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Majestas-Domini-Darstellung aus der Gruppe der Magdeburger Elfenbeintafeln, derzeit zu sehen im Ottonianum. Kaiser Otto, geleitet vom Heiligen Mauritius, überbringt dem thronenden Jesus Christus ein Modell des Magdeburger Doms.

Dompatrone Heiliger Mauritius und Heilige Katharina flankieren die Mutter Gottes. Die Originale befinden sich am Westportal des Magdeburger Doms. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die Dompatrone, der Heilige Mauritius und die Heilige Katharina, flankieren die Mutter Gottes. Die Originale befinden sich am Westportal des Magdeburger Doms in luftiger Höhe.

Sonderausstellung zum 1050. Todestag Kaiser Ottos

Im Kulturhistorischen Museum Magdeburg ist bis zum 8. Oktober 2023 eine Sonderausstellung zum Wirken Ottos des Großen zu sehen. „Welche Taten werden Bilder? Otto der Große in der Erinnerung späterer Zeiten“ lautet der Titel. Anlass der Ausstellung ist der 1050. Todestag des Herrschers, der im Mai 973 starb.

Auf das Wirken des Kaisers wurde in späteren Epochen sowohl in der Geschichtsschreibung als auch in der Kunst oft Bezug genommen. Mit zahlreichen Exponaten vom Mittelalter bis in die Gegenwart nähert sich die Ausstellung den unterschiedlichen Deutungen in den jeweiligen Epochen.

Das Kaisertum Ottos des Großen hatte als Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation bis 1806 Bestand. Otto der Große kann damit als früher Gestalter Europas gelten. Anlässlich der Eröffnung sagte der sachsen-anhaltinische Staatsminister und Minister für Kultur Rainer Robra: „Kaiser Otto der Große ist eine der wichtigen identitätsstiftenden Gestalten für Magdeburg und für Sachsen-Anhalt.“ Er habe die Grundlagen geschaffen für die religiöse, politische und wirtschaftliche Vorrangstellung Magdeburgs im Zeitalter der Ottonen.

Weitere Informationen, Öffnungszeiten und Eintrittspreise finden Sie auf der Webseite des Kulturhistorischen Museum Magdeburg.

Zerrbilder Ottos des Großen, Eingang zur Ausstellung "Welche Taten werden Bilder?". Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Zerrbilder Ottos des Großen am Eingang zur Ausstellung „Welche Taten werden Bilder?“.

Kaiser Otto mit seinen Frauen Edith und Adelheid in der Ausstellung, Heinrich Apel, 1989, Ausstellung "Welche Taten werden Bilder?" im Kulturhistorischen Museum Magdeburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Kaiser Otto mit seinen Frauen Edith und Adelheid von Heinrich Apel, 1989, in der Ausstellung „Welche Taten werden Bilder?“ im Kulturhistorischen Museum Magdeburg. Im Besitz von Schloss Hundisburg, Haldensleben.

"Die Exkommunikation Roberts des Frommen" (links) und "Einzug von Boleslav dem Tapferen in Kiew" (rechts aus der Abteilung "Große ihrer Nationen - Zeitgenossen in Europa". Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

„Die Exkommunikation Roberts des Frommen“ (links) und „Einzug von Boleslav dem Tapferen in Kiew“ (rechts) aus dem Ausstellungsabschnitt „Große ihrer Nationen – Zeitgenossen in Europa“.

Tafelaufsatz Magdeburger Reiter, Ausstellung "Welche Taten werden Bilder?" im Kulturhistorischen Museum Magdeburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Tafelaufsatz Magdeburger Reiter im Bereich „Anfänge und Gründungen“ der Ausstellung „Welche Taten werden Bilder?“ im Kulturhistorischen Museum Magdeburg.

Kaiser-Otto-Fest in der Ottostadt

Die Ottonen sind zurück! Könnte man zumindest jedes Jahr im September meinen. Dann findet in Magdeburg das Kaiser-Otto-Fest statt. An vier Tagen wird dann das Mittelalter wieder lebendig. Auf der Festmeile zwischen dem Kloster Unser Lieben Frauen und dem Remtergang hinter dem Magdeburger Dom gehen Schmied, Steinmetz und Böttcher ihrem Handwerk nach. Es duftet nach Mutzbraten, Met und Striezel, während Feuerkünstler, mittelalterliche Musikanten, Ritter und fabelhafte Wesen für kurzweilige Unterhaltung und viele Überraschungen sorgen.

In 2023 feiern die Magdeburger von 29. September bis 1. Oktober Kaiser Otto, seinen Hof, die Rittersleute und das Leben im Mittelalter. Alle Informationen und das Programm zum Download finden Sie auf der Webseite des Kaiser-Otto-Festes.

Grüne Zitadelle mit Kaiser-Otto-Laden

Die neben dem Dom wohl beliebteste Sehenswürdigkeit Magdeburgs ist die sogenannte Grüne Zitadelle. Seit dem Jahr 2005 bereichert Friedensreich Hundertwassers Bauwerk das Stadtbild der Ottostadt. Die Grüne Zitadelle bietet individuellen Lebens- und Erlebnisraum. Während einer Besichtigung des Gebäudekomplexes kann auch der 33 Meter hohe Turm der Grünen Zitadelle bestiegen werden.

Magdeburg, Hundertwasser-Bau Grüne Zitadelle. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Magdeburg, Hundertwasser-Bau Grüne Zitadelle. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Magdeburg, Hundertwasser-Bau Grüne Zitadelle. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Und: Auch in einem der Innenhöfe der Grünen Zitadelle bin ich auf Kaiser Otto gestoßen, genauer gesagt auf „Ottos Spezialitäten“. Hier gibt es „Machdeburjer Eiersuppe“, Lümmeltunke (Magdeburgs schärfster Senf) und Sudenburger Bier – kurz: Gaumenfreuden, Lieblingströpfchen und Köstlichkeiten aus Kaiser Ottos alten Ländereien.

"Ottos Spezialitäten" in der Grünen Zitadelle. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

„Ottos Spezialitäten“ in der Grünen Zitadelle.

Restaurant und Bar „Domkönig“

Weil mir in Gedanken an solche Leckereien schon wieder das Wasser im Munde zusammenläuft, kommt hier gleich noch ein Tipp fürs Mittagessen. In direkter Nähe des Doms habe ich mir im „Domkönig“, einem wirklich modern-gemütlichen Lokal, von der wöchentlich und saisonal wechselnden Mittagskarte einen köstlichen Burrito gegönnt. Ich bilde mir ein, auch im „Domkönig“ bezieht man sich irgendwie auf Otto den Großen.

Burrito im "Domkönig" in Magdeburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Burrito im „Domkönig“ in Magdeburg.

Weitere Spuren Ottos in Magdeburg

Im Magdeburger Dom wird in der Regel alle zwei Jahre mit dem Kaiser-Otto-Preis der wichtigste Kulturpreis der Landeshauptstadt verliehen. Mit dem Kaiser-Otto-Preis zeichnet die „Kulturstiftung Kaiser Otto“ Persönlichkeiten aus, „die sich um den europäischen Einigungsprozess besonders im Hinblick auf die mittel-, ost- und südosteuropäischen Staaten verdient gemacht haben“. Bekannteste Preisträger dürften Richard von Weizsäcker, ehemaliger Bundespräsident, Angela Merkel, ehemalige Bundeskanzlerin, sowie der rumänische Präsident Klaus Johannis sein.

Zwei neues Elbbrücken tragen fortan die Namen „Königin-Editha-Brücke“ und „Kaiser-Otto-Brücke“. Mit seinem Beschluss folgte der Rat der Stadt Magdeburg den Vorschlägen der Bevölkerung.

Original Skulpturengruppe "Magdeburger Reiter" aus Sandstein, um 1240/1250, dauerhaft im Kulturhistorischen Museum Magdeburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Auch beim berühmten „;Magdeburger Reiter“ soll es sich um Otto den Großen handeln. Die Original Skulpturen-Gruppe „Magdeburger Reiter“ aus Sandstein, um 1240/1250, ist dauerhaft zu sehen im Kulturhistorischen Museum Magdeburg im Kaiser-Otto-Saal.

Pressereise: Mein Dank für die Einladung geht an die IMG Sachsen-Anhalt mbH und an alle an der Organisation und Umsetzung Beteiligten. Ich habe kein Honorar erhalten. Der Text gibt meine eigenen Ansichten wieder.

Als Museumsbloggerin habe ich Welterbestätten in Sachsen-Anhalt besucht. In meinem Artikel schreibe ich auch kurz über Quedlinburg, die Stadt, in der Kaiser Otto sein letztes Osterfest verbrachte.

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Naumburg: 3 Sehenswürdigkeiten und ein Ausflug in den Weinberg https://www.reiselust-mag.de/naumburg/ Wed, 22 Sep 2021 15:13:33 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=5075 Die bekannteste Sehenswürdigkeit in Naumburg (Sachsen-Anhalt) ist der Dom. Weitere Anziehungspunkte sind die Altstadt, die historische Straßenbahn und das Max-Klinger-Haus in Großjena.

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[Werbung] Am allersüdlichsten Zipfel Sachsen-Anhalts liegt die Stadt Naumburg. Hier an der Mündung der Unstrut in die Saale, zwischen sanften, grünen Hügeln, an deren Hängen die Weinreben gedeihen, lässt es sich gut leben. Das Klima ist in dieser Gegend außerordentlich mild. Und so umfängt mich bei meiner Ankunft in Naumburg eine samtene Wärme. Die Freude über den schönen Tag sollte aber von kurzer Dauer sein. Wie so oft in diesem Sommer setzt ein Gewitter den Schlusspunkt hinter warme Phasen. So mache ich mich bei Regen auf den Weg, um die Sehenswürdigkeiten von Naumburg zu erkunden.

Naumburger Dom

Zu allem Überfluss öffnet der Himmel genau in dem Moment die Schleusen, als ich auf einem der Westtürme des Naumburger Doms stehe und eigentlich noch höher hinaus möchte. Die Besichtigung des Dachstuhls, der Dachreiter und der vorabendliche Blick vom Turm sollten ein Höhepunkt meines Besuchs in Naumburg sein.

Der Dom St. Peter und St. Paul ist eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler des europäischen Hochmittelalters und damit die Top-Sehenswürdigkeit in Naumburg. Die Architektur des Gotteshauses mit den beiden höchst unterschiedlichen Chorräumen ist weltweit einzigartig. Das gilt auch für die das Gebäude mitprägende Bildhauerkunst und Glasmalerei.

Ostchor des Naumburger Doms. Foto: Beate Ziehres Kreuzigungsgruppe am Westlettner des Naumburger Doms. Foto: Beate Ziehres Dom von Naumburg, Dachstuhl. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Figuren der Stifter im Naumburger Dom

Besonders beeindruckt hat mich der Westchor mit den Figuren der Stifter. Ein namentlich unbekannter Steinbildhauer – der sogenannte Naumburger Meister – schuf die 12 Figuren vor rund 800 Jahren. Die populärste der Stifterfiguren ist die schöne Uta von Ballenstedt.

Stifterfigur Uta, Naumburger Dom, Foto: Beate Ziehres

Uta, die wohl bekannteste Stifterfigur im Naumburger Dom (rechts).

Turmbesteigung

Nun stehe ich also auf  der unteren Plattform des nordwestlichen Turms etwa auf Höhe des Kirchenschiffdachs. Der Regen peitscht durch die Öffnungen. Das Mädchen in mir gewinnt Oberhand – ich bin zu feige, bei Blitz, Donner, Regen und Sturm an der Außenseite des Turmes in Richtung Spitze zu klettern. Verwässerter Eindruck von halber Höhe:

Regen trübt die Aussicht vom Turm in Richtung Westen. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Regen trübt die Aussicht vom Turm in Richtung Westen.

Domschatzgewölbe

Zurück vom Dach des Naumburger Doms, der seit Juni 2018 zum UNESCO Welterbe der Menschheit zählt, statte ich dem Domschatzgewölbe einen Besuch ab. Hier ist es trocken und warm. Das gilt nicht nur für die Luft. Wie es sich für eine Schatzkammer gehört, dominieren im Gewölbe heimelig-warme Goldtöne.

Im Domschatzgewölbe Naumburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Im Domschatzgewölbe Naumburg.

Hier in einem der größten romanischen Gewölbe Mitteldeutschlands glitzern die sakralen Kostbarkeiten des Doms um die Wette. Mehr als 30 Kunstwerke des Mittelalters und der Renaissance sind im Domschatzgewölbe versammelt.

Dazu zählt beispielsweise die sogenannte Johannesschüssel aus dem frühen 13. Jahrhundert, die den abgeschlagenen Kopf Johannes des Täufers zeigt. Zu sehen sind außerdem ein von Lucas Cranach geschaffener Flügel des einstigen Hauptaltars im Westchor des Doms, die einzigartige Naumburger Pietà und ein imposantes Chorbuch aus dem 16. Jahrhundert.

Im Domschatzgewölbe des Naumburger Doms. Foto: Beate Ziehres Illustriertes Chorbuch im Domschatzgewölbe. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Altstadt von Naumburg an der Saale

Besucher der Stadt sollten auf keinen Fall einen Bummel durch die Altstadt versäumen. Schließlich wurde Naumburg schon vor fast 1000 Jahren Bischofssitz. In der Stadt an der mittelalterlichen Via Regia blühte der Handel, nicht zuletzt wegen der berühmten Naumburger Messen. Bis ins Thüringische und Sächsische war der Markt auch als Peter-Pauls-Messe bekannt. Man handelte mit Tuchen, Pelzen, Fisch – insbesondere Stockfisch aus Schlesien – Getreide, Hopfen und Wein.

Als ich an einem Mittwoch über den Markplatz bummele, herrscht ebenfalls buntes Treiben. Heute verkaufen die Händler frische Obst und Gemüse. Aber ich kann mir das mittelalterliche Marktgeschehen vor dieser Kulisse gut vorstellen. Noch heute prägen das Renaissance-Rathaus und die spätgotische Stadtkirche St. Wenzel diesen Platz. Hier und an der Herrenstraße fallen mir auch charakteristische Bürgerhäuser mit Renaissancegiebeln auf.

Marktplatz in Naumburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Marktplatz in Naumburg.

Stadtmauer und Marientor

Im Süden und im Osten der Altstadt Naumburgs sind bis heute Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung erhalten geblieben. Die Befestigungsanlagen bestanden aus der Stadtmauer und dem Stadtgraben. Die Wenzelsmauer, die Jakobsmauer und die Marienmauer sind noch heute zu sehen. Von ehemals fünf Stadttoren existiert nur noch das prächtige Marientor. Das Marientor ist ein Museum. Im Inneren informiert eine Ausstellung über die historischen Befestigungsanlagen.

Details zu Öffnungszeiten und Eintrittspreis auf der Webseite des Museumsvereins Naumburg.

Marientor in Naumburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Marienplatz in Naumburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Naumburger Straßenbahn

Am Marientor vorbei erreiche ich das Depot der historischen Straßenbahn am Heinrich-von-Stephan-Platz. Vor dem Depot steht schon der Triebwagen 51. Das Fahrzeug des Typs „Reko“ stammt aus dem Jahr 1973 und bietet 22 Sitzplätze. Die älteste Elektrische, die in Naumburg unterwegs ist, wurde 1928 gebaut. Der Typ „Lindner“ mutet für heutige Verhältnisse zwar etwas kantig an, ist aber so etwas wie ein Design-Klassiker.

Zu Anfangszeiten hatte die Naumburger Straßenbahn übrigens schnell ihren Kosenamen „Wilde Zicke“ weg. Denn die Gleise zwischen Bahnhof und Wenzelstor, die im Jahr 1892 innerhalb von nur elf Wochen verlegt wurden, waren ständig verbogen. Der Unterbau war zu schwach. Dieser Mangel sorgte dafür, dass die Straßenbahn, die als Dampfstraßenbahn an den Start ging, wilde Sprünge vollführte.

Heute ist die „Wilde Zicke“ Geschichte, wie ich während einer Probefahrt feststellen kann. Und ich bemerke auch: Die Naumburger nehmen die historische Straßenbahn mit dem charakteristischen, ohrenbetäubenden Läuten als alltägliches Verkehrsmittel an.

Naumburger Straßenbahn. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Naumburger Straßenbahn.

Seit 2007 verkehrt sie wieder auf einem 2,9 Kilometer langen Teilstück der historischen Ringstrecke. Die Linie 4 fährt im Halbstundentakt zwischen Hauptbahnhof und Salztor. Dass die Elektrische wieder fährt, und zwar ausschließlich mit historischen Linienfahrzeugen, ist dem Verein  Nahverkehrsfreunde Naumburg-Jena e. V. zu verdanken.

Naumburger Straßenbahn. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Im Inneren der Naumburger Straßenbahn.

Mehr Informationen auf der Webseite der  Naumburger Straßenbahn.

Max-Klinger-Haus in Großjena

Zum Abschluss meines Aufenthalts in Naumburg steht noch ein Landausflug auf dem Programm. Mit Ulf Dräger, dem Vorsitzenden des Museumsverbands Sachsen-Anhalt, fahre ich in den Naumburger Ortsteil Großjena. Hier in der Nähe des Zusammenflusses von Saale und Unstrut mutet die Landschaft schon fast toskanisch an. Sanfte Hügel, Weinberge, gelb blühende Rapsfelder – ein Setting, in das sich jeder Künstler verlieben muss.

Klingerhaus in Großjena. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Klingerhaus in Großjena.

So ging es auch dem Leipziger Maler, Grafiker und Bildhauer Max Klinger. 1903 kauft er in dieser Landschaft einen Weinberg mit zwei Weinberghäusern. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und Muse, der Schriftstellerin Elsa Asenijeff,  verbringt er hier in Ruhe und Abgeschiedenheit viel Zeit. Zahlreiche Radierungen, Zeichnungen, Aquarelle und Ölbilder zeugen von glücklichen Tagen.

Bronzebüste Elsa Asenijeff. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Klingers Werk: Bronzebüste von Elsa Asenijeff.

Ab 1909 lässt er das obere Haus zu einem komfortablen Landhaus ausbauen, in dem er immer mehr Zeit verbringt. Zu dieser Zeit lernt er auch die 17-jährige Gertrud Bock kennen, die er wenige Monate vor seinem Tod heiratet.

Glanzstücke des Museums: 2 Kachelöfen

Während der 15-minütigen Fahrt gibt mir Ulf Dräger, ein ausgewiesener Kunstkenner, einen Einblick ins Leben und Wirken Max Klingers. Im Wohnhaus sind zwischen April und Oktober zahlreiche Werke Klingers und Erinnerungen an das Leben des Künstlers zu sehen. Dazu zählen beispielsweise die beiden Kachelöfen des Hauses. Klinger hat die beiden Öfen selbst entworfen und die Kacheln eigenhändig geformt.

Kachelofen im Klingerhaus. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Kachelofen Klingerhaus Großjena. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Einzelne Kachel des Ofens, Klingerhaus Großjena. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag
Kachelofen Nr. 2, Klingerhaus Großjena. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Auf dem zweiten Kachelofen hat sich Klinger selbst verewigt.

Druckwerkstatt im Radierhäuschen

Wenige Schritte unterhalb des Landhauses liegt das Radierhäuschen Max Klingers. Es ist eingebettet in den Weinberg, die zahlreichen Fenster geben betörende Aussichten auf die traumhaft schöne Landschaft frei. Das Radierhäuschen diente Max Klinger als Atelier, Druckwerkstatt und Rückzugsort.

Radierhäuschen in Klingers Weinberg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Radierhäuschen in Klingers Weinberg.

Im Radierhäuschen treffe ich den Maler, Grafiker und Illustrator Matthias Schöneburg. Er lebt und arbeitet zum Zeitpunkt meines Besuchs an diesem lauschigen Ort. Bereitwillig zeigt er, wie eine Radierung entsteht – ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Denn unter Radierung versteht man ein künstlerisches Druckverfahren.

Weitere Informationen und Öffnungszeiten des Klingerhauses in Großjena: https://www.mv-naumburg.de/klingerhaus

Matthias Schöneburg bei der Arbeit. Foto: Beate Ziehres Matthias Schöneburg an der Druckmaschine. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Hotel in Naumburg

Während meines Aufenthalts in Naumburg habe ich im Herzen der Altstadt in der Pension Typisch Naumburg übernachtet. Im stilvollen Fachwerkhaus am Reußenplatz 10 logiert man modern in Themenzimmern, die sich auf Naumburger Besonderheiten beziehen.  So gibt es hier beispielsweise ein Domzimmer, ein Straßenbahnzimmer und ein Weinzimmer. Ich wohne im Orgelzimmer mit einer Orgelpfeife als Deko-Objekt an der Wand. Der Name bezieht sich auf die barocke Orgel in der Stadtkirche St. Wenzel, die von Johann Sebastian Bach persönlich abgenommen wurde.

Ich habe Naumburg im Rahmen einer Bloggerinnentour durch Sachsen-Anhalt besucht. Die Reise fand in Kooperation mit dem Museumsverband Sachsen-Anhalt, der Investitions- und Marketing-Gesellschaft Sachsen-Anhalt (IMG) sowie der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt statt. Vielen Dank für die Organisation!

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Ferropolis: Industriedenkmal zum Feiern, Campen und Chillen https://www.reiselust-mag.de/ferropolis/ https://www.reiselust-mag.de/ferropolis/#comments Mon, 28 Jun 2021 15:17:05 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=4985 Wo früher die Braunkohlebagger ratterten und der Tagebau im Staub versank, liegen heute Ferropolis und der blaue Gremminer See. Ferropolis ist Freilichtmuseum und Industriedenkmal und im See ist das Baden erlaubt.

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[Werbung] „Ach“, sagt meine Kollegin, als ich erzähle, dass Ferropolis auf meinem Reiseprogramm steht. „Ich dachte, Du fährst nach Sachsen-Anhalt!“ Deshalb folgt hier zuerst ein kleiner Exkurs zur Bedeutung von Ferropolis, der Stadt aus Eisen. Der Ort liegt auf einer Halbinsel im Gremminer See bei Gräfenhainichen (Landkreis Wittenberg) und damit tatsächlich in Sachsen-Anhalt. Ferropolis ist Museum, Denkmal, Veranstaltungsort und neuerdings sogar Campingplatz mit Strandzugang. Ferropolis ist vor allem eines: außergewöhnlich!

Darum nennt sich Ferropolis Stadt aus Eisen

Als lebendiges Museum und Industriedenkmal erinnert Ferropolis an die 150 Jahre währende Epoche der Braunkohleförderung im mitteldeutschen Raum. Fünf gigantische Bagger, die früher Kohle und Abraum geschürft haben, geben Ferropolis den Namen „Stadt aus Eisen“.

Ob Absetzer, Schaufelradbagger, Eimerkettenbagger oder Raupensäulenschwenkbagger – die Giganten des Bergbaus versetzen mich immer wieder ins Staunen. Dabei ist es beileibe nicht meine erste Begegnung mit Tagebau-Großgeräten. Schließlich lebe ich seit mehr als 30 Jahren in einer Tagebauregion und durfte als Reporterin bereits einen Baggerführer an seinem Arbeitsplatz interviewen.

Suchbild mit Mensch unter dem Eimerkettenbagger Mad Max. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Suchbild mit Mensch: Wer findet Björn unter dem Eimerkettenbagger Mad Max?

Ferropolis, mannshohe Baggerschaufeln. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Jede einzelne der vielen Schaufeln von Mad Max ist mehr als „manns“-hoch.

Die Größe der Geräte ist beeindruckend. Ein Beispiel: Gemini, ein zweiteiliger und schwenkbarer Absetzer auf Schienen, hat in etwa die Ausmaße eines Wohnblocks. Das Gerät ist 30 Meter hoch, 125 Meter breit und wiegt 1980 Tonnen! Die Aufgabe eines Absetzers ist es, Abraum in den ausgekohlten Teil des Braunkohletagebaus zu kippen.

Als ich die steilen Treppen des Absetzers mit der wenig klangvollen Bezeichnung 1022 A2s 2240 erklimme, steigt mir die Vergangenheit förmlich in die Nase. Hier riecht es nach Eisen, nach Maschinen und nach Schmierfett. Die Aussicht von Geminis „Balkon“ auf die Stadt aus Eisen und den Gremminer See ist ebenfalls beeindruckend.

Aussicht vom Absetzer Gemini zum Gremminer See und zum Eimerkettenbagger Mad Max. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Absetzer mit Aussicht: Blick von Gemini zum Gremminer See und zum Eimerkettenbagger Mad Max.

Ferropolis: Blick von Gemini auf den Gremminer See nebst Strand. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Strand und Wasserfläche des Gremminer See, vom Absetzer Gemini aus gesehen.

Technik im Maschinenraum des Absetzers Gemini. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Solide Technik im Maschinenraum des Absetzers Gemini.

Naturidyll Gremminer See

Das spannungsreiche Zusammentreffen der technischen Giganten mit dem idyllischen See ist kein Zufall. Vielmehr haben alle Bergbaugroßgeräte an genau dieser Stelle ihren Dienst verrichtet. Damals, vor dem Jahr 2000, als es den Gremminer See noch nicht gab. Das Gewässer ist ein gefluteter Braunkohletagebau und die Halbinsel, auf der Ferropolis liegt, in Wirklichkeit ein Restkohlepfeiler.

Erst seit Ende August 2020 ist das Baden an zwei ausgewiesenen Badestellen erlaubt, eine davon liegt direkt vor der Arena von Ferropolis. Hier grabe ich die Zehen in den goldgelben Sand am Strand und kühle die Füße im frischen Nass, während neben mir im Schilf ein paar Enten schnattern und vor mir ein Standup-Paddler ruhig über das blaue Wasser gleitet. Auch Ruder- und Segelboote bis zu 10 Metern Länge dürfen das künstliche Idyll befahren und das Tauchen ist erlaubt.

Strand am Gremminer See in Ferropolis. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Chillen am Badestrand von Ferropolis. Foto: Beate Ziehres

Beate Ziehres mit den Füßen im Gremminer See.

Schön klar, schön frisch – das Wasser des Gremminer Sees kühlt meine Füße.

Hinter meinem Rücken erheben sich indes Mad Max, Medusa, Mosquito und Gemini. Die Absetzer und Bagger werfen ihre Schatten auf große, leere Flächen und bei sinkender Sonne sicherlich bis auf den Sandstrand.

Strand mit Baggern in Ferropolis. Foto: Beate Ziehres

Baden im Schatten von Tagebaugroßgeräten – in Ferropolis ist das möglich.

Camping in Ferropolis

Apropos sinkende Sonne: Neuerdings kann man auch die Nacht im Freilichtmuseum verbringen. Im gespenstischen Schatten der filigranen Monster aus Stahl dürfen Camper jetzt ihre Zelte aufschlagen. Oder ihre Wohnmobile parken. Übrigens ist Ferropolis der optimale Ausgangpunkt zur Erkundung zahlreicher Museen und Welterbe-Stätten in der Region.

Camping in Ferropolis. Foto: Beate Ziehres

Camping ist in Ferropolis wieder möglich.

An den Abenden, wenn die Tagesbesucher Ferropolis verlassen haben und die Sonne hinter den Bäumen rund um den Gremminer See versinkt, sei es besonders schön auf dem Gelände, versichert Kathleen. Kathleen führt mich über das Gelände, zeigt mir das Große und Ganze sowie technische Details.

Technische Details an Bergbaugroßgeräten – das klingt im Moment nicht wirklich spannend. Doch als Kathleen beispielsweise die Bedeutung des Pendels erklärt, das sich an jedem dieser Geräte befindet, sträuben sich mir die Nackenhaare. Ein Teammitglied hat dieses unscheinbare Pendel immer beobachtet, solange der Koloss in Betrieb war. Das Pendel zeigt die Neigung des Riesen aus Stahl an. Sobald die Neigung einen bestimmten Winkel erreicht, droht das Monster zu kippen. Das wollte und will wirklich niemand erleben!

Pendel am Bagger Mad Max, Ferropolis. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Elementar wichtiges Überwachungsinstrument eines Baggers: Das Pendel zeigt die Neigung des Geräts an.

Für Kathleen ist die Arbeit in Ferropolis eher Berufung denn Beruf. Sie liebt diesen Ort und hat hier sogar ihrem Liebsten das Jawort gegeben. Ihr Lieblingsplatz in den Abendstunden ist der Strand. Hierhin zieht sie sich nach der Arbeit gerne zurück, lässt die Gedanken schweifen und den Tag Revue passieren.

Geschichte von Ferropolis

Blicken wir noch einmal zu den Anfängen von Ferropolis zurück. Bis zum Jahr 1958 lag an der Stelle des Sees mitteldeutsche Landschaft und der Ort Gremmin. Dann wurde der Tagebau Golpa-Nord aufgeschlossen und Gremmin verschwand von der Landkarte. Die Menschen, die hier lebten, siedelten in benachbarte Orte um. Viele von ihnen arbeiteten im Tagebau.

Die ab 1964 in Golpa-Nord geförderte Braunkohle war wichtig zur Versorgung Ostdeutschlands mit Elektrizität. Sie wurde in den Kraftwerken Zschornewitz und Vockerode verstromt.

Nach dem Ende des Kohleabbaus in Golpa-Nord beginnt 1991 die Tagebausanierung. Und in den Köpfen einiger Kreativer im benachbarten Dessau wächst die Idee für Ferropolis. Die „Stadt aus Eisen“ wird im Dezember 1995 gegründet und Projekt der EXPO 2000.

Ferropolis, Absetzer Medusa. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Absetzer Medusa.

Im ersten Jahr des neuen Jahrtausends nimmt die Zukunft von Ferropolis richtig Form an: Die Arena für 25.000 Besucher wird mit einem Mikis-Theodorakis-Konzert eröffnet. Gleichzeitig beginnt die Flutung des Tagebau-Restlochs mit Grundwasser und Wasser aus dem Flüsschen Mulde. Die Sanierung der fünf Tagebaugroßgeräte erfolgt in den Jahren 2004 und 2005.

Ferropolis, Blick vom Absetzer Gemini auf den Schaufelradbagger Big Wheel. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Blick vom Absetzer Gemini auf den Schaufelradbagger Big Wheel.

Ferropolis als Veranstaltungsort für Festivals

Von Beginn an war Ferropolis mit seiner Arena als Ort für Großveranstaltungen konzipiert. Inzwischen kommen jährlich Zehntausende zu Konzerten, Festivals und Events aller Art. Kathleen schwärmt von der einzigartigen Atmosphäre, erzeugt durch die Spannung zwischen kraftvoller Musik, buntem Licht, Natur und den stählernen Kolossen rund um die Arena. Ich kann mir das Spektakel auch in der warmen Nachmittagssonne stehend gut vorstellen.

Konzerte

Kylie Minogue, Linkin Park und Die Ärzte haben in der Kulisse des Industriedenkmals gespielt, Herbert Grönemeyer und Die Toten Hosen natürlich auch. Das Musikfestival Melt und das Hip-Hop-Festival Splash sind in Ferropolis zuhause. 2016 zieht das Metal-Festival „With Full Force“ nach Ferropolis.

Iron Drift King

Einmal im Jahr kommt die europäische Drift-Elite nach Ferropolis, um sich ein hartes Rennen zu liefern. Mit ihren 1200 PS starken Rennwagen kämpfen sie um die perfekte Linie. Beim Iron Drift King brennt die Luft, es riecht nach Benzin und verbrannten Reifen, Nebelschwaden ziehen über die Strecke. Die Motorsportveranstaltung lockt in diesem Jahr von 19. bis 21. August die Zuschauer auf die Halbinsel.

Triathlon

Stählerne Muskeln spielen hin und wieder in Ferropolis ebenfalls eine Rolle – wenn der NeuseenMan-Triathlon ausgetragen wird. Die Athleten schwimmen im Gremminer See, radeln durch den Landkreis Wittenberg und laufen auf dem Uferrundweg. Die Teilnehmer können zwischen Sprint, Olympischer Distanz und Mitteldistanz wählen. Der nächste NeuseenMan-Triathlon findet am 28. und 29. Mai 2022 statt.

Drehort Ferropolis

Kathleen verschwindet über die leere Arena in Richtung See, als die Führung beendet ist. Es ist später Nachmittag und sie hat Feierabend. Unsere kleine Reisegruppe hingegen kehrt noch einmal um. Wir wollen einem Stück Film- und DDR-Geschichte nachspüren: Der Bagger Big Wheel, wie das Ungetüm mit dem riesigen Schaufelrad bezeichnenderweise genannt wird, war Drehort für den Film „Gundermann“. Denn Gerhard Gundermann, von dessen Leben der Film handelt, war nicht nur ein bekannter Liedermacher, sondern auch Baggerfahrer und – die unbekannte Seite – Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit.

Schauferadbagger Big Wheel als Drehort für "Gundermann". Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Hier im Fahrerhaus des Schaufelradbaggers Big Wheel entstanden einige Szenen des Filmes „Gundermann“.

Im Führerhaus des Schaufelradbaggers kamen ihm Einfälle für seine Texte. Und so müssen wir das Führerhaus, das in „Gundermann“ mitspielte, noch einmal aus der Nähe ansehen, bevor wir Ferropolis den Rücken kehren.

Übrigens diente Ferropolis beispielsweise auch in einer Folge von Polizeiruf 110 als Kulisse.

Spuren der Bergleute von Golpa-Nord

Auf dem Weg zurück in die normale Welt passieren wir wieder das Ortsschild und die überdimensionalen Porträts von Bergleuten, die uns schon bei der Ankunft aufgefallen sind. Sie erinnern mich an Mount Rushmore, obwohl sie nicht in einen Berg gemeißelt sind, sondern – viel passender an dieser Stelle – uns von den Wänden alter Betriebsgebäude herunter anschauen. Es sind markante Gesichter, vom Leben und der Arbeit im Tagebau gezeichnet. Ich bilde mir ein, auch etwas Wehmut in ihren Augen zu sehen. Die Zeit, an die Ferropolis erinnert, wurde abgelöst von einer anderen Epoche. Aber dieser Ort hat eine neue Bestimmung gefunden. Und das ist gut so.

Ortsschild Ferropolis. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Am Ortseingang von Ferropolis wacht Walter Nitsche, Tagesschichtleiter im Tagebau Golpa-Nord.

Kunstprojekt "Spuren", Ferropolis. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Unvergessen und überlebensgroß am Betriebsgebäude festgehalten: die Bergleute Walter Nitsche, Hans-Georg Petschke und Peter Schlosser.

Anfahrt, Führungen, Eintritt

Hinweise zu den aktuellen Öffnungszeiten, zu Eintrittspreisen, den Möglichkeiten, ein online-Ticket zu erwerben, Führungen sowie zur Anreise und Neuigkeiten finden Sie detailliert und aktuell auf der Webseite von Ferropolis.

Die Reise nach Ferropolis fand in Kooperation mit dem Museumsverband Sachsen-Anhalt, der Investitions- und Marketing-Gesellschaft Sachsen-Anhalt (IMG) sowie der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt statt. Vielen Dank für die Organisation!

Sandra von Tripp Tipp hat hier hier ihre Gedanken über Ferropolis niedergeschrieben.

Auch Burgdame Eva war dabei in Ferropolis. Hier ist ihr Beitrag.

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