Städtereise Archive | Reiselust-Mag Reisetipps für Bestager Thu, 12 Dec 2024 16:29:36 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.5.5 https://www.reiselust-mag.de/wp-content/uploads/cropped-Logo-Reiselust-32x32.png Städtereise Archive | Reiselust-Mag 32 32 Rom, der Vatikan und die Malteser: Skurriles aus der Ewigen Stadt https://www.reiselust-mag.de/rom-vatikan-malteser/ Sun, 17 Nov 2024 22:05:39 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=6368 Die beiden Rom-Kennerinnen Marie Fröhlich und Sonja Warter haben in der Ewigen Stadt Rom und dem Staat in der Stadt, dem Vatikan, viel Verwunderliches entdeckt. Davon berichten sie hier auf Reiselust-Mag und in ihrem Buch "Schmankerln aus Rom.

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Wusstet ihr, dass in Rom 3 Staaten friedlich nebeneinander existieren? Rom gehört zu Italien – soweit ist die Sache klar. Und dass sich im Herzen der Ewigen Stadt der Vatikan – also ein eigener Staat – befindet, weiß auch jedes Kind. Aber welchen dritten Staat gibt es da noch? Schon mal vom Souveränen Militärorden Malta (SMOM) gehört? Streng genommen ist er zwar nur fast ein eigener Staat, da er über kein eigenes Territorium verfügt. Trotzdem wird er von vielen Ländern als souveräne Entität anerkannt. Interessanterweise befindet sich der Hauptsitz des Malteser-Ordens eben nicht, wie der Name vermuten ließe, auf der Insel Malta, sondern in der italienischen Hauptstadt. Dies ist nur eine von vielen erstaunlichen Geschichten aus Rom.

Auf Besuch bei der Ministerpräsidentin

Aber alles der Reihe nach. Der Regierungssitz Italiens sowie der Amtssitz des Ministerpräsidenten ist der Palazzo Chigi, der direkt an der großen Einkaufsstraße Via del Corso liegt. Früher ging hier der exzentrische Premier Silvio Berlusconi ein und aus, heute die erste Ministerpräsidentin des Landes, Giorgia Meloni. Dennoch ist es vorläufig der Amtssitz des Ministerpräsidenten, denn auch Meloni besteht darauf, als „il presidente del consiglio“ angesprochen zu werden, also als „der Ministerpräsident“. Den prächtigen Palazzo kannst du übrigens besichtigen, nach vorhergehender Anmeldung und gründlichen Sicherheitskontrollen.

Heiraten in Rom

Weniger bürokratisch, dafür umso romantischer geht es am Kapitolhügel zu. Er ist 15 Minuten zu Fuß entfernt und liegt gleich neben der Piazza Venezia. Dort befindet sich der Senatorenpalast und in diesem der Sitz der römischen Stadtregierung. Außerdem wird in besagtem Senatorenpalast geheiratet, was das Zeug hält. Egal ob Römer oder Chinesen, in der prächtigen Sala Rossa werden Hochzeitsträume wahr.

Heiraten in Rom im Senatorenpalast. Foto: Sonja Warter/Marie Fröhlich

Im Senatorenpalast auf dem Kapitolhügel, dem heutigen Rathaus Roms, wird gerne geheiratet.

Und damit auch die Eheträume der Römerinnen und Römer nicht den Bach hinuntergingen, haben sie sich früher streng an einen ganz besonderen Brauch gehalten: Unmittelbar nach der Trauung musste jedes frisch vermählte Paar die Marc-Aurel-Statue im Zentrum des sternförmig angelegten Platzes vor dem Rathaus umrunden. Und zwar ganze siebenmal. Das Problem: Der goldene Marc Aurel musste 1990 witterungsbedingt seinen Platz räumen und ins Museum umziehen. Zwar wurde er durch eine ebenso schöne Kopie ersetzt, doch um diese wollte offenbar kein Hochzeitspaar mehr seine Runden drehen. Ein Zusammenhang mit der gestiegenen Scheidungsrate in der Stadt kann nicht ausgeschlossen werden … (Dies ist übrigens die Kurzfassung einer von 101 witzigen und erstaunlichen Geschichten aus unserem Buch „Schmankerl aus Rom“.)

Marc-Aurel-Statue auf dem Kapitolhügel, Rom. Sonja Warter/Marie Fröhlich

Marc-Aurel-Statue auf dem Kapitolhügel.

Der Vatikan: eine Monarchie mitten in Rom

Mit dem Heiraten wird es im Vatikan wohl eher selten etwas, außer für die Schweizergarde und da erst frühestens ab dem Alter von 25 und nach 5 Dienstjahren. Zu diesem Zweck kommt man aber ohnehin nicht hierher, sondern wohl eher wegen des einzigartigen Ambientes und der Kunstschätze.

Wenn du die Grenze zwischen Rom (also Italien) und dem Vatikan am Petersplatz überschreitest, verlässt du übrigens auch die Demokratie und betrittst mit dem „Staat der Vatikanstadt“ eine Wahlmonarchie. Und zwar eine mit ganz vielen Besonder- und Eigenheiten: Der Vatikan ist zwar ein Staat, allerdings einer, dessen Staatsbürgerschaft man nicht dauerhaft erwerben kann. Sie wird nämlich ausschließlich an Personen verliehen, die im Dienst des Vatikans stehen und nach der Dienstzeit wieder entzogen.

Streng genommen verlässt du sogar die EU, wenn du auf dem Petersplatz dem Papst zujubelst. Es gibt eigene Vatikan-Münzen und die Geldauswahl am Bankomat kannst du, wenn gewünscht, auf Lateinisch treffen. Wichtig: Die Postkarten mit den Briefmarken aus dem Kleinstaat gehören in den gelben vatikanischen Briefkasten und nicht in den roten römischen, wenn sie bei den Lieben zu Hause tatsächlich ankommen sollen.

Briefkasten Vatikan Post. Foto: Sonja Warter/Marie Fröhlich

Briefkasten der Vatikan-Post.

Das Gedränge am Petersplatz ist meistens groß, die Schlange vor der Sicherheitskontrolle am Petersdom lang. Außer du kommst, so wie wir, am Abend hierher, dann, wenn es bereits dunkel ist. Da hat der Petersdom zwar schon geschlossen, aber die grandiose Atmosphäre kannst du fast allein genießen. Glaub uns, der Anblick ist überwältigend!

Petersplatz Rom. Foto: Sonja Warter/Marie Fröhlich

Schaulustige auf dem Petersplatz im Vatikan.

Vatikan bei Nacht. Foto: Sonja Warter/Marie Fröhlich

Leere Stuhlreihen im nächtlichen Vatikan.

Der Vatikan – verstreut in der Ewigen Stadt

Wusstest du, dass zum Vatikan nicht nur das Gebiet hinter den Mauern auf dem Vatikanhügel gehört? Nein, es gibt auch extraterritoriale Gebiete, und zwar mitten in der Stadt und auf dem Land. Mit Letzterem ist unter anderem Castel Gandolfo gemeint, der Ort, in dem die Sommerresidenz der Päpste liegt. Sie ist definitiv einen Besuch wert und kann, seit Papst Franziskus als erster Papst seine Sommer in Rom verbringt, besichtigt werden. Inklusive des päpstlichen Schlafzimmers.

Castel Gandolfo, Papstschlafzimmer. Foto: Sonja Warter/Marie Fröhlich

Päpstliches Schlafzimmer in Castel Gandolfo.

Zu den extraterritorialen Gebieten des Vatikans in Rom gehören die Basiliken San Giovanni in Laterano, Santa Maria Maggiore und Sankt Paul vor den Mauern. Sie alle werden nächstes Jahr, das bekanntlich ein heiliges ist, regen Pilgerzustrom haben.

Sankt Paul vor den Mauern Rom. Foto: Sonja Warter/Marie Fröhlich Innenraum Sankt Paul vor den Mauern Rom. Foto: Sonja Warter/Marie Fröhlich

Der Kotstuhl im Lateran-Palast

Möglicherweise wirst du, solltest du dich im Heiligen Jahr mit Millionen von Pilgern nach Rom wagen, auch den Kotstuhl, den „sedes stercorata“, im zur Basilika gehörenden Lateran-Palast besichtigen können. Okay, vermutlich nur die Kopie, wenn man der Wissenschaft glaubt. Das Original dürfte sich im Pariser Louvre befinden, da Napoleon einen solchen Stuhl aus Marmor – im Glauben, es handle sich um einen Kaiserthron – als Beute mitgenommen hat. Ein weiteren derartigen Stuhl gibt es übrigens in den Vatikanischen Museen. Doch was ist daran so interessant?

Eine Legende besagt, dass ab dem 12. Jahrhundert alle Päpste im Zuge ihrer Inthronisierung in der Lateran-Basilika auf diesem Stuhl mit dem Loch in der Sitzfläche Platz nehmen mussten. Dann sei es angeblich von unten zu einer händischen Inspektion der empfindlichsten Teile des neuen Heiligen Vaters gekommen. Schließlich wollte man sicherzugehen, dass der Papst ein Mann und keine Frau sei. Sobald dies geklärt war, erschallte der Ruf: „Duos habet“ – zwei Stück vorhanden. „Et bene pendentes“ – wohlhängend noch dazu.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Die Geschichte ist nicht wahr. Sie wurde irgendwann erfunden und weitererzählt.

Der Stuhl wurde allerdings tatsächlich – mehr oder weniger freiwillig – von den frisch gekürten Päpsten verwendet. Das Ziel: den neuen Päpsten Demut beizubringen. Indem sich das Kirchenoberhaupt auf diesen Stuhl setzte, sollte ihm bewusst gemacht werden, dass er sterblich war und irgendwann verwesen, also zu stinkendem Kot werden würde.

Die Papst-Mosaiken in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern

Apropos Tod der Päpste. Auch dazu gibt es eine Legende. Sie betrifft die etwas vom Stadtzentrum entfernt liegende Basilika Sankt Paul vor den Mauern, die ebenfalls zum Vatikan gehört. Für uns ist das auf der Ausfahrtsstraße nach Ostiense errichtete Gotteshaus mit der goldenen Kassettendecke außerdem eine der schönsten und stimmungsvollsten Kirchen Roms. Sie zieht einen richtiggehend in Bann, ein Besuch lohnt sich also schon allein deswegen.

Papst-Mosaiken Sankt Paul vor den Mauern Rom. Foto: Sonja Warter/Marie Fröhlich

Das vorerst letzte Mosaik in der Reihe aller Päpste zeigt Papst Franziskus. Daneben sind noch freie Plätze zu sehen.

Spannendes Detail: Über den Säulen des ganzen Innenraums befinden sich Mosaikporträts aller bisherigen Päpste, von Petrus bis Franziskus. Und genau hier hat die nächste Legende ihren Ausgang. Es heißt, dass das Ende der Welt dann kommen wird, wenn kein Papst-Medaillon dort mehr Platz finden kann. Für Papst Johannes Paul II., der zu seiner Amtszeit eine der letzten freien Stellen ergattert hatte, war dieses Risiko eindeutig zu groß. Und so wurden auf seinen Wunsch hin weitere Porträt-Stellen geschaffen, sodass es Stand heute noch 26 davon gibt. Die Welt ist also – vorläufig – gerettet.

Der Hauptsitz des Malteserordens: gleich neben Buffalo Bill

Aber genug vom Vatikan: Reden wir über den Fast-Staat SMOM, den maltesischen Militärorden. Der hat seinen Sitz im Palazzo Magistrale in der Via dei Condotti 68, unweit der Spanischen Treppe, die übrigens in Wirklichkeit „Scalinata di Trinità dei Monti“ heißt.

Auf dem Weg von der berühmten Treppe zum Palazzo di Malta, wie das Gebäude auch genannt wird, kommst du an einem besonderen Café vorbei: dem Antico Caffè Greco. Es handelt sich dabei um das zweitälteste Café Italiens, das früher der Treffpunkt von Adel, Intellektuellen und Künstlern war. Von Audrey Hepburn bis Prinzessin Diana waren alle da. Und davor noch ein Gast, der nicht ganz hierher passt: 1890 kam Frederick Cody, alias Buffalo Bill, mit einer Gruppe Cowboys im Antico Greco auf einen Kaffee vorbei. Eine Büste von ihm kannst du bis heute besichtigen. Und dabei einen Espresso trinken, der trotz der illustren Gäste nicht nur gut schmeckt, sondern obendrein recht günstig ist.

Antico Caffé Greco in Rom. Foto: Sonja Warter/Marie Fröhlich

Antico Caffé Greco in Rom.

Büste von Buffalo Bill in Antico Caffé Greco, Rom. Foto: Sonja Warter/Marie Fröhlich

Die Büste dokumentiert den Besuch von Buffalo Bill im Antico Caffé Greco in Rom.

Zurück zum Malteser-Orden. Der widmet sich vor allem der medizinischen, sozialen und humanitären Arbeit. Der Palazzo Magistrale in Rom ist der Sitz des Großmeisters sowie der Regierung des Ordens und hat vom italienischen Staat extraterritoriale Rechte verliehen bekommen. Ähnlich wie der Vatikan unterhält er diplomatische Beziehungen zu mehr als 100 Staaten und zur Europäischen Union. Sogar bei den Vereinten Nationen hat er einen Beobachterstatus.

Vor dem Palazzo Magistrale weht die Fahne des Ritterordens mit dem bekannten weißen lateinischen Kreuz auf rotem Grund. Ist der Großmeister im Haus, wird seine persönliche Fahne noch zusätzlich gehisst. Selbstredend haben auch die Autos der Würdenträger ein eigenes Kennzeichen: SMOM. Vom Eingangstor aus kannst du einen Blick auf die im Hof parkenden Ordenslimousinen erspähen.

Blick in den Hof des Palazzo Magistrale. Foto: Sonja Warter/Marie Fröhlich Sitz der Malteser im Palazzo Magistrale. Foto: Sonja Warter/Marie Fröhlich

Noch ein interessantes Detail gibt es: Obwohl es sich um einen männlich dominierten Orden handelt, dürfen – anders als beim Vatikan – Frauen bei der Wahl des neuen Chefs, also des Großmeisters, mitstimmen. Geradezu fortschrittlich, oder?

Ein Blick durchs Schlüsselloch auf dem Aventin

Neben dem Palazzo in der Innenstadt besitzt der Malteser-Orden auch die Villa del Priorato di Malta auf dem Aventin-Hügel, in der sich beachtliche Kunstschätze befinden. Doch für Rom-Fans ist das prächtige Gebäude an der Piazza dei Cavalieri di Malta aus einem anderen Grund interessant: Wenn du einen Blick durch das Schlüsselloch des großen grünen Eingangstores wirfst, dann erwartet dich ein ganz besondere Überraschung. Vor dir taucht die Kuppel des Petersdoms auf, ganz so, als würdest du durch ein Fernglas sehen. Sie erscheint plötzlich ganz nah und wird noch dazu links und rechts von der grünen Hecke, die tatsächlich unmittelbar hinter dem Schlüsselloch liegt, gesäumt. Ein ganz toller Anblick, den du nicht verpassen solltest! Zumindest, wenn nicht gerade renoviert wird und der berühmte Blick durch Bagger und Ähnliches verstellt ist. So ist es uns nämlich bei unserem vorletzten Rom-Besuch ergangen!

Blick vom Aventin. Foto: Sonja Warter/Marie Fröhlich Aventin, Rom. Foto: Sonja Warter/Marie Fröhlich

Wenn du schon mal auf dem Aventin bist, dann empfehlen wir dir noch einen Spaziergang durch den hübschen Orangengarten mit einem herrlichen Blick auf die Ewige Stadt. Außerdem lohnt sich ein Besuch der mystischen Basilica di Santa Sabina, eines der ältesten Gotteshäuser der Roms, die auch als beliebte Hochzeitskirche gilt.

Am Fuße des Hügels, 800 Meter weiter, kommst du beim Circus Maximus an, von wo du deine Rom-Besichtigung bequem fortsetzen kannst.

Erstaunliche Geschichten und witzige Storys

Magst du ungewöhnliche Geschichten und unnützes Wissen? Dann gefällt dir vielleicht unser Buch „Schmankerl aus Rom“. Es ist eine humorvolle Ergänzung zum Reiseführer, perfekt zur Einstimmung auf deine nächste Rom-Reise oder für ein paar Stunden Dolce Vita zu Hause. Lachtränen garantiert, neues Angeberwissen nicht ausgeschlossen!

Mehr dazu findest du auf unserer Website www.urban-storys.com

Alle Bilder: Marie Fröhlich und Sonja Warter

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Jahresrückblick 2023: von Schweden bis zu den Kanaren und eine Reise zu mir selbst https://www.reiselust-mag.de/jahresrueckblick-2023/ Tue, 26 Dec 2023 19:36:50 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=5832 Mein persönlicher Jahresrückblick 2023 – mit neu entdeckten Plätzen zum Überwintern, frischen Sommerzielen sowie liebenswerten Orten mit Charme und Geschichte.

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Schon wieder ist die Zeit gekommen, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Für mich bedeutet das in erster Linie, an schöne Erlebnisse zurückzudenken und an Orte, die einen bleibend guten Eindruck bei mir hinterließen. Habe ich 2023 Städte oder Landschaften entdeckt, die in Zukunft eine Rolle in meinem Leben spielen könnten? Definitiv! Aber: Ich habe im vergangenen Jahr auch eine Reise zu mir selbst gemacht. Mein Jahresrückblick 2023 ist also ein Reiserückblick in jeder Hinsicht.

Hier lest ihr, welche Orte zum Überwintern ich im Jahr 2023 erkundet habe. Lernt Orte mit Geschichte kennen, charmante Städte und erfahrt, wo ich am liebsten – so auch in 2023 – meinen Sommerurlaub verbringe. Und am Ende meines persönlichen Jahresrückblicks 2023 teile ich zudem meine Ziele und Vorhaben für 2024 mit euch.

Das hatte ich mir für 2023 vorgenommen

Eigentlich bin ich mit nur einem Vorsatz ins Jahr 2023 gestartet. Ich wollte wieder in Form kommen. Die erste Maßnahme – Training im Fitnessraum eines Sportvereins – blieb leider erfolglos. So kam ich auf die Idee, mich erstmals in meinem Leben coachen zu lassen.

Ein kleines Ziel am Jahresanfang war, meine Haare abschneiden zu lassen. Außerdem begleitete mich auch 2023 die bisher unausgesprochene Suche nach Orten, an denen ich gerne leben und insbesondere überwintern möchte. Es ist nämlich so, dass ich den deutschen Winter nicht besonders schätze – zumindest meistens. Da hat auch der Einbau einer Infrarotkabine im Keller meines Hauses nur wenig Abhilfe geschafft.

Das ist aus meinen Zielen geworden

  • In Form kommen: Schon lange vor dem Ende des sechsmonatigen Coachings war mir klar, dass ich selten eine wirksamere Entscheidung getroffen habe. Ja, ich habe Zeit investiert für Fitnesseinheiten, tägliche Bewegung und Bücherlesen. In relativ kurzer Zeit hatte ich fast alle ursprünglichen Ziele erreicht und noch Einiges mehr. Heute weiß ich: Mit entsprechender Strategie und Engagement kann ich alle Ziele erreichen, die ich erreichen will. Und so starte ich auch mit klaren Zielen ins kommende Jahr. Dazu später mehr.
  • Haare abschneiden lassen: Haken dran. Im Frühjahr 2023 war die rote Mähne Geschichte und ich fühlte plötzlich Energie für weitere Veränderungen in mir.
  • Orte zum Überwintern finden: Diesem Dauerziel waren in 2023 zwei Reisen gewidmet. Tatsächlich habe ich vier Orte entdeckt, die sich anbieten, um im Winter der feuchten Kälte zu entfliehen.
Beate Ziehres, Malmö, Lilla Torg. Foto: Bernd Ewert

Den Abend genießen am Lilla torg in Malmö. Foto: Bernd Ewert

Mein Reiserückblick 2023

Langfristige Reiseplanungen sind nicht mein Ding. Ich liebe es, spontan aufbrechen zu können – wenn das Wetter schön ist, ich eine Idee habe oder ein spannendes Angebot bekomme. So entschieden wir uns im Januar sprichwörtlich in der letzten Minute für eine Kanaren-Kreuzfahrt.

Beim Rückblick auf das Reisejahr 2023 habe ich vier Vorlieben ausgemacht, an denen sich meine Reiseplanungen häufig orientieren. Im Winter suche ich meist die Wärme und im Sommer Ziele, die Erfrischung versprechen. Städte mit einem gewissen Charme begeistern mit grundsätzlich, ebenso Orte mit Geschichte.

Orte zum Überwintern

Die Kanaren-Kreuzfahrt mit der AIDA Nova hat meinem Lebensgefährten so gut gefallen, dass wir im November gleich wieder an Bord gegangen sind. In Hamburg sind wir mit der AIDA Prima in Richtung Mallorca gestartet. Auf beiden Kreuzfahrten haben wir Orte entdeckt, die mir zum Überwintern geeignet erscheinen.

Madeira

Die portugiesische Insel im Atlantik liegt näher bei Marokko als beim europäischen Festland und wird auch die Insel des ewigen Frühlings genannt. Im Winter beträgt die Durchschnittstemperatur 16 Grad, im Sommer etwa 23 Grad. Wir haben in Funchal die Markthallen besucht und sind dann mit dem Taxi nach Monte gefahren. Auf kurzer Strecke führt hier eine Serpentinenstraße von Meereshöhe auf 600 bis 800 Meter. Oben besuchten wir den tropischen Garten Monte Palace – ein absolutes Muss für Gartenfreunde. Für den Rückweg haben wir die Seilbahn genommen und noch einmal ganz andere Ansichten und die Aussicht genossen. Unser Fazit nach einem Tag auf der Insel: Hier lohnt sich auf jeden Fall ein längerer Aufenthalt.

Tropischer Garten Monte Palace bei Funchal, Madeira. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Tropischer Garten Monte Palace, Funchal, Madeira. Foto: Bernd Ewert

Teneriffa

Für die spanische Kanaren-Insel Teneriffa hatten wir ebenfalls nur einen Tag Zeit. Hier entschieden wir uns nach einem kurzen Bummel durch Santa Cruz de Tenerife, einen Ausflug in die alte Inselhauptstadt San Cristóbal de La Laguna zu machen. Dafür nahmen wir die Straßenbahn, die zwischen den beiden nahezu aneinandergewachsenen Städten verkehrt.

La Laguna liegt auf 550 Metern Höhe. Daher ist es hier etwa 4 Grad kälter als in Santa Cruz – ein Umstand, der uns im Januar zusammen mit einem frischen Wind etwas unangenehm aufgefallen ist. Trotzdem habe ich La Laguna als charmante Stadt mit einer hübschen Altstadt, netten Boutiquen und ausgefallenen Cafés in Erinnerung behalten.

Skulptur in Erinnerung an Papst Johannes Paul II, Iglesia La Concepción, La Laguna, Teneriffa. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Garten der Kirche La Concepción in La Laguna (Teneriffa) mit einer Skulptur Johannes Paul II.

Lanzarote

Die Vulkaninsel Lanzarote liegt nur 125 Kilometer vor der Küste Marokkos. Das Wetter war am Tag unseres Besuchs wechselhaft: mal sonnig warm, mal bewölkt und frisch, mal nass. Aber: In Arrecife hat mein Lebensgefährte im Januar im Meer gebadet – das einzige Mal während dieser Reise.

Mir hat in Arrecife der idyllische Fischerhafen am besten gefallen. Aber auch in der Stadt gab es interessante versteckte Winkel. Nach Lanzarote will ich unbedingt noch einmal zurückkehren, mit viel Zeit für die bizarre Vulkanlandschaft, aber auch zum Baden.

Beate Ziehres, Arrecife, Lanzarote. Foto: Bernd Ewert

Am Fischerhafen von Arrecife auf Lanzarote. Foto: Bernd Ewert

Cádiz, Spanien

Im November brachte uns die AIDA Prima in die spanische Stadt Cádiz. Cádiz liegt in Andalusien und an der Costa de la Luz. Hier haben wir bei Flamenco-Klängen vor der Kulisse des ehemaligen Badehauses Balneario de la Palma am Sandstrand gechillt. An dieser Stelle wurden die Eingangsszenen des James-Bond-Streifens „Stirb an einem anderen Tag“ mit Halle Berry und Pierce Brosnan gedreht. Doch das war nur ein kleiner Teil eines herrlichen Tages in einer wunderschönen Stadt.

Ihr merkt schon: Cádiz hat mir sehr gut gefallen. T-Shirt- und Rock-Temperaturen im November und eine angenehme Atmosphäre haben dazu beigetragen, dass es die Stadt auf meine Liste der Favoriten für einen Aufenthalt im Winter geschafft hat. Vom Sonnenuntergang ganz zu schweigen.

Cadiz, Andalusien, Spanien. Kathedrale. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die Kathedrale von Cádiz in Andalusien (Spanien) im Schein der untergehenden Novembersonne.

Städte mit Charme

Immer wieder entdecke ich auf meinen Reisen weltweit Städte, die mich aus den unterschiedlichsten Gründen einfach ansprechen. Das war auch dieses Jahr so. Hier denke ich insbesondere an

  • A Coruña – eine Hafenstadt im äußersten Nordwesten Spaniens, gerne aufgrund der verglasten Balkone auch „Stadt aus Glas“ genannt. Hier erlebten wir in der Dunkelheit vor dem historischen Leuchtturm „Herkules“ magische Minuten, an die ich mich lange erinnern werde.
  • Gijón – nordspanische Hafenstadt in der Provinz Asturien und am Golf von Biskaya. Die Stadt hat mich mit ihrer hübschen Altstadt, fotogenen Ansichten und dem schönen Strand San Lorenzo in ihren Bann gezogen.
  • Łódź – viertgrößte Stadt Polens, bis 1989 Industriestadt. Heute zieht in die riesigen Backsteinkomplexe der Baumwollspinnereien und Textilfabriken neues Leben ein. Mich faszinieren in Lodz die Aufbruchsstimmung und das harmonische Miteinander von Alt und Modern.
  • Malmö – drittgrößte Stadt Schwedens, im Süden des Landes am Öresund gelegen. Malmö wird geprägt durch sehr moderne Stadtteile, die beispielsweise auf dem Gelände einer ehemaligen Werft entstanden sind. Gleichzeitig lockt der Lilla Torg mit seinen alten Fachwerkhäusern insbesondere am Abend viele Menschen an. Mir gefallen in Malmö die multikulturelle Gesellschaft und die überall sichtbaren internationalen Einflüsse.
  • Warschau – Hauptstadt von Polen. Geschichtsträchtig und modern zugleich. Atemberaubend, mondän, überwältigend. Diese Stadt muss ich mir in aller Ruhe anschauen und dafür mindestens eine Woche einplanen.
Leuchtturm Herkules von A Coruna an der nordwestlichsten Spitze der iberischen Halbinsel. Foto: Beate Ziehres Gijon, Asturien, Spanien. Foto, Beate Ziehres, Reiselust-Mag. Lodz Manufaktura. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Turning Torso in Malmö, Stadtteil Västra Hamnen. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag
Warschau, Polen, Altstadtmarkt. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Altstadtmarkt in Warschau, Polen.

Erfrischende Sommerziele

Natur soweit das Auge reicht und herrlich klare Luft – solche Ziele fasse ich gerne im Sommer ins Auge. In diesem Jahr haben wir den Juli in Südschweden verbracht und davon die meiste Zeit auf Öland. Bei der Auswahl des Urlaubsortes habe ich mir einige Mühe gegeben. Es sollte einen schönen Meeresstrand geben, viele Sonnenstunden und auch ein paar Sehenswürdigkeiten. Und es sollte nicht so weit im Norden sein. So landeten wir auf der Insel Öland, genauer gesagt in Böda.

Öland (Südschweden)

In Böda auf Öland liegt einer der schönsten Strände Schwedens, ein wahrer Traumstrand. Weißer, puderzuckerfeiner Sand soweit das Auge reicht und glasklares, seichtes Wasser. Dazu hatten wir eigentlich jeden Tag Sonne, während der Himmel in Deutschland wochenlang nur Wasser ausschüttete.

Öland bietet einzigartige Landschaften, die wir zum Teil mir dem Fahrrad erkunden konnten, und einige „echte“ Sehenswürdigkeiten.

Leuchtturm Lange Erik bei Byxelkrok, Öland. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Am nördlichsten Zipfel von Öland sorgt der Leuchtturm „Langer Erik“ für sichere Seewege.

Seen in Brandenburg

Als Paddler haben wir diesen Sommer wieder einige Wochenenden an brandenburgischen Seen verbracht. Ja, auch hier gibt es abgeschiedene Fleckchen, die eine Reise wert sind. 2023 haben wir den Springsee in Storkow (Landkreis Oder-Spree) und den Bützsee im Fehrbelliner Stadtteil Wustrau-Altfriesack (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) entdeckt.

Springsee in Brandenburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Vom Bützsee mit dem Kanu auf dem Weg zur Fischerei Pfefferkorn. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Orte mit Geschichte

Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich es liebe, in die Vergangenheit zu reisen? Mein Lebens- und Reisegefährte kennt dieses Steckenpferd zur Genüge. Wo immer ich hinkomme – mein erster Weg führt in die Altstadt. Kälte, Regen und sonstige Unannehmlichkeiten sind sofort vergessen,  wenn es irgendwo Fachwerkhäuser und pittoreske Kopfsteinpflaster-Gassen gibt.

Da gab es in 2023 einige Highlights:

Honfleur in der Normandie

Unsere November-Kreuzfahrt führte unter anderem in die Normandie. Ich hatte bisher weniger gute, verschwommene Erinnerungen an die Bretagne, die in meiner Jugendzeit wurzeln, zum Anlass genommen, den Norden Frankreichs in meinen Reiseplanungen auszuklammern. Ein Fehler, wie ich heute weiß. Nur durch Zufall haben wir Honfleur entdeckt.

Dem Fischerstädtchen mit den bunten Fachwerkhäusern, der Seemannskirche aus Holz und dem pittoresken Hafen werde ich einen eigenen Blogpost widmen und sicherlich einen weiteren Besuch abstatten. Deshalb hier nur kurze Impressionen.

Honfleur Hafen, Frankreich. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Honfleur, Normandie, Frankreich. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Naumburg

Ein Auftrag führte mich im August nach Naumburg. Ich nahm den Besuch zum Anlass, die mittelalterliche Domstadt an der Saale besser kennenzulernen und auch Stadtteile zu erkunden, die ich bisher nicht kannte. Außerdem holte ich im UNESCO-Weltkulturerbe Naumburger Dom die Turmbesteigung nach, die ich bei meinem ersten Besuch wegen Gewitters abbrechen musste.

Marktplatz Naumburg, Sachsen-Anhalt. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Marktplatz in Naumburg, Sachsen-Anhalt.

Quedlinburg

Die Welterbestadt Quedlinburg liegt nördlich des Harzes in Sachsen-Anhalt und damit gewissermaßen vor meiner Haustür. Trotzdem geht mir immer wieder das Herz auf, wenn ich durch die kopfsteingepflasterten Gassen bummele. In Quedlinburg – seit 1994 UNESCO Weltkulturerbe – sind mehr als 2000 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten erhalten.

Welterbestadt Quedlinburg, Sachsen-Anhalt. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Brunnen „Münzenberg Musikanten“ auf dem Marktplatz der Welterbestadt Quedlinburg.

Thront auf dem Berg noch eine Burg, eine Festung oder ein mittelalterliches Kloster, dann ist mein Reiseglück perfekt. Dies war 2023 einige Male der Fall.

Alcazaba in Málaga

Die Alcazaba ist eine maurische Festung oberhalb von Málaga in Südspanien. Ich muss zugeben, dass ich der Palastanlage in Anbetracht der Kürze unseres Besuchs einige Zeit gewidmet habe. Es gibt doch nichts Schöneres, als zwischen den alten Mauern umherzustreifen und versteckte Innenhöfe und Gärten zu entdecken!

Die Alcazaba geht auf einen Maurensultan zurück, der die Burg im 11. Jahrhundert errichtete. Und so muten nicht nur der Name, sondern auch die Bauweise und viele architektonische Details orientalisch an.

Alcazaba – Burg von Malaga. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Burganlage Alcazaba in Málaga.

Burg Falkenstein im Harz

Die mittelalterliche Burg Falkenstein ist eine Burg wie aus dem Bilderbuch. Ich habe sie während einer Pressereise ins südliche Sachsen-Anhalt kennengelernt. Bei einem deftigen Mittagessen erzählte uns der Wirt der Burgschänke, dass die im 12. Jahrhundert erbaute Burg niemals erobert wurde. Ein sagenumwobener Familienschatz der Asseburger, die von 1437 bis nach dem Zweiten Weltkrieg Besitzer der Burg waren, wurde erst 1990 auf der Burg Falkenstein wiedergefunden.

Die Burganlage mit Kernburg, Tor- und Zwingeranlagen, Bergfried und Vorburgen ist heute eines der beliebtesten Ausflugsziele im Harz und Bestandteil der Straße der Romanik.

Burg Falkenstein im Harz. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Bilderbuch-Burg Falkenstein im Selketal.

Marienkirche in Marienhafe

Eine Kirche, die berüchtigten Seeräubern als Fluchtburg gedient haben soll, entdeckten wir in Ostfriesland. Genauer gesagt im beschaulichen Marienhafe. Ich kannte Marienhafe bisher nur dem Namen nach und hätte den Ort keinesfalls in Niedersachsen vermutet. Des Öfteren kommt der Pirat Klaus Störtebeker auf der Freilichtbühne von Ralswiek auf Rügen auf Marienhafe zu sprechen. Kein Wunder, schließlich war Frauke, Störtebekers Geliebte und Tochter von Häuptling ten Brok, in Marienhafe zuhause.

Tatsächlich erkannte ich in der trutzigen Marienkirche mit dem mächtigen Turm das Vorbild für eine Kulisse der Störtebeker-Festspiele wieder. Und ich ließ es mir nicht nehmen, die ausgetretenen Stufen im Turm nach oben zu nehmen. Gewissermaßen auf den Spuren des legendären Seeräubers kletterte ich bis auf die luftige Aussichtsplattform, um den Blick zu der Stelle schweifen zu lassen, wo die Piratenschiffe dereinst im Hafen gelegen haben müssen.

Marienkirche Marienhafe. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Turmtreppe der Marienkirche in Marienhafe. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Meine 3 liebsten eigenen Blogartikel des Jahres

2023 in Zahlen

  • 7 bereiste Länder
  • 35+ bereiste Orte
  • 8 Blogposts
  • 3,65 Mio. Page Impressions
  • 50.000 Klicks aus Google

Meine Ziele für 2024

  • Drei neue Länder und einen neuen Kontinent bereisen: Obwohl Asien nicht ganz neu für mich ist, stehen hier einige Ziele ganz oben auf meiner Liste. Sei es nun der Oman oder Vietnam – meiner Ansicht nach ist Asien so vielfältig wie kaum ein anderer Kontinent. Außerdem will ich in diesem Jahr ein neues afrikanisches Land bereisen.
  • Mindestens zwei neue Blogposts im Monat auf Reiselust-Mag veröffentlichen: Ich will endlich die lange Liste der Themen abarbeiten, die ich schon ewig mit den Worten kommentiere „Darüber wollte ich schon lange geschrieben haben.
  • Die Reichweite von Reiselust-Mag vergrößern: Dies möchte ich beispielsweise durch die Nutzung von Pinterest erreichen.
  • Stärker auf Leserschaft und Zielgruppe fokussieren, indem ich zielgruppenrelevante Themen aufgreife.
  • Blog Business erweitern: Ich möchte erreichen, dass mein Blog mehr Gewicht in meinem Einnahmenmix erhält.
  • Fokus auf Kategorien „Essen und Trinken“ sowie „Wellness“: Diese Themen habe ich eine Weile vernachlässigt, deshalb ist es an der Zeit, hier neue Impulse zu setzen.
  • Themenspektrum erweitern: Ich habe schon Ideen für ein oder zwei neue Kategorien, die ich jedoch hier noch nicht verraten werde.

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Łódź – eine polnische Stadt erfindet sich neu https://www.reiselust-mag.de/lodz/ Tue, 26 Sep 2023 21:10:33 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=5741 Die ehemalige Industriestadt Łódź hält viele Überraschungen bereit: Früher ratterten hinter den Backsteinmauern Webstühle, heute warten hier Einkaufstempel, kulturelle Angebote, Museen, coole Gastronomie und pulsierendes Leben.

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Als Kind hat mich immer die Frage beschäftigt, was in Lodz zu sehen ist. „Theo, wir fahr’n nach Lodz“, sang Vicky Leandros im Radio. Das Lied ist wohl verantwortlich für den Bekanntheitsgrad der viertgrößten Stadt Polens in Deutschland. Damals war Lodz noch eine Industriestadt, ein Zentrum der Textilindustrie. Seit der Jahrtausendwende hat sich Lodz – gesprochen „Wudsch“ – komplett neu erfunden. Nun entdecke ich eine pulsierende Stadt, die zu ihrer Vergangenheit steht und sich zu einem Touristenmagnet entwickelt hat.

Der schnelle Aufstieg von Lodz

Der industrielle Aufstieg des Ackerbürgerstädtchens am Fluss Łódka begann 1820 mit einem russischen Dekret. Aus dem Nichts entstanden an den 19 Flüssen und Flüsschen, die das heutige Stadtgebiet durchziehen, Baumwollspinnereien und -webereien. Sie versprachen den Besitzern sagenhaften Reichtum.

Lodz, Gartenansicht Poznanski-Palast. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Gartenansicht des Palastes der Industriellenfamilie Poznanski.

Die Fabriken warben in Nachbarregionen und im Ausland mit zahlreichen Vergünstigungen um Fachkräfte. So brauchten Neuankömmlinge keinen Kriegsdienst zu leisten. Außerdem erhielten sie die Zusage, ihren Glauben und ihre Kultur pflegen zu dürfen.

In der Folge explodierten die Bevölkerungszahlen und Lodz wurde in kurzer Zeit vom Dorf zum „gelobten Land“, das Tausenden von Familien Hoffnung auf eine bessere Zeit gab. Aus rund 400 Einwohnern im Jahr 1800 waren genau Hundert Jahre später 314.000 Einwohner geworden. Zu dieser Zeit war mit fast 600 Industriebetrieben in der Stadt auch der Höhepunkt der industriellen Entwicklung erreicht.

Im Vorwendejahr 1988 lebten und arbeiteten 854.000 Menschen in Lodz. 1989 kam schließlich die Krise. Die Textilindustrie verlor ihre wichtigsten Märkte, viele Betriebe mussten schließen, Massenarbeitslosigkeit brach aus.

Heute prägen noch immer riesige Backstein-Fabriken, prachtvolle Fabrikantenpaläste und weitläufige Grünanlagen das Stadtbild von Lodz. Das ohrenbetäubende Rattern der Webstühle ist jedoch nur noch im Museum zu hören. Die Werkskapellen, die zur Zerstreuung der Arbeiter an Sonntagen in den Parks aufspielten, sind ebenfalls verstummt. Dafür ist kreatives, avantgardistisches Leben auf den weitläufigen Fabrikationsflächen eingezogen.

Lodz Monopolis. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Auf dem Gelände der ehemaligen Wodka-Brennerei Monopoly entstanden ab 2007 zahlreiche Restaurants und Kultureinrichtungen.

Lodz Herz am Hotel Puro. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Das Herz für Lodz darf nicht fehlen. Der Fotospot befindet sich vor dem Puro-Hotel.

Flaniermeile Piotrkówska

Eine der berühmtesten Straßen im Land und zugleich die wohl längste Fußgängerzone Polens ist Lodzs Piotrkówska. Die mehr als 4 Kilometer lange Prachtmeile ersetzt den Marktplatz und den Rathausplatz, erklärt mir Tomasz Koralewski, der Geschäftsführer von lodz.travel. Restaurants mit Spezialitäten aus aller Herren Länder, Cafés, Pubs, Musik-Clubs und Geschäfte aller Art säumen die Piotrkówska. Die Gastronomen nutzen die breiten Bürgersteige, um die Gäste zu bewirten. Auf der Piotrkówksa flaniert man, sieht und wird gesehen.

Lodz, Piotrkowska. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die extralange Flaniermeile Piotrkowska ist „the place to be“ in Lodz.

Lodz, Piotrkowska. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die Bierhalle (links) an der Piotrkowska ist wohl ein liebgewonnenes Überbleibsel aus deutscher Zeit.

Hier lohnt sich nicht nur ein Blick ins Publikum oder in die Hinterhöfe, die die längsten Polens sein sollen, sondern auch nach oben. Denn ab etwa 1880 gehörte es zum guten Ton, mit einem Bürgerhaus an der Piotrkówska vertreten zu sein. So bauten die Fabrikanten zusätzlich zur  Villa auf dem Fabrikgelände einen Palast in der guten Stube der Stadt. Die prachtvollen Fassaden der Gebäude sind unbedingt sehenswert, wie ich finde.

Lodz, Fassade an der Piotrkowska. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Hausfassade in der Piotrkowska.

Beim Bummel auf der Piotrkówska fällt mir auch ein Walk of Fame nach dem berühmten Vorbild in Hollywood auf. Und die Stadtgründer sind auf Gusseisenplatten im Pflaster der Fahrbahn präsent.

Lodz, Gedenksteine im Pflaster der Piotrkowska. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Das Straßenpflaster in der Piotrkowska erinnert an die Stadtgründer ….

Lodz, Walk of Fame in der Piotrkowska. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

… der Walk of fame an Berühmtheiten aus dem Filmgeschäft.

Insta-Spot Roses Passage

In der Piotrkówska 3, gleich gegenüber der prachtvollen, im klassizistischen Stil erbauten Kirche der Herabkunft des Heiligen Geistes (kościół pw. Zesłania Ducha Świętego), befindet sich Lodz’s Instagram-Spot Nummer 1: die Pasaż Róży, zu deutsch Roses Passage. Roses Passage ist ein Projekt der Künstlerin Joanna Rajkowska. Sie beklebte alle Wände rund um den Hinterhof des Mietshauses mit Spiegelscherben. Die einfallenden Sonnenstrahlen verleihen den Hof in eine ganz eigentümliche Atmosphäre.

Rajkowska widmete die Passage ihrer Tochter Rose, deren Netzhaut nach einer Chemotherapie rekonstruiert werden musste. Die Herausforderung an den Betrachter des Werkes besteht darin, die reflektierten Fragmente eines Bilds zu einem Ganzen zusammenzusetzen.

Lodz, Insta-Spot Roses Passage. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Blick in die verspiegelte Roses Passage. Sie ist Rose, der Tochter der Künstlerin, gewidmet.

Kunst-, Kultur- und Freizeitzentrum OFF Piotrkówska

Etwa in der Mitte der Piotrkówska liegt mit der Hausnummer 138/140 das Gelände der ehemaligen Baumwollfabrik von Franciszek Ramisch. Hier hat man erfolgreich versucht, eine Alternative zum Konsum-Mainstream zu schaffen. Modedesigner sind hier mit ihren Ateliers vertreten, Designer und Architekten arbeiten von hier aus. Es gibt Concept Stores, Clubcafés, Musikclubs, Proberäume und Ausstellungsräume.

Lodz OFF Piotrkowska. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

OFF Piotrkowska ist ein Lieblingsziel für den Feierabend.

Ich habe ein wunderbares Abendessen im Restaurant Spółdzielnia genossen – eine der Spezialitäten des Hauses: Spare Ribs mit einer fantasievoll zubereiteten Kohl-Kreation und Kartoffelgratin. Auch superleckeres Tatar – eine regionale Spezialität – ist hier erhältlich.

Lodz OFF Piotrkowska, Restaurant Spółdzielnia. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Blick ins noch wenig besuchte Spółdzielnia. Der Anblick sollte sich bald ändern …

Angesteckt von der allgemeinen, ausgelassenen Stimmung in OFF Piotrówska habe ich, während das Essen zubereitet wurde, im „Ewert and Friends“ direkt nebenan eine sehr coole Designerhose anprobiert. Zum Glück für mein Budget wurde der Kaufprozess vom Ruf der Kollegen „Essen steht auf dem Tisch“ jäh unterbrochen.

Lodz OFF Piotrkowska. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Essen, Trinken, Feiern – das ist Programm in OFF Piotrkowska.

Street Art in Lodz

Immer wieder fallen mir in der Piotrowska und an umliegenden Gebäuden Wandgemälde, sogenannte Murals auf. Alle gemeinsam bilden sie die größte städtische Außengalerie Polens. Bekannte Street Art Künstler aus Polen und dem Ausland haben in Lodzs Innenstadt Werke geschaffen. Sie entstanden beispielsweise im Rahmen des Festivals Galeria Urban Forms oder des Internationalen Graffiti-Festivals.

Eine der ersten modernen Wandmalereien, das Werk an der Piotrówska 152, war als größtes Graffiti der Welt für einige Zeit sogar im Guinnessbuch der Rekorde vertreten. Eine detaillierte Karte mit allen Murals in Lodz kann hier heruntergeladen werden.

Lodz, Streetart Siudmak in einem Hinterhof der Piotrkowska. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Theorie und Praxis: An der Wand erfreut der Hund die Bewohner dieses Hauses etwas abseits der Piotrkowska. Aber dass Hunde die Blumen düngen, ist offensichtlich nicht erwünscht.

Lodz, Streetart Siudmak in einem Hinterhof der Piotrkowska. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Diese Wandmalerei ist ein Werk von Woiciech Siudmak, der in der Region Lodz geboren wurde und als der weltweit bekannteste polnische Maler und Bildhauer gilt.

Poznański-Baumwollfabrik wurde zum Kunst-, Freizeit- und Einkaufszentrum Manufaktura

Hiermit will ich zurückkommen zu den riesigen Textilfabriken aus dem 19. Jahrhundert, in die neues Leben eingezogen ist. Die bei Besuchern der Stadt beliebteste Attraktion ist das Einkaufs-, Kultur- und Erlebniszentrum Manufaktura. Manufaktura wurde vor rund 15 Jahren auf dem Gelände der einstigen Baumwollfabrik von Izrael Poznański entwickelt. Mit dem Fabrikmuseum ist die Manufaktura heute Teil der Europäischen Route der Industriekultur.

Im angeschlossenen hochmodernen Einkaufszentrum werden alle nur denkbaren modischen Vorlieben bedient. Von Bershka über Gerry Weber bis hin zu Guess und Hugo Boss spannt sich der Bogen der vertretenen Labels. Zum Manufaktura-Komplex zählen außerdem ein Kino, ein Theater, eine Boulderanlage und ungezählte Restaurants, Cafés und Bars. Zwischen munteren Wasserspielen dreht sich zur Kinderbelustigung ein historisches Karussell.

Lodz Manufaktura. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Leben auf dem historischen Fabrikgelände der Textilfabrik Poznanski.

Lodz Manufaktura von oben. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Kurzweil auf den Wegen der Manufaktura: Vom Karussell bis zur Beach Bar ist alles da.

Drei Nächte lang konnte ich mich davon überzeugen, dass die Manufaktura auch nachts nicht schläft. Von meinem Fenster in der vierten Etage des Hotels Vienna House by Wyndham Andel’s überblickte ich die einstmals größte Textilfabrik der Stadt.

Lodz Manufaktura bei Nacht. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Lodz Manufaktura bei Nacht. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Lodz Manufaktura bei Nacht. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Poznanski-Palast

Der Stadtpalast des Fabrikanten Izrael Poznański liegt ebenfalls auf dem ehemaligen Fabrikgelände und gleich neben der Manufaktura. Das Gebäude spiegelt den sagenhaften Reichtum, den die Textilfabrikanten in Lodz – wohl auch auf Kosten der Arbeiter – erwirtschaftet hatten, wider. In den vergangenen Jahren wurde der Palast von Grund auf saniert und restauriert und kann jetzt wieder besichtigt werden.

In den historischen Innenräumen ist unter anderem die Einrichtung der Fabrikantenvilla zu sehen, die aus der Wendezeit vom 19. ins 20. Jahrhundert stammt. Heutzutage finden beispielsweise im Festsaal Konzerte, Bälle und Bankette statt.

Lodz, Damenzimmer im Poznanski-Palast. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Lodz, Ankleidezimmer im Poznanski-Palast. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Museum der Stadt Lodz im Poznański-Palast

In den endlos scheinenden Räumen und Sälen der Poznański-Residenz ist auch das Museum der Stadt Lodz untergebracht. Eine neue Ausstellung trägt den Titel „Łódź in Europa, Europa in Łódź. Das gelobte Land gestern und heute“. Im Untergeschoss gewährt eine Dauerausstellung Einblick in die Geschichte der Lodzer Industrie und ins multikulturelle Lodz.

Lodz, deutsche Küche im Stadtmuseum Poznanski-Palast. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Unterschiedliche, typische Wohnräume stehen für die multikulturelle Einwohnerschaft der Stadt Lodz. Hier – wer würde es nicht erkennen – eine deutsche Küche.

Fabrikmuseum in der Manufaktura

Als die Museumsführerin einen von vier erhaltenen historischen Webstühlen in Gang setzt, ist Ohrenzuhalten angesagt. Ohrenbetäubender Lärm hallt durch das Fabrikmuseum in der Manufaktura. Mit dem Betreten des Museums fühlt man sich zurückversetzt in die Textilfabrik von Izrael Poznanski, die einst zu den größten Textilwerken Europas zählte. Dafür sorgt die Kombination aus dem unvorstellbar lauten Rattern eines einzigen Webstuhls, dicht gedrängten Maschinen, Dioramen und Dokumentarfilmen.

Ich erfahre, wie aus Baumwolle Stoff entsteht, welche Technik im ausgehenden 19. Jahrhundert in der Produktion eingesetzt wurde und wie beispielsweise der Alltag der Arbeiter aussah.

Lodz, Fabrikmuseum. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Historischer Webstuhl in Aktion. Der Lärm, den eine einzige Maschine dieser Art produziert, ist ohrenbetäubend. In der Weberei der Poznanski-Fabrik standen diese Webstühle in großer Zahl und dichtgedrängt. Sie wurden von Frauen bedient.

Scheibler-Baumwollstandort Księży Młyn zieht heute Künstler und Fotografen an

Am südöstlichen Rand der Innenstadt liegt in Księży Młyn eine weitere Baumwollfabrik, die sich in der Revitalisierung befindet. Die Fabrik-Wohnsiedlung Księży Młyn wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert von Karl Scheibler, einem Unternehmer aus dem Rheinland und dem reichsten Industriellen von Lodz, erbaut. Księży Młyn – auf Deutsch Pfaffenmühle – war eine autarke Stadt in der Stadt. Als Vorbild dienten Industriesiedlungen in England.

Herz des Fabrikkomplexes war und ist eine schlossartige, im Stil der Neu-Renaissance erbaute Spinnerei. Die Spinnerei zählt zu den größten historischen Industriegebäuden in Europa. Heute finden in den außergewöhnlichen Räumen der ehemaligen Fabrik kulturelle Veranstaltungen, Festivals und Modeschauen statt. In den benachbarten historischen Fabrikgebäuden kann man moderne Lofts beziehen – für einen Urlaub oder für einen längeren Zeitraum.

Lodz, ehemalige Scheibler-Spinnerei. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

In der ehemaligen Scheibler-Spinnerei (links) kann man sich heute stilvoll einmieten.

In Księży Młyn gab es neben Baumwollverarbeitungsanlagen eine Arbeitersiedlung, zwei Krankenhäuser, eine Schule und eine Feuerwache. In einer Villa, die anlässlich der Hochzeit von Scheibler-Tochter Mathilda gebaut wurde, befindet sich heute ein Museum für moderne Kunst. Die Häuser der Arbeiter wurden saniert und sind wieder bewohnt, in anderen Gebäuden sind die Arbeiten noch im Gange. Lediglich der kleine Bahnhof von Księży Młyn wirkt verlassen.

Lodz, Café im revitalisierten Stadtteil Pfaffenmühle. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Rösterei und Café in Księży Młyn.

Lodz, Wohnhäuser im revitalisierten Stadtteil Pfaffenmühle. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Lodz, ehemalige Schule im revitalisierten Stadtteil Pfaffenmühle. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Scheibler-Palast und Museum für Kinematographie

Im ehemaligen Palast des Firmengründers Karol Scheibler, den ich nach einem Spaziergang durch den Źródliska-Park erreiche, befindet sich das Museum für Kinematographie. Dies ist aus mehreren Gründen kein zufällig gewählter Ort für das in Polen einzigartige Museum. Zum einen spielt die Villa eine Rolle im Film „Das gelobte Land“, in dem der Regisseur Andrzej Wajda 1975 das gnadenlose Streben der Lodzer Industriellen nach Reichtum und das Elend der Arbeiter thematisiert. Zum anderen wurde Lodz nach der Zerstörung Warschaus im 2. Weltkrieg zum polnischen Zentrum der Filmproduktion. In dieser Zeit entstand der Beiname Holly-Lodz (gesprochen Holly-Wudsch).

Lodz, Gartenansicht Scheibler-Palast. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Gartenseite der Scheibler-Villa.

Heute sind die Produktionsfirmen zurück nach Warschau gezogen, Lodz dient hingegen häufig als Filmkulisse. Geblieben ist die 1948 gegründete Staatliche Hochschule für Film, Fernsehen und Theater Łódź, die ihren Sitz ebenfalls in Księży Młyn hat. Sie ist eine der weltweit bedeutendsten Filmhochschulen für Regisseure, Kameraleute und Schauspieler.

Das Museum für Kinematografie ist in die vier Hauptbereiche Kinogeschichte, Filmtechnik, Plakat- und Bühnendesign sowie Animation unterteilt und verfügt über eine Sammlung von mehr als 50.000 Exponaten. Dazu zählen beispielsweise alte Filmgeräte, ein Kaiser-Panorama, Dokumente aus dem Filmleben und Plakate.

Lodz, Exponat im Filmmuseum. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Exponat im Filmmuseum.

Lodz, Kinetoskop im Filmmuseum. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Kinetoskop – Vorführtechnik aus vergangenen Jahrhunderten.

Beim Rundgang durch das Museum entdecke ich auch Originalräume der Scheibler-Villa, beispielsweise das Esszimmer und – nicht zu vergessen – das beeindruckende Treppenhaus. Unter anderem in diesen Räumen wurden Szenen aus „Das gelobte Land“ gedreht.

Lodz, Esszimmer im Scheibler-Palast. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Lodz, Treppenhaus im Scheibler-Palast. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Źródliska-Park

Der zweiteilige Źródliska-Park liegt im Stadtteil Księży Młyn zwischen der Arbeitersiedlung und dem Scheibler-Palast. Es ist der älteste Park der Stadt und eine von vielen Grünanlagen. Hier fanden die Arbeiter der Baumwollfabriken Erholung und Zerstreuung. Es gab ein Kulturhaus und einen Pavillon, in dem sonntags die Werkskapelle spielte.

Hauptanziehungspunkt im  Źródliska-Park ist jedoch das Palmenhaus. Die ersten exotischen Pflanzen stammten aus den Wintergärten von Lodzer Fabrikanten. Heute leben in drei Glaspavillons und einem Lehrgarten 4300 Pflanzen sowie verschiedene Tierarten wie die Kois und Schildkröten.

Lodz Park Zdrolska. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Lodz Park Zdrolska. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Ältestes Elektrizitätswerk verwandelt sich in Kultur- und Wissenschaftszentrum EC 1

Unweit des Hochgeschwindigkeitsbahnhofs Łódź Fabryczna wurde bereits vor einigen Jahren das erste städtische Elektrizitätswerk in das Kultur- und Wissenschaftszentrum EC1 verwandelt. Dazu zählen ein Science & Technology Center mit 150 Entdecker-Stationen zu den Themen „Energie“, „Entwicklung und Zivilisation“ sowie „Mikrokosmos-Makrokosmos“ und ein modernes Planetarium. In einer futuristisch umgestalteten Maschinenhalle befindet sich das Nationale Zentrum für Filmkultur.

Lodz, EC1. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Kultur- und Wissenschaftszentrum EC1.

Lodz, EC1, ehemaliger Kühlturm. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Markantes Wahrzeichen: der Kühlturm des ehemaligen Kraftwerks.

Mit dem Aufzug fahre ich hoch zur Aussichtsplattform des 40 Meter hohen Kühlturms und genieße die grandiose Aussicht auf Lodz. Die Stadt breitet sich im pastelligen Licht der Nachmittagssonne vor mir aus.

Lodz EC1, ehemaliger Kühlturm. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Im Inneren des ehemaligen Kühlturms.

Der Kühlturm ist Blickfang und Herzstück des Kraftwerkskomplexes im Zentrum von Łódź, der die Stadt von 1907 bis 2000 mit Strom und Wärme versorgte. Doch ebenso eindrucksvoll ist die über mehrere Stockwerke reichende ehemalige Turbinenhalle. Hier blieb wie in den übrigen Gebäuden ein Großteil der historischen Einrichtung erhalten. So kann ich im riesigen Brennofen des ehemaligen Heizkraftwerks umherklettern und im zentralen Leitstand Schalter umlegen.

Lodz, EC1, im ehemaligen Kraftwerk. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Lodz, EC1, Turbine. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Lodz, EC1, Leitstand des ehemaligen Kraftwerks. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag
Lodz, EC1, im ehemaligen Kraftwerk. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Das ehemalige Heizkraftwerk im Zentrum von Lodz ist heute ein Industriedenkmal und Besuchermagnet.

Wie das Fabrikmuseum der Manufaktura ist auch das Wissenschafts- und Kulturzentrum EC1 Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur. Die Route vereint mehr als 300  Baudenkmäler der Industriegeschichte in 27 Ländern Europas. In Polen zählen dazu unter anderem das einstige Salzbergwerk von Wieliczka und die historischen Brauereien von Tychy und Żywiec.

Zentrum für Comics und Interaktives Erzählen

In einem weiteren Gebäude des ehemaligen Kraftwerkskomplexes entsteht zurzeit das Zentrum für Comics und Interaktives Erzählen. Obwohl die Einrichtung erst am 6. Oktober 2023 eröffnet wird, durfte ich schon einen Blick in die Ausstellung werfen. Hier wimmelt es geradezu von Fantasy-Figuren und -Landschaften.

Lodz, EC1, Comicmuseum. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Blick ins Zentrum für Comics und Interaktives Erzählen.

Das Zentrum versteht sich als Lernort und Raum zum Experimentieren. Die Besucher werden mit Virtual Reality bekannt gemacht und lernen die neuesten Technologien kennen. An bestimmten Stationen können sie selbst einen Comic entwickeln, vom Charakter über die Hintergrundlandschaft bis hin zum Test.

Lodz, EC1, Comicmuseum. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

In Sachen Comic selbst Hand anlegen – im Zentrum für Comics und Interaktives Erzählen ist das möglich.

Der Ort, an dem das Zentrum für Comics und interaktives Erzählen entsteht, ist von filmhistorischer Bedeutung. Hier befand sich der Sitz des Oscar-prämierten Animationsfilmstudios Se-Ma-For und dessen Kindertrickfilmmuseums.

Anreise nach Lodz

Mit dem Auto:

  • Aus Richtung Westen: über Autobahn A2 (mautpflichtig); beispielsweise Berlin-Łódź, 485 Kilometer, Fahrtzeit rund 5 Stunden
  • Aus Süden und Südwesten auf A4 (mautpflichtig) bis Wrocław (Breslau) und weiter auf der S8 nach Łódź; zum Beispiel ab München 980 Kilometer, 9,5 Stunden, ab Dresden 490 Kilometer, 5 Stunden

Mit der Bahn:

  • Ab Berlin mit EC 45 (Berlin-Warszawa-Express) mit Umstieg in Kutno, Fahrtzeit ab 5:45 Stunden; andere Städte via Berlin
Lodz Bahnhof Fabryczna. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Der moderne Bahnhof Fabryczna in Lodz.

Mit dem Bus:

  • Verschiedene Verbindungen mit Flixbus direkt oder mit Umsteigen, zum Beispiel direkt ab Berlin 6 Stunden, ab Frankfurt/M. 13,5 Stunden

Mit dem Flugzeug:

  • Flüge ab verschiedenen deutschen Städten mit LOT oder Lufthansa nach Warszawa (Warschau); von dort per Bahn weiter (ab Flughafen mit Umsteigen in Warszawa-Gdańska oder -Zachodnia ab etwa 2:10 Stunden); alternativ mit Bus weiter, zum Beispiel mit dem Flixbus direkt nach Łódź in 1:35 Stunde.

Exkurs in die deutsche Geschichte von Lodz

Zwischen dem Aufstieg zur Industriestadt und der Neuausrichtung nach der Krise ab etwa 2000 erlebte Lodz ein sehr schwieriges Jahrhundert. Für unbeschreibliches Grauen, den Tod unendlich vieler Menschen und den wirtschaftlichen Abstieg sowie die Flucht der Industriellenfamilien waren hauptsächlich die deutschen Besatzer verantwortlich.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Stadt an der damaligen Ostfront zum Schauplatz der Schlacht um Lodz. Nach langen Kämpfen überließen die Russen den Deutschen die Stadt. Die Besatzer demontierten große Teile der Textilfabriken ohne Rücksicht auf die überwiegend deutschen Besitzer, die daraufhin die Stadt verließen.

Lodz, unsanierte Arbeiterwohnhäuser an der Poznanski Textilfabrik im Stadtteil Baluty. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Unsanierte Wohnhäuser für Textilarbeiter und -arbeiterinnen am Rande der ehemaligen Poznanski-Fabrik in Baluty.

Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs verschlechterte sich die Lage in der bis dahin multikulturellen Stadt weiter. 1940 wurde Łódź in Litzmannstadt umbenannt und das Ghetto Litzmannstadt errichtet. Die in diesem Wohnbezirk eingesperrten Juden mussten Zwangsarbeit leisten. Später wurden sie zum größten Teil deportiert und ermordet.

Das Stadtmuseum im Poznanski-Palast beleuchtet die Geschichte des Ghettos in einem eigenen Ausstellungsbereich. Dort finden Interessierte auch Hinweise darauf, wo sie im Stadtteil Baluty, in dem auch das Poznanski-Gelände liegt, auf Spurensuche gehen können.

Touristische Informationen zu Łódź unter www.lodz.travel und zur Industriekultur-Route unter www.erih.de. Weitere Informationen zum Reiseland Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt Berlin. Ich habe Lodz im Rahmen einer Pressereise kennengelernt, die vom Polnischen Fremdenverkehrsamt Berlin und von der Tourismusorganisation Lodz organisiert wurde. Vielen Dank für die vielfältigen Eindrücke!

Alle Fotos. Beate Ziehres

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Übernachten am Naumburger Dom: die Pension „Alter Bischofshof“ https://www.reiselust-mag.de/pension-alter-bischofshof-uebernachten-naumburger-dom/ Mon, 04 Sep 2023 13:56:30 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=5703 Direkt neben der Welterbestätte Naumburger Dom empfangen die Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz seit Sommer 2023 Übernachtungsgäste. In der Pension "Alter Bischofshof" ist der Name Programm.

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[Werbung] An der Sonnenseite der Welterbestätte Naumburger Dom erstrahlt seit kurzem ein historisches Gebäude in neuem Glanz. Früher logierten hier die Bischöfe, heute empfangen die Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz an dieser Stelle Gäste. Ich hatte das sprichwörtliche Vergnügen, eine Nacht in der Pension „Alter Bischofshof“ zu verbringen.

Das Ambiente, die Lage und die Geschichte des Gebäudes – diese Punkte finde ich beim näheren Kennenlernen der Pension „Alter Bischofshof“ besonders bemerkenswert. Die Einrichtung bezieht sich immer wieder auf die Historie des Ortes, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Gleichzeitig dürfte die Ausstattung den gehobenen Ansprüchen eines geistlichen Würdenträgers gerecht werden. Alles scheint liebevoll bis ins Detail geplant und durchdacht. Und: Alle Zimmer sind individuell gestaltet.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Zimmer. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Gemütlich …

Pension Alter Bischofshof Naumburg: historische Ausstattungsdetails im Zimmer. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Historische Details wie hier das Bänkchen finden sich in allen Zimmern.

Zimmer in der Pension „Alter Bischofshof“

Schon vor dem Betreten meines Zimmers fällt mir auf, dass der „Alte Bischofshof“ vom Gewöhnlichen abweicht:  Der Knauf der schweren Holztür erinnert mich an die Häuser meiner Vorfahren. Außerdem gibt es einen Schlüssel, mit dem die Zimmertür beim Verlassen des Raums abgeschlossen werden sollte – wie es früher eben üblich war.

Augenblicke später knarren Holzdielen gemütlich unter meinen Füßen. Ich freue mich über goldene Samtvorhänge und einen ausladenden, weich gepolsterten Sessel, der mich einlädt, sofort zu entspannen. Die Ständer des historischen Fachwerks geben dem Raum eine angenehme Struktur. Ein königsblauer Teppich und ein Lampenschirm in gleicher Farbe, kombiniert mit goldschimmernden Beistelltischen, sorgen für ein erhabenes Ambiente. Ich fühle mich auf Anhieb wohl.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Zimmer. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Mein Zimmer – einfach zum Wohlfühlen.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Zimmer. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die goldfarbenen Samtvorhänge haben es mir besonders angetan.

Bad mit Stil

Als bekennender Fan der Farben Schwarz und Weiß bin ich in das Bad schockverliebt, seit ich es gesehen habe: mattschwarze Armaturen, Accessoires und Badmöbel, dazu passend gewellte Wandfliesen in Weiß und Bodenfliesen mit Blumenmuster. Die Dusche mit Glastür und -abtrennung sowie Thermostat ist ebenso großzügig wie komfortabel.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Bad. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Blick ins Bad.

Im Schlaf Geschichte lernen

Besonders auffällig und in jedem Zimmer einzigartig – gewissermaßen das Markenzeichen der Pension – ist ein rundes, beleuchtetes Wandbild. Es ist dem  Namensgeber meines Zimmers gewidmet: dem Bischof und Hundefreund Richwin. Bewusst erinnert das Bild an ein Kirchenfenster.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Zimmerdetails. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Bild des Bischofs Richwin in meinem Zimmer.

Und tatsächlich: Bei meinem Besuch im Naumburger Dom entdecke ich das Originalfenster im Westchor. Als Gast der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz finde ich in meinem Zimmer übrigens eine kostenlose Eintrittskarte für den Dom.

„Dass dieses Haus zu verschiedenen Zeiten der Sitz der Naumburger Bischöfe gewesen ist, spiegelt sich in den Zimmern wider. Sie sind alle nach Bischöfen benannt“, erklärt mir Kristina Schwarz, bei den Vereinigten Domstiftern für Marketing und Presse zuständig, später.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Zimmertür. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Studio 2 ist beispielsweise nach dem brüderlichen Berthold benannt.

Kristina Schwarz hat auch die Geschichten zu den namensgebenden Bischöfen parat. Wie zum „Hundefreund Richwin“: Richwin war von 1123 bis 1125 Bischof von Naumburg und hatte damit eine der kürzesten Amtszeiten unter den Naumburger Bischöfen. „Von seinem Leben ist kaum etwas bekannt. Sein bischöfliches Siegel zeigt ihn auf einem Sessel mit zwei Hundeköpfen sitzend. Deshalb der Hundefreund“, erzählt sie.

Schlafen wie ein Murmeltier

Nach einem erlebnisreichen Tag in Naumburg, den ich bei bestem Sommerwetter richtig genießen konnte, freue ich mich auf das Bett im wunderbar kühlen Nordzimmer. Doch kaum habe ich mich in die knisternden Laken gehüllt und das Licht, mit dem mir die Kirchmaus den Weg leuchtet ausgeknipst, höre ich Donnergrollen.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Bett. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Zeit zum Schlafengehen. Gute Nacht.

Kurz darauf registriere ich durch das geöffnete Fenster lautes Wasserrauschen. Vermutlich verrichten die Wasserspeier unter den weitläufigen Dächern des Doms ihre Arbeit. Sorgen bereitet mir das Geräusch nicht. Ich fühle mich geborgen wie in Adams Schoß und widerstehe der Versuchung, aufzustehen und das mächtige mittelalterliche Domgemäuer im zuckenden Licht der Blitze zu betrachten.

Am nächsten Morgen wache ich erholt auf, finde es allerdings etwas schade, das bequeme Bett schon verlassen zu müssen.

Frühstück in der Pension „Alter Bischofshof“

Auch im Treppenhaus ist das Alter des Hauses, das im Jahr 1724 erbaut wurde, sicht- und spürbar. Das im Original erhaltene Treppengeländer und die teils ungleichmäßigen, ausgetretenen Stufen sprechen eine charmante Sprache.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: historische Elemente im Treppenhaus. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Originalbauteile im Treppenhaus.

Um das Frühstück einzunehmen, steige ich hinauf ins Dachgeschoss. Hier wiederholt sich die Liebe zum Detail. Die Tische sind mit schwarz-weißem Geschirr, Servietten und schwarzem Besteck gedeckt.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Frühstücksraum. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Frühstücksraum beinahe über den Dächern von Naumburg.

In der kleinen, offenen Küche, in der auch das Frühstücksbüfett aufgebaut ist, heißt eine Mitarbeiterin alle Gäste persönlich willkommen. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass es an nichts fehlt. So habe ich die Wahl zwischen unterschiedlichen Brötchen, Marmeladen und mehreren Sorten Honig, reichlich Salami, Schinken, Käse und Eiern, ganz nach Geschmack zubereitet. Daneben stehen frisches Gemüse, Joghurt mit Erdbeere, Birnenkompott mit Vanillesoße und ein kleiner Salat bereit.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Frühstück. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Mit diesem Frühstück startet es sich gut in einen wunderbaren Tag.

Mein Favorit an diesem Morgen ist übrigens der Gurken-Paprika-Salat, der appetitlich in kleinen Gläschen angeboten wird.

Hier oben bin ich der Turmuhr des Doms übrigens hörbar näher. Der Schlag, der durch das offene Fenster tönt, klingt schon fast auf Augenhöhe. Dazu gesellt sich das Gurren der Tauben auf dem Dach und ich fühle mich einmal mehr pudelwohl in diesem Haus.

Lage der Pension „Alter Bischofshof“

Die Pension „Alter Bischofshof“ liegt direkt neben dem Naumburger Dom. Zum Besuchereingang der Welterbestätte sind es nur wenige Schritte. Aus meinem Zimmerfenster blicke ich direkt auf das faszinierende mittelalterliche Gemäuer.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Blick aus dem Fenster. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Pension Alter Bischofshof Naumburg: Blick aus dem Fenster. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Doch die Pension bietet sich auch für Radtouristen an. Der Saale-Radweg liegt nur zwei Fahrradminuten entfernt. Außerdem gibt es einen hauseigenen Fahrradkeller, in dem die Drahtesel über Nacht sicher verwahrt sind.

„Alter Bischofshof“ – Zahlen, Daten, Preise

„Die Idee, hier eine Pension zu eröffnen, entstand vor etwa 5 Jahren. Damals waren die Neugestaltung des Domplatzes und die Errichtung des Welterbe-Informationszentrums bis zum 1000-jährigen Bestehen Naumburgs im Jahr 2028 bereits geplant“, sagt Kristina Schwarz. Der „Alte Bischofshof“ wurde im Juni 2023 nach rund dreijähriger Sanierung eröffnet.

Pension Alter Bischofshof Naumburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Pension direkt neben dem Naumburger Dom.

Die Pension verfügt über 7 Doppelzimmer und 2 Studios mit Küche für jeweils 2 bis 4 Personen. Im Doppelzimmer „Standard“ übernachtet man ab 59,50 Euro pro Person und Nacht, im Doppelzimmer „Komfort“ ab 65 Euro. Die Übernachtungspreise in den Zimmern gelten inklusive Frühstück. Doppelzimmer sind ab einer Nacht buchbar.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Studio. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Studio.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Studio. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Wohnbereich eines Studios mit zusätzlicher Schlafmöglichkeit.

Pension Alter Bischofshof Naumburg: Küche im Studio. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Küche eines Studios.

Studios sind bei Zweierbelegung ab 95 Euro pro Tag erhältlich. Für die Studios gilt eine Mindestaufenthaltsdauer von 2 Nächten, die Preise verstehen sich in diesem Fall ohne Frühstück.

Pension „Alter Bischofshof“
Domplatz 20
06618 Naumburg
Telefon +49 (0) 176 8731 0821
E-Mail: info@alterbischofshof-naumburg.de
Webseite Pension „Alter Bischofshof“

Alle Fotos: Beate Ziehres

Offenlegung: Für diesen Artikel habe ich ein Honorar erhalten. Meine eigenen Eindrücke und Meinung sind unbeeinflusst.

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Magdeburg: Reise auf den Spuren von Kaiser Otto I. https://www.reiselust-mag.de/magdeburg-kaiser-otto/ https://www.reiselust-mag.de/magdeburg-kaiser-otto/#comments Sun, 11 Jun 2023 13:37:21 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=5668 Vom Kaiser-Otto-Fest über die Kaiser-Otto-Brücke bis hin zum Ottonianum und zum Kaiser-Otto-Preis – der Name Ottos des Großen ist in Magdeburg allgegenwärtig. Anlässlich des 1050. Todestages des mittelalterlichen Herrschers bin ich in Magdeburg auf Spurensuche.

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Im Jahr 2023 jährt sich der Tod Ottos des Großen zum 1050. Mal. Anlass genug, mich etwas ausführlicher mit dem mittelalterlichen Herrscher zu befassen. Mehr noch: Ich begab mich auf „Des Kaisers letzte Reise“. Sie führte Otto, der ganz der Mode der damaligen Zeit entsprechend immer auf Achse war, von Magdeburg nach Memleben, wo der Kaiser mit 60 Jahren verstarb.

Hier geht es um Magdeburg, seinerzeit die Lieblingspfalz von Otto dem Großen. Außerdem geht es natürlich um Otto selbst, seine Frauen, die Spuren, die er in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt hinterlassen hat, und um eine Einkaufsliste. Dazu gibt’s einen Tipp für Mittelalterfreunde und eine Restaurantempfehlung.

Reisekönigtum im Mittelalter

Eine Angewohnheit der mittelalterlichen Herrscher gefällt mir als Reiseblogger natürlich besonders gut: das sogenannte Reisekönigtum. Damals wurde nicht von Hauptstädten aus regiert. Könige und Kaiser reisten mit ihrem kompletten Gefolge durch ihr Reich.

Unterwegs kam der Hof auf Pfalzen oder Königshöfen unter und blieb an einem Ort, bis in der jeweiligen Region die Nahrungsmittel aufgebraucht waren. Der tägliche Bedarf war immens. In einer Chronik wird die Einkaufsliste des Hofstaats von Ottos I. wiedergegeben. Darauf stehen unter anderem 1000 Schweine und Schafe, zehn Fuhren Wein, zehn Fuhren Bier, acht Rinder, dazu Hühner, Ferkel, Fische, Eier, Hülsenfrüchte und Getreide. Täglich! Allerdings soll im Mittelalter das Schlachtvieh wesentlich kleiner gewesen sein als heute.

Königshof Walbeck bei Hettstedt. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Königshof Walbeck bei Hettstedt. Auch hier machte Kaiser Otto I. während seiner letzten Reise Station.

Zu bedenken ist außerdem, dass neben mehreren hundert Hofangehörigen auch beispielsweise Pferde und Ochsen mitversorgt werden mussten. Bei großen Hoftagen konnten auch tausende oder gar zehntausende Menschen zusammenkommen, die allesamt verköstigt werden mussten.

Ottos letzter Besuch in Magdeburg

Doch nun zu Ottos letztem Besuch in Magdeburg. Im März 973 kehrt der erste Kaiser des Heiligen Römischen Reiches mit seinem Gefolge in die Stadt zurück. Die schicksalhafte Reise hatte bereits im Hochsommer 972 im italienischen Pavia begonnen. Seitdem bewegte sich der Tross in Richtung Alpen und weiter nach Mitteldeutschland.

Weihnachten feiert der Hof in Frankfurt am Main. Am Palmsonntag, dem 16. März 973, werden der Kaiser, seine Frau Adelheid, sein Sohn Otto sowie Schwiegertochter Theophanu prunkvoll im Magdeburger Dom empfangen. Otto I. verkündet feierlich die beim Papst erreichte Gründung des Erzbistums Magdeburg und übergibt der Kirche zahlreiche Geschenke.

Von Kaiser Otto gestiftetes Taufbecken im Magdeburger Dom. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Von Kaiser Otto gestiftetes Taufbecken im Magdeburger Dom.

Magdeburg selbst verdankt dem einflussreichen Herrscher den Aufstieg zu einer der bedeutendsten mittelalterlichen Metropolen Europas. Archäologische Funde untermauern die imperiale und sakrale Bedeutung Magdeburgs für das von Otto I. begründete Herrschergeschlecht der Ottonen. Die Stadt diente auch als Morgengabe für Ottos erste Gemahlin Editha. Die englische Königstochter kam im Alter von 19 Jahren nach Magdeburg, um Otto I. zu heiraten.

In diesen Märztagen des Jahres 973 bleibt der Hof nicht lange in Magdeburg, denn schon das Osterfest will man in Quedlinburg feiern. Und so zieht Otto mit seinem Gefolge nach einem kurzen Besuch weiter in Richtung Harz.

Dom St. Mauritius und Katharina zu Magdeburg

Bevor wir jedoch der letzten Reise des Kaisers nach Quedlinburg und Memleben folgen, verweilen wir etwas in Magdeburg. Eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen der Stadt ist der Dom St. Mauritius und Katharina. Otto I. und seine erste Frau, Königin Editha, hatten einen starken Bezug zu Magdeburg und zum Dom. Sie sahen die Kathedrale als Symbol ihrer Macht und des christlichen Glaubens im aufstrebenden deutschen Reich.

Das majestätische Gotteshaus im Herzen Magdeburgs beeindruckt mich immer wieder mit seiner imposanten Architektur. Es ist die erste von Anfang an gotisch konzipierte und die am frühesten fertiggestellte Kathedrale der Gotik in Deutschland. Der Dom, wie wir ihn heute besichtigen können, wurde ab 1209 gebaut. Er ist der Nachfolgebau des Ottonischen Doms, der 1207 bei einem großen Stadtbrand schwer beschädigt wurde. Unter großem Protest der Bevölkerung ließ der Erzbischof damals die erhalten gebliebenen Außenmauern abtragen. Aus den Steinen entstand an gleicher Stelle der neue Dom.

Gotisches Hauptschiff des Magdeburger Doms. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Altarraum des Magdeburger Doms. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Doch zurück zu Kaiser Otto. Er gründet 937 an der Elbe das Mauritiuskloster. Editha wird dort 946 bestattet und auch Otto selbst hatte bestimmt, in Magdeburg beigesetzt zu werden. Es ist nachgewiesen, dass Otto in den 950er-Jahren einen großartigen Domneubau im spätromanisch-gotischen Stil in Auftrag gibt. Zahlreiche Kostbarkeiten, die Otto I. spätestens bei seinem letzten Besuch im März 973 nach Magdeburg bringt, sollen seinen imperialen Anspruch untermauern.

Nach seinem plötzlichen Tod in Memleben wird die sterbliche Hülle von Kaiser Otto I. im Mai 973 nach Magdeburg gebracht. Die Herrscherfamilie und Weggefährten wohnen seiner Beisetzung im Dom bei.

Die Grablegen Ottos des Großen und seiner ersten Gemahlin Editha wurden später im Altarraum des heutigen Doms platziert. Dort finde ich sie bei meinem Besuch. Doch auch das Kirchenschiff mit der hohen Gewölbedecke, die kunstvoll verzierten Säulen und die würdevoll-kühle Atmosphäre nehmen mich wieder einmal gefangen.

Grab von Kaiser Otto im Magdeburger Dom. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Das Grab Ottos des Großen befindet sich an prominenter Stelle in der Mitte des Hohen Chores im Magdeburger Dom.

Grab von Königin Edith im Magdeburger Dom. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Grab von Königin Editha im Magdebirger Dom, mit Blick nach Osten.

Während Ihres Besuchs im Magdeburger Dom sollten Sie unbedingt eine Führung mitmachen. Die sachkundigen Guides erzählen von der Geschichte des Doms, der Bedeutung von Otto I. und Editha sowie den architektonischen Besonderheiten. Von April bis Oktober werden Turmführungen angeboten und von Oktober bis April Nachtführungen. Alle Zeiten, Treffpunkt und Preise finden Sie auf der Webseite des Magdeburger Doms.

Dommuseum Ottonianum

Nach dem Besuch des Doms begebe ich mich in ein prachtvolles Gebäude gleich gegenüber der Kathedrale. In einem ehemaligen Bankgebäude aus den 1920er-Jahren ist  das Dommuseum Ottonianum untergebracht. Wie der Name schon vermuten lässt, erfahre ich hier alles über Magdeburgs Geschichte, den Dom und seine Schätze sowie Kaiser Otto und seine Frauen.

Thematisiert werden unter anderem die majestätischen und luxuriös ausgestatteten Großbauten, die in ottonischer Zeit auf der heutigen Domplatte entstanden. Die Rede ist von antiken Bauteilen aus Italien, Marmorfußböden, glasierten Dachziegeln und prächtigen Wandmalereien. Die mächtigen Fundamente, die freigelegt wurden, sind auf dem Domplatz zu sehen.

Die Dauerausstellung des Ottonianums versucht auch Menschen jenseits des Bildungsbürgertums anzusprechen und nutzt dafür auch populäre Formate wie Trickfilme. Immer wieder finde ich Anknüpfungspunkte zum Dom oder auch Sichtachsen zur Kathedrale. Mittels Drohnenaufnahmen sieht der Besucher den Dom auch aus ungewöhnlichen Perspektiven.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Informationen zu Führungen finden Sie auf der Webseite des Dommuseums Ottonianum.

Majestas-Domini-Darstellung aus der Gruppe der Magdeburger Elfenbeintafeln, derzeit zu sehen im Ottonianum. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Majestas-Domini-Darstellung aus der Gruppe der Magdeburger Elfenbeintafeln, derzeit zu sehen im Ottonianum. Kaiser Otto, geleitet vom Heiligen Mauritius, überbringt dem thronenden Jesus Christus ein Modell des Magdeburger Doms.

Dompatrone Heiliger Mauritius und Heilige Katharina flankieren die Mutter Gottes. Die Originale befinden sich am Westportal des Magdeburger Doms. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Die Dompatrone, der Heilige Mauritius und die Heilige Katharina, flankieren die Mutter Gottes. Die Originale befinden sich am Westportal des Magdeburger Doms in luftiger Höhe.

Sonderausstellung zum 1050. Todestag Kaiser Ottos

Im Kulturhistorischen Museum Magdeburg ist bis zum 8. Oktober 2023 eine Sonderausstellung zum Wirken Ottos des Großen zu sehen. „Welche Taten werden Bilder? Otto der Große in der Erinnerung späterer Zeiten“ lautet der Titel. Anlass der Ausstellung ist der 1050. Todestag des Herrschers, der im Mai 973 starb.

Auf das Wirken des Kaisers wurde in späteren Epochen sowohl in der Geschichtsschreibung als auch in der Kunst oft Bezug genommen. Mit zahlreichen Exponaten vom Mittelalter bis in die Gegenwart nähert sich die Ausstellung den unterschiedlichen Deutungen in den jeweiligen Epochen.

Das Kaisertum Ottos des Großen hatte als Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation bis 1806 Bestand. Otto der Große kann damit als früher Gestalter Europas gelten. Anlässlich der Eröffnung sagte der sachsen-anhaltinische Staatsminister und Minister für Kultur Rainer Robra: „Kaiser Otto der Große ist eine der wichtigen identitätsstiftenden Gestalten für Magdeburg und für Sachsen-Anhalt.“ Er habe die Grundlagen geschaffen für die religiöse, politische und wirtschaftliche Vorrangstellung Magdeburgs im Zeitalter der Ottonen.

Weitere Informationen, Öffnungszeiten und Eintrittspreise finden Sie auf der Webseite des Kulturhistorischen Museum Magdeburg.

Zerrbilder Ottos des Großen, Eingang zur Ausstellung "Welche Taten werden Bilder?". Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Zerrbilder Ottos des Großen am Eingang zur Ausstellung „Welche Taten werden Bilder?“.

Kaiser Otto mit seinen Frauen Edith und Adelheid in der Ausstellung, Heinrich Apel, 1989, Ausstellung "Welche Taten werden Bilder?" im Kulturhistorischen Museum Magdeburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Kaiser Otto mit seinen Frauen Edith und Adelheid von Heinrich Apel, 1989, in der Ausstellung „Welche Taten werden Bilder?“ im Kulturhistorischen Museum Magdeburg. Im Besitz von Schloss Hundisburg, Haldensleben.

"Die Exkommunikation Roberts des Frommen" (links) und "Einzug von Boleslav dem Tapferen in Kiew" (rechts aus der Abteilung "Große ihrer Nationen - Zeitgenossen in Europa". Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

„Die Exkommunikation Roberts des Frommen“ (links) und „Einzug von Boleslav dem Tapferen in Kiew“ (rechts) aus dem Ausstellungsabschnitt „Große ihrer Nationen – Zeitgenossen in Europa“.

Tafelaufsatz Magdeburger Reiter, Ausstellung "Welche Taten werden Bilder?" im Kulturhistorischen Museum Magdeburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Tafelaufsatz Magdeburger Reiter im Bereich „Anfänge und Gründungen“ der Ausstellung „Welche Taten werden Bilder?“ im Kulturhistorischen Museum Magdeburg.

Kaiser-Otto-Fest in der Ottostadt

Die Ottonen sind zurück! Könnte man zumindest jedes Jahr im September meinen. Dann findet in Magdeburg das Kaiser-Otto-Fest statt. An vier Tagen wird dann das Mittelalter wieder lebendig. Auf der Festmeile zwischen dem Kloster Unser Lieben Frauen und dem Remtergang hinter dem Magdeburger Dom gehen Schmied, Steinmetz und Böttcher ihrem Handwerk nach. Es duftet nach Mutzbraten, Met und Striezel, während Feuerkünstler, mittelalterliche Musikanten, Ritter und fabelhafte Wesen für kurzweilige Unterhaltung und viele Überraschungen sorgen.

In 2023 feiern die Magdeburger von 29. September bis 1. Oktober Kaiser Otto, seinen Hof, die Rittersleute und das Leben im Mittelalter. Alle Informationen und das Programm zum Download finden Sie auf der Webseite des Kaiser-Otto-Festes.

Grüne Zitadelle mit Kaiser-Otto-Laden

Die neben dem Dom wohl beliebteste Sehenswürdigkeit Magdeburgs ist die sogenannte Grüne Zitadelle. Seit dem Jahr 2005 bereichert Friedensreich Hundertwassers Bauwerk das Stadtbild der Ottostadt. Die Grüne Zitadelle bietet individuellen Lebens- und Erlebnisraum. Während einer Besichtigung des Gebäudekomplexes kann auch der 33 Meter hohe Turm der Grünen Zitadelle bestiegen werden.

Magdeburg, Hundertwasser-Bau Grüne Zitadelle. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Magdeburg, Hundertwasser-Bau Grüne Zitadelle. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Magdeburg, Hundertwasser-Bau Grüne Zitadelle. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Und: Auch in einem der Innenhöfe der Grünen Zitadelle bin ich auf Kaiser Otto gestoßen, genauer gesagt auf „Ottos Spezialitäten“. Hier gibt es „Machdeburjer Eiersuppe“, Lümmeltunke (Magdeburgs schärfster Senf) und Sudenburger Bier – kurz: Gaumenfreuden, Lieblingströpfchen und Köstlichkeiten aus Kaiser Ottos alten Ländereien.

"Ottos Spezialitäten" in der Grünen Zitadelle. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

„Ottos Spezialitäten“ in der Grünen Zitadelle.

Restaurant und Bar „Domkönig“

Weil mir in Gedanken an solche Leckereien schon wieder das Wasser im Munde zusammenläuft, kommt hier gleich noch ein Tipp fürs Mittagessen. In direkter Nähe des Doms habe ich mir im „Domkönig“, einem wirklich modern-gemütlichen Lokal, von der wöchentlich und saisonal wechselnden Mittagskarte einen köstlichen Burrito gegönnt. Ich bilde mir ein, auch im „Domkönig“ bezieht man sich irgendwie auf Otto den Großen.

Burrito im "Domkönig" in Magdeburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Burrito im „Domkönig“ in Magdeburg.

Weitere Spuren Ottos in Magdeburg

Im Magdeburger Dom wird in der Regel alle zwei Jahre mit dem Kaiser-Otto-Preis der wichtigste Kulturpreis der Landeshauptstadt verliehen. Mit dem Kaiser-Otto-Preis zeichnet die „Kulturstiftung Kaiser Otto“ Persönlichkeiten aus, „die sich um den europäischen Einigungsprozess besonders im Hinblick auf die mittel-, ost- und südosteuropäischen Staaten verdient gemacht haben“. Bekannteste Preisträger dürften Richard von Weizsäcker, ehemaliger Bundespräsident, Angela Merkel, ehemalige Bundeskanzlerin, sowie der rumänische Präsident Klaus Johannis sein.

Zwei neues Elbbrücken tragen fortan die Namen „Königin-Editha-Brücke“ und „Kaiser-Otto-Brücke“. Mit seinem Beschluss folgte der Rat der Stadt Magdeburg den Vorschlägen der Bevölkerung.

Original Skulpturengruppe "Magdeburger Reiter" aus Sandstein, um 1240/1250, dauerhaft im Kulturhistorischen Museum Magdeburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Auch beim berühmten „;Magdeburger Reiter“ soll es sich um Otto den Großen handeln. Die Original Skulpturen-Gruppe „Magdeburger Reiter“ aus Sandstein, um 1240/1250, ist dauerhaft zu sehen im Kulturhistorischen Museum Magdeburg im Kaiser-Otto-Saal.

Pressereise: Mein Dank für die Einladung geht an die IMG Sachsen-Anhalt mbH und an alle an der Organisation und Umsetzung Beteiligten. Ich habe kein Honorar erhalten. Der Text gibt meine eigenen Ansichten wieder.

Als Museumsbloggerin habe ich Welterbestätten in Sachsen-Anhalt besucht. In meinem Artikel schreibe ich auch kurz über Quedlinburg, die Stadt, in der Kaiser Otto sein letztes Osterfest verbrachte.

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Naumburg: 3 Sehenswürdigkeiten und ein Ausflug in den Weinberg https://www.reiselust-mag.de/naumburg/ Wed, 22 Sep 2021 15:13:33 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=5075 Die bekannteste Sehenswürdigkeit in Naumburg (Sachsen-Anhalt) ist der Dom. Weitere Anziehungspunkte sind die Altstadt, die historische Straßenbahn und das Max-Klinger-Haus in Großjena.

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[Werbung] Am allersüdlichsten Zipfel Sachsen-Anhalts liegt die Stadt Naumburg. Hier an der Mündung der Unstrut in die Saale, zwischen sanften, grünen Hügeln, an deren Hängen die Weinreben gedeihen, lässt es sich gut leben. Das Klima ist in dieser Gegend außerordentlich mild. Und so umfängt mich bei meiner Ankunft in Naumburg eine samtene Wärme. Die Freude über den schönen Tag sollte aber von kurzer Dauer sein. Wie so oft in diesem Sommer setzt ein Gewitter den Schlusspunkt hinter warme Phasen. So mache ich mich bei Regen auf den Weg, um die Sehenswürdigkeiten von Naumburg zu erkunden.

Naumburger Dom

Zu allem Überfluss öffnet der Himmel genau in dem Moment die Schleusen, als ich auf einem der Westtürme des Naumburger Doms stehe und eigentlich noch höher hinaus möchte. Die Besichtigung des Dachstuhls, der Dachreiter und der vorabendliche Blick vom Turm sollten ein Höhepunkt meines Besuchs in Naumburg sein.

Der Dom St. Peter und St. Paul ist eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler des europäischen Hochmittelalters und damit die Top-Sehenswürdigkeit in Naumburg. Die Architektur des Gotteshauses mit den beiden höchst unterschiedlichen Chorräumen ist weltweit einzigartig. Das gilt auch für die das Gebäude mitprägende Bildhauerkunst und Glasmalerei.

Ostchor des Naumburger Doms. Foto: Beate Ziehres Kreuzigungsgruppe am Westlettner des Naumburger Doms. Foto: Beate Ziehres Dom von Naumburg, Dachstuhl. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Figuren der Stifter im Naumburger Dom

Besonders beeindruckt hat mich der Westchor mit den Figuren der Stifter. Ein namentlich unbekannter Steinbildhauer – der sogenannte Naumburger Meister – schuf die 12 Figuren vor rund 800 Jahren. Die populärste der Stifterfiguren ist die schöne Uta von Ballenstedt.

Stifterfigur Uta, Naumburger Dom, Foto: Beate Ziehres

Uta, die wohl bekannteste Stifterfigur im Naumburger Dom (rechts).

Turmbesteigung

Nun stehe ich also auf  der unteren Plattform des nordwestlichen Turms etwa auf Höhe des Kirchenschiffdachs. Der Regen peitscht durch die Öffnungen. Das Mädchen in mir gewinnt Oberhand – ich bin zu feige, bei Blitz, Donner, Regen und Sturm an der Außenseite des Turmes in Richtung Spitze zu klettern. Verwässerter Eindruck von halber Höhe:

Regen trübt die Aussicht vom Turm in Richtung Westen. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Regen trübt die Aussicht vom Turm in Richtung Westen.

Domschatzgewölbe

Zurück vom Dach des Naumburger Doms, der seit Juni 2018 zum UNESCO Welterbe der Menschheit zählt, statte ich dem Domschatzgewölbe einen Besuch ab. Hier ist es trocken und warm. Das gilt nicht nur für die Luft. Wie es sich für eine Schatzkammer gehört, dominieren im Gewölbe heimelig-warme Goldtöne.

Im Domschatzgewölbe Naumburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Im Domschatzgewölbe Naumburg.

Hier in einem der größten romanischen Gewölbe Mitteldeutschlands glitzern die sakralen Kostbarkeiten des Doms um die Wette. Mehr als 30 Kunstwerke des Mittelalters und der Renaissance sind im Domschatzgewölbe versammelt.

Dazu zählt beispielsweise die sogenannte Johannesschüssel aus dem frühen 13. Jahrhundert, die den abgeschlagenen Kopf Johannes des Täufers zeigt. Zu sehen sind außerdem ein von Lucas Cranach geschaffener Flügel des einstigen Hauptaltars im Westchor des Doms, die einzigartige Naumburger Pietà und ein imposantes Chorbuch aus dem 16. Jahrhundert.

Im Domschatzgewölbe des Naumburger Doms. Foto: Beate Ziehres Illustriertes Chorbuch im Domschatzgewölbe. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Altstadt von Naumburg an der Saale

Besucher der Stadt sollten auf keinen Fall einen Bummel durch die Altstadt versäumen. Schließlich wurde Naumburg schon vor fast 1000 Jahren Bischofssitz. In der Stadt an der mittelalterlichen Via Regia blühte der Handel, nicht zuletzt wegen der berühmten Naumburger Messen. Bis ins Thüringische und Sächsische war der Markt auch als Peter-Pauls-Messe bekannt. Man handelte mit Tuchen, Pelzen, Fisch – insbesondere Stockfisch aus Schlesien – Getreide, Hopfen und Wein.

Als ich an einem Mittwoch über den Markplatz bummele, herrscht ebenfalls buntes Treiben. Heute verkaufen die Händler frische Obst und Gemüse. Aber ich kann mir das mittelalterliche Marktgeschehen vor dieser Kulisse gut vorstellen. Noch heute prägen das Renaissance-Rathaus und die spätgotische Stadtkirche St. Wenzel diesen Platz. Hier und an der Herrenstraße fallen mir auch charakteristische Bürgerhäuser mit Renaissancegiebeln auf.

Marktplatz in Naumburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Marktplatz in Naumburg.

Stadtmauer und Marientor

Im Süden und im Osten der Altstadt Naumburgs sind bis heute Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung erhalten geblieben. Die Befestigungsanlagen bestanden aus der Stadtmauer und dem Stadtgraben. Die Wenzelsmauer, die Jakobsmauer und die Marienmauer sind noch heute zu sehen. Von ehemals fünf Stadttoren existiert nur noch das prächtige Marientor. Das Marientor ist ein Museum. Im Inneren informiert eine Ausstellung über die historischen Befestigungsanlagen.

Details zu Öffnungszeiten und Eintrittspreis auf der Webseite des Museumsvereins Naumburg.

Marientor in Naumburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Marienplatz in Naumburg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Naumburger Straßenbahn

Am Marientor vorbei erreiche ich das Depot der historischen Straßenbahn am Heinrich-von-Stephan-Platz. Vor dem Depot steht schon der Triebwagen 51. Das Fahrzeug des Typs „Reko“ stammt aus dem Jahr 1973 und bietet 22 Sitzplätze. Die älteste Elektrische, die in Naumburg unterwegs ist, wurde 1928 gebaut. Der Typ „Lindner“ mutet für heutige Verhältnisse zwar etwas kantig an, ist aber so etwas wie ein Design-Klassiker.

Zu Anfangszeiten hatte die Naumburger Straßenbahn übrigens schnell ihren Kosenamen „Wilde Zicke“ weg. Denn die Gleise zwischen Bahnhof und Wenzelstor, die im Jahr 1892 innerhalb von nur elf Wochen verlegt wurden, waren ständig verbogen. Der Unterbau war zu schwach. Dieser Mangel sorgte dafür, dass die Straßenbahn, die als Dampfstraßenbahn an den Start ging, wilde Sprünge vollführte.

Heute ist die „Wilde Zicke“ Geschichte, wie ich während einer Probefahrt feststellen kann. Und ich bemerke auch: Die Naumburger nehmen die historische Straßenbahn mit dem charakteristischen, ohrenbetäubenden Läuten als alltägliches Verkehrsmittel an.

Naumburger Straßenbahn. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Naumburger Straßenbahn.

Seit 2007 verkehrt sie wieder auf einem 2,9 Kilometer langen Teilstück der historischen Ringstrecke. Die Linie 4 fährt im Halbstundentakt zwischen Hauptbahnhof und Salztor. Dass die Elektrische wieder fährt, und zwar ausschließlich mit historischen Linienfahrzeugen, ist dem Verein  Nahverkehrsfreunde Naumburg-Jena e. V. zu verdanken.

Naumburger Straßenbahn. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Im Inneren der Naumburger Straßenbahn.

Mehr Informationen auf der Webseite der  Naumburger Straßenbahn.

Max-Klinger-Haus in Großjena

Zum Abschluss meines Aufenthalts in Naumburg steht noch ein Landausflug auf dem Programm. Mit Ulf Dräger, dem Vorsitzenden des Museumsverbands Sachsen-Anhalt, fahre ich in den Naumburger Ortsteil Großjena. Hier in der Nähe des Zusammenflusses von Saale und Unstrut mutet die Landschaft schon fast toskanisch an. Sanfte Hügel, Weinberge, gelb blühende Rapsfelder – ein Setting, in das sich jeder Künstler verlieben muss.

Klingerhaus in Großjena. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Klingerhaus in Großjena.

So ging es auch dem Leipziger Maler, Grafiker und Bildhauer Max Klinger. 1903 kauft er in dieser Landschaft einen Weinberg mit zwei Weinberghäusern. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und Muse, der Schriftstellerin Elsa Asenijeff,  verbringt er hier in Ruhe und Abgeschiedenheit viel Zeit. Zahlreiche Radierungen, Zeichnungen, Aquarelle und Ölbilder zeugen von glücklichen Tagen.

Bronzebüste Elsa Asenijeff. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Klingers Werk: Bronzebüste von Elsa Asenijeff.

Ab 1909 lässt er das obere Haus zu einem komfortablen Landhaus ausbauen, in dem er immer mehr Zeit verbringt. Zu dieser Zeit lernt er auch die 17-jährige Gertrud Bock kennen, die er wenige Monate vor seinem Tod heiratet.

Glanzstücke des Museums: 2 Kachelöfen

Während der 15-minütigen Fahrt gibt mir Ulf Dräger, ein ausgewiesener Kunstkenner, einen Einblick ins Leben und Wirken Max Klingers. Im Wohnhaus sind zwischen April und Oktober zahlreiche Werke Klingers und Erinnerungen an das Leben des Künstlers zu sehen. Dazu zählen beispielsweise die beiden Kachelöfen des Hauses. Klinger hat die beiden Öfen selbst entworfen und die Kacheln eigenhändig geformt.

Kachelofen im Klingerhaus. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Kachelofen Klingerhaus Großjena. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag Einzelne Kachel des Ofens, Klingerhaus Großjena. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag
Kachelofen Nr. 2, Klingerhaus Großjena. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Auf dem zweiten Kachelofen hat sich Klinger selbst verewigt.

Druckwerkstatt im Radierhäuschen

Wenige Schritte unterhalb des Landhauses liegt das Radierhäuschen Max Klingers. Es ist eingebettet in den Weinberg, die zahlreichen Fenster geben betörende Aussichten auf die traumhaft schöne Landschaft frei. Das Radierhäuschen diente Max Klinger als Atelier, Druckwerkstatt und Rückzugsort.

Radierhäuschen in Klingers Weinberg. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Radierhäuschen in Klingers Weinberg.

Im Radierhäuschen treffe ich den Maler, Grafiker und Illustrator Matthias Schöneburg. Er lebt und arbeitet zum Zeitpunkt meines Besuchs an diesem lauschigen Ort. Bereitwillig zeigt er, wie eine Radierung entsteht – ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Denn unter Radierung versteht man ein künstlerisches Druckverfahren.

Weitere Informationen und Öffnungszeiten des Klingerhauses in Großjena: https://www.mv-naumburg.de/klingerhaus

Matthias Schöneburg bei der Arbeit. Foto: Beate Ziehres Matthias Schöneburg an der Druckmaschine. Foto: Beate Ziehres, Reiselust-Mag

Hotel in Naumburg

Während meines Aufenthalts in Naumburg habe ich im Herzen der Altstadt in der Pension Typisch Naumburg übernachtet. Im stilvollen Fachwerkhaus am Reußenplatz 10 logiert man modern in Themenzimmern, die sich auf Naumburger Besonderheiten beziehen.  So gibt es hier beispielsweise ein Domzimmer, ein Straßenbahnzimmer und ein Weinzimmer. Ich wohne im Orgelzimmer mit einer Orgelpfeife als Deko-Objekt an der Wand. Der Name bezieht sich auf die barocke Orgel in der Stadtkirche St. Wenzel, die von Johann Sebastian Bach persönlich abgenommen wurde.

Ich habe Naumburg im Rahmen einer Bloggerinnentour durch Sachsen-Anhalt besucht. Die Reise fand in Kooperation mit dem Museumsverband Sachsen-Anhalt, der Investitions- und Marketing-Gesellschaft Sachsen-Anhalt (IMG) sowie der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt statt. Vielen Dank für die Organisation!

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Ohlerich Speicher – komfortable Ferienwohnungen in Wismar https://www.reiselust-mag.de/ohlerich-speicher-ferienwohnungen-wismar/ Fri, 15 May 2020 15:38:40 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=4693 Die Appartementanlage Ohlerich Speicher am Alten Hafen in Wismar bietet 48 luxuriöse Ferienwohnungen in bester Lage. Wir haben das Haus getestet.

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Reise, Reise – Corona zum Trotz bekommen die Deutschen in diesen Tagen Lust auf Urlaub. Zu den besonders beliebten Zielen zählt die Ostseeküste. Ferienwohnungen am Wasser erfreuen sich dank Abstandsgebot schon jetzt großer Nachfrage. Deshalb stelle ich in diesem Beitrag den Ohlerich Speicher am Alten Hafen in Wismar vor. Die außergewöhnliche Ferienresidenz wurde im Sommer 2018 eröffnet.

Lage und Aussicht

Die Lage des Ohlerich Speichers ist genial, anders kann man es nicht ausdrücken. Der denkmalgeschützte ehemalige Getreidespeicher steht an der Spitze des Alten Hafens und ist gewissermaßen auf drei Seiten von Wasser umgeben. Von den Balkons und Terrassen der Appartements sowie aus den oft bodentiefen Fenstern überblickt der Gast die

  • lebhafte Wismarer Bucht,
  • den Alten Hafen mit seinen historischen Schiffen,
  • den betriebsamen neuen Hafen mit dem Anleger für Kreuzfahrtschiffe,
  • oder die zum UNESCO Welterbe zählende Altstadt.

Bei meinem ersten Besuch im Ohlerich Speicher – noch vor der Eröffnung – kann ich von der Terrasse des Appartements 44 das Anlegemanöver der Kogge „Wisemara“ beobachten. Bei meinem Aufenthalt im Winter macht vor dem Schlafzimmerfenster von Appartement 43 – kaum dass ich aufgestanden bin – ein Kreuzfahrtschiff fest! Maritimer geht es nicht mehr.

Blick von der Dachterrasse Ferienwohnung 44 auf Kogge Wisemara. Foto: Beate Ziehres

Die Kogge Wisemara von oben betrachten – das geht auf der Dachterrasse der Ferienwohnung 44.

Ohlerich Speicher Wismar am Alten Hafen. Foto: Beate Ziehres

Zwischen Altem Hafen und modernem Hafen: der Ohlerich Speicher.

Blick vom Ohlerich Speicher auf den alten Hafen. Foto: Beate Ziehres

Blick vom Ohlerich Speicher auf den alten Hafen.

Kreuzfahrtschiff vor dem Schlafzimmerfenster von Ferienwohnung 43. Foto: Beate Ziehres

Kreuzfahrtschiff vor dem Schlafzimmerfenster von Ferienwohnung 43.

Appartements im Ohlerich Speicher

Unabhängig von diesen Ereignissen bieten die 48 Appartements jeglichen Komfort, den ich mir in einer Ferienwohnung wünsche:

  • Geschmackvolle Einrichtung und wertige Ausstattung,
  • komplett ausgestattete Küchenzeile mit Geschirrspüler,
  • superbequeme Betten
  • moderne Bäder, teilweise mit eigener Sauna,
  • angenehmes Raumklima

In manchen Appartements ist die Erinnerung an die frühere Funktion des Gebäudes als Getreidespeicher erhalten geblieben. Witzig!

Technische Elemente erinnern an die Funktion des Ohlerich Speichers als Getreidespeicher. Foto: Beate Ziehres

Technische Elemente erinnern an die Funktion des Ohlerich Speichers als Getreidespeicher.

Unser Loft-Appartement mit der Nr. 43 liegt im 7. Obergeschoss und verfügt über eine Dachterrasse. Von der Wohnung aus können wir beide Häfen und die Altstadt überblicken. Weitere Kennzahlen sind: 3 Zimmer, 80 Quadratmeter, 2 Schlafzimmer, Duschbad und zusätzliche Toilette.

Schlafzimmer in Ferienwohnung 43, Ohlerich Speicher Wismar. Foto: Beate Ziehres

Komfortabel: das Schlafzimmer in Appartement 43 des Ohlerich Speichers.

Bad in Ferienwohnung 43. Foto: Beate Ziehres

Bad in Ferienwohnung 43

Das benachbarte Appartement Nr. 44, welches ich im Sommer besichtigt habe, bietet auf 94 Quadratmetern Wohnfläche Schlafmöglichkeiten für sechs Personen, zwei Bäder und eine Sauna. Daneben eine Dachterrasse in Südwestrichtung.

Wohnzimmer in Appartement 44, Ohlerich Speicher, Wismar. Foto: Beate Ziehres

Wohnzimmer in Appartement 44.

Bad und Sauna in Ferienwohnung 44. Foto: Beate Ziehres

Ferienwohnung 44 hat eine eigene Sauna.

Luxuriöses Highlight ist das Penthouse im Turm des Ohlerich Speichers. Appartement 48 hat eine Wohnfläche von 115 Quadratmetern und eine Dachterrasse, beherbergt sechs Personen und bietet einen atemberaubenden Rundumblick.

Ausstattung und Preise

Alle Ferienwohnungen sind Nichtraucherwohnungen. Sie verfügen über kostenfreies WLAN, Klimaanlage, Fernseher, bezogene Betten und Handtücher für die gebuchte Gästezahl. Die Endreinigung ist im Preis eingeschlossen.

Der Ohlerich Speicher hat einen Fahrstuhl. Im Erdgeschoss gibt es ein Restaurant mit Bar. Für das Frühstück haben wir einen Gutschein im gemütlichen Café der Mecklenburger Backstuben am Alten Hafen erhalten.

Die Preise für die Ferienwohnungen bewegen sich zwischen 64 und 195 Euro pro Nacht, je nach Größe, Ausstattung und Reisezeit.

Blick aus der Ferienwohnung 43 auf den vorweihnachtlichen Trubel am alten Hafen von Wismar. Foto: Beate Ziehres

Blick aus der Ferienwohnung 43 auf den vorweihnachtlichen Trubel am alten Hafen von Wismar.

Geschichte des Ohlerich Speichers

Der Ohlerich Speicher wurde im Jahr 1938 als Silo 3 erbaut und prägt gemeinsam mit weiteren Silos die Silhouette des Alten Hafens in Wismar. Die gesamte Anlage am Alten Hafen diente nicht nur als Getreidelager, sondern auch als Umschlagplatz. Hier wurden zu DDR-Zeiten große Mengen importierten Getreides von Schiffen auf die Bahn umgeladen und von Wismar aus weiter transportiert.

Der 34 Meter hohe Ohlerich-Speicher wurde ebenfalls als Getreidespeicher genutzt. Das Gebäude hatte sieben Speichergeschosse. Darin eingeschlossen waren insgesamt 17 Getreidesilos.

Ohlerich Speicher Wismar am Alten Hafen. Foto: Beate Ziehres

Der Ohlerich Speicher bietet komfortable Ferienwohnungen.

Fazit

Wenn ich wieder nach Wismar reise, würde ich jederzeit eine Ferienwohnung im Ohlerich Speicher mieten. Das angenehme Haus bietet genug Freiräume und Komfort sowie alle Möglichkeiten für einen entspannten Städtetrip. Im Umfeld des Ohlerich Speichers gibt es genügend Parkflächen. Zu Fuß bummelt man gemütlich am Hafen und an den Fischkuttern vorbei in die Altstadt, die zum UNESCO Welterbe zählt.

Lesen Sie in meinem Post 5 Weihnachtsmärkte in Mecklenburg-Vorpommern, was hier am Alten Hafen sowie in Wismar, Rostock und Stralsund in der Vorweihnachtszeit los ist.

Außerdem haben wir an der Ostseeküste weitere Hotels getestet:

In meinem Beitrag Barrierefreier Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern stelle ich barrierefreie Ferienwohnungen und Hotels vor.

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Serbien: 7 Sehenswürdigkeiten in 10 Bildern https://www.reiselust-mag.de/serbien-sehenswuerdigkeiten/ https://www.reiselust-mag.de/serbien-sehenswuerdigkeiten/#comments Sat, 30 Nov 2019 20:38:33 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=4107 Serbien bezaubert mit unberührter Natur, wunderschönen Städten, atemberaubender Handwerkskunst und exotisch anmutenden Festen.

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Serbien hatte ich bisher im Kopf mit Postkommunismus, Milošević und Bohnensuppe verbunden. Welch ein Irrtum! Bei meinem ersten ausführlichen Besuch im Oktober konnte ich wieder einmal ein ganzes Bündel von Vorurteilen über Bord werfen. Ich habe ein wunderschönes Land, atemberaubende Sehenswürdigkeiten und herzliche Menschen kennengelernt.

Und von wegen Bohnensuppe! Über die Gaumenfreuden, die mir serbische Köche und Produzenten bereitet haben, berichte ich in meinem Beitrag über die serbische Küche. Hier geht es zuerst um Städte, Landschaften, Kulturgüter und am Ende des Beitrags auch ums Essen. Also: durchhalten! Zum Schluss kommt ein weiteres Highlight.

Belgrad – reich an Geschichte und Sehenswürdigkeiten

Belgrad ist die Hauptstadt von Serbien und eine der ältesten Städte in Europa. In Südosteuropa gilt die Stadt mit 1,7 Millionen Einwohnern als Tor zum Balkan und nach Mitteleuropa zugleich.

Die „weiße Stadt“ an der Mündung der Save in die Donau wurde seit ihrer Gründung im 3. Jahrhundert vor Christus unzählige Male erobert, verwüstet oder zerstört. Die Schäden der jüngsten Angriffe – der Bombardierung durch die NATO im Jahr 1999 – sind noch heute zu sehen. Ruzica, unsere Reiseleiterin, zeigt uns die hinter Sichtschutzzäunen und Planen versteckten Ruinen erst an unserem dritten Tag in Belgrad.

Sonnenuntergang auf der Festung von Belgrad

Gleich am ersten Tag eilen wir im Schein der untergehenden Sonne durch den Park Kalemegdan. Genau im richtigen Moment stehen wir – mit ungezählten anderen Romantikern – am Westrand der Festung von Belgrad auf einem Felsen.

Unter uns der Zusammenfluss von Donau und Sava, hinter uns die Festung Beogradska Tvrđava, vor uns die Skyline von Novi Beograd, und darüber der Sonnenuntergang. Die Zeit bleibt stehen während wir hier verweilen und das Naturschauspiel genießen, das mit jeder Minute farbenprächtiger wird.

Serbien: Sonnenuntergang von der Festung Belgrad aus gesehen. Foto: Beate Ziehres

Sonnenuntergang über dem Zusammenfluss von Save und Donau, von der Festung Belgrad aus gesehen.

Zwischen Altem und Neuen Palast sowie Nationalversammlung

Bei einem Bummel durch Belgrad komme ich am Palastkomplex, bestehend aus dem Alten und dem Neuen Palast, vorbei. Die beiden repräsentativen Gebäude entstanden unter der Herrschaft der Dynastien Obrenović und Karađorđević.

Zwischen den beiden Schlössern und dem Gebäude der serbischen Nationalversammlung, kurz Skupština genannt, erstreckt sich selbst im Oktober ein Meer von bunten Blüten. Die Stelle am Bulevar Kralja Aleksandra ist bei Touristen sehr beliebt für ein Selfie mit dem Alten Palast, dem heutigen Rathaus, im Hintergrund. Mir gefällt die Ansicht des Parlamentsgebäudes hinter dem bunten Blumenteppich jedoch besser.

Serbien: Gebäude der serbischen Nationalversammlung in Belgrad. Foto: Beate Ziehres

Über bunte Blumen hinweg gesehen: das Gebäude der serbischen Nationalversammlung in Belgrad.

Fußgängerzone Knez Mihailova

Die Straße Knez Mihailova, benannt nach dem Fürsten Mihailo, ist Einkaufszentrum, Fußgängerzone und gute Stube der Stadt. Hier wechseln sich schicke Boutiquen, die luxuriösen Läden weltbekannter Designer, Wechselstuben und Hotels ab.

Die Knez Mihailova führt vom Platz der Republik mit dem Denkmal des Fürsten Mihailo, dem Nationalmuseum und dem Nationaltheater zum Park Kalemegdan. Dazwischen prächtige Häuser und viele Brunnen – ich muss zugeben, dass ich mich schon beim ersten Bummel verliebt habe in diese Straße.

Serbien: Knez Mihailova in Belgrad. Foto: Beate Ziehres

Mein Stadtbild: die Einkaufsstraße Knez Mihailova in Belgrad, Serbien.

Novi Sad, Serbien

Mein Lieblingsbild entsteht in der Dämmerung eines regnerischen Spätnachmittags auf dem Freiheitsplatz in Novi Sad. Das Rathaus und die Marienkirche, die zu den  eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten Novi Sads zählen, prägen den Freiheitsplatz.

Novi Sad ist die zweitgrößte Stadt Serbiens und Hauptstadt der autonomen Provinz Vojvodina. Man nennt Novi Sad auch das „serbische Athen“.

Die Architektur und der Geist von Novi Sad zeugen von einer multikulturellen Einwohnerschaft. In der Vojvodina leben neben Serben auch Deutsche, Ungarn, Slowaken, Kroaten, Rumänen und Bulgaren.

Einer von ihnen soll laut Ruzica – zumindest vorübergehend – Albert Einstein gewesen sein. Seine erste Frau, Mileva Marić, stammte aus der Provinz Vojvodina. Man vermutet, dass sie maßgeblich an der Entwicklung der Relativitätstheorie beteiligt war.

Serbien, Novi Sad, Freiheitsplatz. Foto: Beate Ziehres

Mein Lieblingsbild: der Freiheitsplatz in Novi Sad bei Regen und in der Dämmerung.

Über der Stadt an der Donau liegt die monumentale Festung Petrovaradin. Die Unterstadt der Festung stellt mit ihren engen Gässchen und den Barockgebäuden einen eigenen, von der Donau umflossenen Stadtteil dar. Leider ist es schon dunkel, als wir an den mächtigen Festungsmauern vorbeifahren. Und auf dem Programm steht mit Sremski Karlovici ein weiteres Kleinod.

Wissenswert zu Novi Sad:

  • Auf der Festung Petrovaradin findet jedes Jahr im Juli das Musikfestival EXIT statt.
  • In diesem Jahr ist Novi Sad Europäische Jugendhauptstadt.
  • In 2021 wird die Stadt mit dem hübschen Donaustrand als erste Stadt außerhalb der EU Kulturhauptstadt Europas.

Ovčar-Kablar Schlucht

Im Herzen von Serbien liegt zwischen den Bergen Ovčar und Kablar eine atemberaubend schöne Schlucht, die Ovčar-Kablar Schlucht. Der Fluss Zapadna Morava hat die Schlucht in das Gebirgsmassiv gewaschen.

Während einer Bootsfahrt vom Kurort Ovčar Banja zum mittelalterlichen Kloster Nikolje – einem von insgesamt elf Klöstern am Ufer des Flusses Zapadna Morava – ist mein Bild zum Thema Berge entstanden.

Serbien: Bootsfahrt in der Ovcar-Kablar Schlucht. Foto: Beate Ziehres

Berge und statt Meer ein Fluss: Bootsfahrt in der Ovcar-Kablar Schlucht.

Auf seinem 27 Kilometer langen Weg durch das Gebirge bildet der Fluss drei charakteristische Schleifen. Zwei davon ähneln einem Gänsehals, weshalb sie auch Gänsehals-Mäander genannt werden. Womit wir bei der Kategorie „Tier oder Pflanze“ angekommen wären ;-).

Das Bild, das ich ausgewählt habe, zeigt auffliegende Enten vor den bewaldeten Hängen des Berges Ovčar. Und es zeigt die Stimmung eines wunderschönen Nachmittags in unberührter Natur.

Serbien: Ovcar-Kablar Schlucht. Foto: Beate Ziehres

Pflanzen und Tiere in der Ovcar-Kablar Schlucht, Serbien.

Topola und der Hügel Oplenac

In der zentralserbischen Region Sumadija, etwa 80 Kilometer südlich von Belgrad, liegt die kleine Stadt Topola. Die bedeutendste Sehenswürdigkeit dieser Gegend ist die Kirche St. Georg auf dem Berg Oplenac.

Sehenswert: Mausoleum der Königsfamilie Karađorđević

In Topola dreht sich alles um die königliche Dynastie Karađorđević. Denn in dieser Gegend wurde Karadjordje, der gewählte Anführer des ersten serbischen Aufstandes gegen das osmanische Reich und Begründer der Dynastie, geboren.

Auf dem Berg Oplenac befindet sich das Mausoleum der Königsdynastie. König Peter I. Karađorđević stiftete die Kirche St. Georg in Gedenken an Karadjordje, den „schwarzen Georg“.

Das Äußere der Kirche aus weißem Marmor ist schon sehr beeindruckend, das Innere jedoch atemberaubend. Ich kann mich nicht sattsehen an den Mosaiken, die wirklich jeden Zentimeter der Innenwände und Decken bedecken. Dies gilt auch für die Krypta unter der Kirche. Diese Sehenswürdigkeit muss man wirklich gesehen haben.

Serbien, Sehenswürdigkeiten: Kirche St. Georg auf dem Oplenac in Topola. Foto: Beate Ziehres

Bunte Sehenswürdigkeit auf dem Hügel Oplenac in Topola, Serbien: Kirche St. Georg.

Weinfest in Topola

Auf dem Weg vom Ortskern von Topola auf den Berg Oplenac passieren wir das traditionelle Weinfest von Topola. Natürlich bieten die Händler hier neben Kunst- und anderem Handwerk Wein von den Hängen des Oplenac sowie regionale Obstbrände an.

Aber ich habe den Eindruck, dass der Fokus um die Mittagszeit eindeutig auf einer Grundlage für die guten Tropfen liegt. Über den Menschenmassen, die sich hier zwischen den Ständen hindurch schieben, hängt eine einzige, verführerisch duftende Rauchwolke. Womit ich in der Kategorie „Fremdländisch oder einheimisch“ angelangt bin.

Serbien: Spanferkel auf dem Weinfest in Topola. Foto: Beate Ziehres

Fremdländisch: Spanferkel auf dem Weinfest in Topola, Serbien.

Die armen Schweine sind übrigens nicht die einzigen Tiere, die ihr Leben anlässlich dieses Fests lassen mussten. Ein paar Meter weiter dreht sich ein schon schwer mitgenommener Ochse am Spieß.

Weitaus ansprechender finde ich die Eintopfgerichte, die überall in riesigen Tontöpfen auf glühenden Kohlen brodeln. Die aufsteigenden Dämpfe duften so verführerisch!

Serbien: Auf glühender Kohle gegarte Eintopfgerichte auf dem Weinfest in Topola. Foto: Beate Ziehres

So exotisch kocht man auf dem Balkan: Eintopfgerichte auf dem Weinfest in Topola, Serbien.

Mit einem ordentlichen Hunger bringe ich jetzt meinen Beitrag zur legendären Fotoparade 2019 von Michael auf Erkunde die Welt zum Abschluss. Es war wieder einmal ein Vergnügen, die Herausforderung anzunehmen und entsprechende Bilder auszusuchen!

Mehr Lektüre über Serbien

Wer nach diesem kleinen Exkurs nach Serbien mehr lesen möchte, findet hier Lesefutter:

  • Marion von Escape from Reality war mit mir unterwegs. Sie hat Serbien auf die Liste ihrer 10 Lieblingsreiseziele aus Lonely Planets Best in Travel 2020 aufgenommen.
  • Anita verdeutlicht auf Travelita, warum Serbien ein Reiseland für Outdoorfans ist.
  • Katharina Perlbach hat schon 2015 hier auf Lillies Dairy 7 Gründe für einen Urlaub in Serbien aufgelistet.
  • Janine von Gepackt & Los! hat Serbien während eines Balkan-Roadtrips besucht. Hier ist ihre Route.

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Stendal – Genießertour durch Stadt und Umland https://www.reiselust-mag.de/stendal/ Mon, 15 Jul 2019 19:17:24 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=3557 Als Altmarkbloggerin habe ich eine regelrechte Genießer-Reise durch den Norden Sachsen-Anhalts unternommen. Die Hansestadt Stendal war ein Höhepunkt der Tour – kulinarisch und kulturell.

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[Werbung] Als Altmarkbloggerin zu erkunden, was Stendals Felder, Ställe und Küchen bieten – das klang wie eine Verheißung in meinen Ohren. Und meine Erwartungen wurden erfüllt. Doch zuerst ein paar Worte zur Hansestadt Stendal: Die Kreisstadt des Landkreises Stendal liegt nahe der Elbe 120 Kilometer westlich von Berlin und rund 55 Kilometer nördlich von Madgeburg. Kirchen und Stadttore der Hansestadt sind im Stil der Backsteingotik erbaut und von beeindruckender Pracht. Sie sind ein sichtbares Zeichen mittelalterlichen Reichtums. Albrecht der Bär, Markgraf von Brandenburg, gründete Stendal im Jahr 1160.

Regionale Produkte für Genießer

Als Altmarkbloggerin war ich drei Tage im Südosten der Altmark unterwegs, um regionale Produkte und die Erzeuger kennenzulernen. Weil viele landwirtschaftliche Betriebe inzwischen auf Direktvermarktung setzen, habe ich auch Hofläden besucht. So stand das Thema Essen und Trinken im Vordergrund dieser Reise, die sich als wahre Tour für Genießer entpuppt hat. Der erste Tag galt der Hansestadt Stendal.

Taubentanz – eine historische Marke erwacht zu neuem Leben

Geschmackvoller kann eine kulinarische Tour durch die Altmark wohl nicht beginnen: Ich sitze in der Privatbrauerei Stendal, vor mir diverse Flaschen und Gläser mit den innovativen Erzeugnissen des Startups.

Norman Schönemann und Leonie Schneider haben den traditionsreichen Stendaler Namen „Taubentanz“ wiederbelebt. Craftbeer, Pils, Bierbrand und Gin aus der Stendaler Privatbrauerei tragen bisher diesen Namen.

Stendal, Taubentanz Bierbrand – Foto: Beate Ziehres

Keine alltägliche Spirituose: Bierbrand.

Doch wenn es nach den beiden Gründern geht, kommen bald weitere Produkte dazu. Während andere den Feierabend vor dem Fernseher verbringen, tüfteln die Beiden in der Küche an neuen Rezepturen. Derzeit gilt ihre Aufmerksamkeit Bierlikör, Fassbrause und der Wiedergeburt des „Stendaler Bitterer Tropfen“.

Stendal, Stendaler Privatbrauerei, Leonie Schneider und Norman Schönemann – Foto: Beate Ziehres

Leonie Schneider und Norman Schönemann betreiben die Stendaler Privatbrauerei.

Um es klar zu sagen: Die Brauerei und die Brennerei sind das Hobby von Norman Schönemann und Leonie Schneider. Die umtriebigen Stendaler verdienen ihren Lebensunterhalt mit Personalvermittlung.

Im Frühjahr 2017 dachte Norman Schönemann erstmals darüber nach, sein eigenes Bier zu brauen. Nach der Lektüre von zwei Büchern wusste er, wie es geht. Im Frühsommer des gleichen Jahres lud er die Presse ein und stellte die neue Brauerei vor.

Stendal, Taubentanz Bierauswahl – Foto: Beate Ziehres

Bierauswahl der Stendaler Privatbrauerei.

Seitdem geht es Schlag auf Schlag: Aus der ersten 30-Liter-Brauanlage wurde eine 300-Liter-Anlage. Im vergangenen Jahr verkaufte die Stendaler Privatbrauerei 150.000 Flaschen Pils und Craftbeer. Diese Menge entstand allerdings nicht alleine in der Mini-Brauerei, in der ich mich gerade befinde. Einen Teil des Biers lässt Schönemann inzwischen in Colbitz nach seiner Rezeptur brauen.

In der kleinen Destille, die ebenfalls in der Betriebsstätte Platz gefunden hat, brennt Norman Schönemann Bierbrand und neuerdings auch Gin. „Gin läuft zurzeit sehr gut. Wir haben seit dem Verkaufsstart vor drei Monaten schon 400 Liter verkauft.“

Stendal, Brennerei der Stendaler Privatbrauerei – Foto: Beate Ziehres

Die Brennerei.

Das Rezept für einen eigenen Gin-Cocktail haben mir Leonie Schneider und Norman Schönemann verraten:

Rezept Gin Täubchen

4 cl Taubentanz-Gin
1 TL TK-Erbsen
frische Minze
200 ml Tonic Thomas Henry zum Aufgießen
Das ganze wird in einem Rotweinglas serviert.

Bier und Spirituosen der Marke Taubentanz sind bei Edeka in Stendal und Umgebung, bei Olivenbaum am Markt in Stendal und in der lokalen Gastronomie erhältlich.

Stendal, Stendaler Privatbrauerei: Norman Schönemann, Leonie Schneider, Sibylle Paetow, Björn Gäde, Beate Ziehres – Foto: Björn Menzel

Besuch in der Stendaler Privatbrauerei: (von links) Norman Schönemann, Leonie Schneider, Sibylle Paetow, Björn Gäde, Beate Ziehres – Foto: Björn Menzel

Stallbaum – Obst und Gemüse aus Stendal

Knackig frische Äpfel aus regionalem Anbau noch im Sommer? Das gibt es selten. Doch die Stallbaums in Stendal können damit dienen. Der landwirtschaftliche Betrieb, der neben anderem Kernobst, Spargel und Getreide 16 Sorten Äpfel anbaut, nutzt ein neuartiges Verfahren, um die Äpfel haltbar zu machen.

Während der Altmarkblogger-Tour besuche ich den Betrieb in Stadtrandlage. Hier lerne ich Juniorchef André Stallbaum kennen.

Stendal, Stallbaum: magere Kirschernte dieses Jahr: André Stallbaum – Foto: Beate Ziehres

André Stallbaum rechnet in diesem Jahr mit einer mageren Kirschernte.

Er erlaubt mir, einen Blick ins Langzeitapfellager werfen. Eine absolute Ausnahme, wie Stallbaum betont. „Die Äpfel werden bei 1,5 Grad Celsius in sehr stickstoffreicher Luft gelagert. Dadurch werden die Äpfel in eine Art Winterschlaf gebracht.“ 110 Tonnen Äpfel können die Stallbaums auf diese Weise lagern.

„Bei einem Sauerstoffgehalt von nur 1,5 Prozent kann man nicht einfach mal kurz nach den Äpfeln schauen.“ André Stallbaum

Bei unserem Rundgang über die Felder entdecke ich einige Bereiche mit einem violetten Blütenmeer. Hier wächst als Zwischenfrucht Phacelia, eine Düngepflanze. Die Blüten sind ein gefundenes Fressen für Bienen und Hummeln, nachdem  Kirsch- und Apfelbäume verblüht sind.

Stendal, Stallbaum: Biene in Phacelia-Blüte – Foto: Beate Ziehres

Biene an Phacelia-Blüte.

Nun warten André Stallbaum und seine Eltern Carola und Uwe Stallbaum auf die Ernte. In der Zwischenzeit können die  Landwirte nur mit Bewässerung auf Wetterkapriolen wie Dürre oder Hitze reagieren. „Wir müssen die Apfelsorten anbauen, die gegessen werden“, verdeutlicht André Stallbaum. Da eine Baumgeneration etwa 20 Jahre lang Erträge bringt, ist der Obstbauer gut beraten, Trends frühzeitig aufzuspüren und gegebenenfalls andere Sorten anzupflanzen.

So haben die Stallbaums im vergangenen Herbst erstmals die Sorte Pinova geerntet, die jetzt im Verkauf ist. In diesem Jahr kommen Topaz und Wellant als neue Sorten dazu. Doch André Stallbaum liebäugelt auch mit den sogenannten alten Sorten. Zu Testzwecken hat der Betrieb Gravensteiner und den Seestermüher Zitronenapfel angepflanzt.

 

Stendal, Scheunenladen Stallbaum: AltmarkBlogger-Besuch auf der Kirschplantage – Foto: Björn Gäde

Gespräch in der Kirschenplantage – Foto: Björn Gäde

Hofgut Uchtspringe – tierische und pflanzliche Produkte aus liebevoller Hand

Das Hofgut Uchtspringe ist ein Bauernhof wie aus dem Bilderbuch: Neben der Zufahrt scharren Hühner unter den Bäumen, im Stall grunzen Schweine und ein paar Türen weiter schauen mich Kaninchen neugierig aus ihrem Stall heraus an. Auch das Kälbchen, das mit der Hand aufgezogen wird, streckt die Nase in die Linse meiner Kamera.

Altmark, Hofgut Uchtspringe: Kälbchen. Foto: Beate Ziehres

Neugieriges Kälbchen auf dem Hofgut Uchtspringe, Altmark.

In diesem Ambiente, in dem die Zeit still zu stehen scheint, arbeiten 60 Menschen mit Behinderung. Und vor allem mit Hingabe. „Unsere Mitarbeiter entscheiden sich bewusst dafür, auf dem Hofgut zu arbeiten“, sagt Dörthe Wallbaum. Sie ist Leiterin des sozialen Dienstes in den Werkstätten und stellvertretende Werkstattleiterin der Lebenshilfe in der Region Stendal.

In den Gewächshäusern des Hofs gedeihen Blühpflanzen und Tomaten, auf den Beeten darum herum anderes saisonales Gemüse. Wir dürfen Mairübchen, Kohlrabi, Möhren und Radieschen kosten. Das Gemüse schmeckt wie frisch aus dem Garten: sehr lecker! Dazu gibt es Brote mit Wurst, die aus dem Fleisch der Tiere vom Hofgut hergestellt sind. Die Wurst überzeugt mich so sehr, dass ich einen kleinen Vorrat mit nach Hause nehme.

Stendal, Uchtspringe, Hofgut: Tomatenpflanzen – Foto: Beate Ziehres

Tomatenpflanzen auf dem Hofgut in Uchtspringe.

Stendal, Uchtspringe, Hofgut: Mittagsimbiss aus eigener Herstellung – Foto: Beate Ziehres

Alles aus eigener Produktion: Mittagsimbiss auf dem Hofgut Uchtspringe.

„Wir haben kein Bio-Siegel, aber wir sind Bio“, erklärt Torsten Reumann, Leiter des Hofguts Uchtspringe, den Geschmack. Die Kühe und Rinder sind heute draußen auf der Weide. Man sieht förmlich, wie gut es ihnen auf den saftigen Wiesen im Quellgebiet der Uchte gefällt. Sie liegen im Schatten alter Bäume und käuen wieder.

Torsten Reumann sagt, dass sich die 43 Tiere der Herde aufhalten können, wo sie wollen: entweder im Stall oder auf der Weide. Tiere, Menschen und Natur werden hier achtungsvoll behandelt, trotzdem steht der Versorgungsgedanke auf dem Hofgut im Vordergrund.

Stendal, Uchtspringe, Hofgut: Torsten Reumann, Dörthe Wallbaum – Foto: Beate Ziehres

Sind verantwortlich dafür, dass auf dem Hofgut alles läuft und gedeiht: Torsten Reumann und Dörthe Wallbaum.

Regelmäßig sind Kinder hier in Uchtspringe zu Gast, um Landwirtschaft so zu erleben, wie sie eigentlich funktionieren sollte. Und wenn sich bei diesem Anlass ein Kind in ein Kaninchen verliebt, darf der Nager gegen einen entsprechenden Obolus auch umziehen.

Bio Edelpilze Altmark – aus Liebe zum Pilz

Vasyl Shvedyk liebt Pilze, seit er denken kann. Er ist in den Karpaten geboren. Dort ist es üblich, im Sommer Pilze zu sammeln, um im Winter etwas zu essen zu haben. In Deutschland hat er die Pilze immer vermisst.

Als er sich mit seiner Familie vor einigen Jahren im Stendaler Ortsteil Heeren auf einem verlassenen Bauernhof niederließ, ging für Vasyl Shvedyk ein Traum in Erfüllung: Endlich hatte er genug Platz für die Pilzzucht.

Nachdem er recherchiert und ein paar Bücher gelesen hatte, ging es los. Seitdem wachsen im ehemaligen Schweinestall Austernsaitlinge, Shiitake und andere Arten. Vasyl Shvedyk hat sich auf den kontrolliert ökologischen Anbau von Edel-, Vital- und Heilpilzen spezialisiert.

Heilpilz? Was hat das zu bedeuten, frage ich Vasyl Shvedyk. Und schon stehen wir im ehemaligen Schweinestall, in dem es jetzt nach Pilzen riecht.

„Wichtig ist, dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit stimmen. Außerdem mögen Pilze Sauerstoffaustausch und natürliches Licht.“ Vasyl Shvedyk

Bei 15 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit gedeihen die besonderen Pflanzen am besten.

Vasyl Shvedyk greift in eines der vielen Regale und holt ein Stück Substrat mit braunen, glänzenden Pilzen darauf heraus. Es ist der Glänzende Lackporling, auch Reishi oder Lingh Zhi genannt. Der Pilz erhöht den Sauerstoffgehalt im Blut. Auf dieser Eigenschaft beruht die heilende Wirkung.

Stendal, Heeren, Bio Edelpilze Altmark, Vasyl Shvedyk und Heilpilz Reishi – Foto: Beate Ziehres

Vasyl Shvedyk zeigt uns den Heilpilz Reishi.

Ein halbes Jahr muss Reishi wachsen, bis er geerntet werden kann. Andere Pilzarten wachsen da sehr viel schneller. Der Austernsaitling braucht beispielsweise nur vier Wochen. Doch es geht auch noch sehr viel langsamer. „Ich wollte einmal Trüffel probieren“, schmunzelt Vasyl Shvedyk. „Aber die brauchen fünf bis 7 Jahre.“

So ist er erst einmal bei Saitlingen, Shiitake und Co. geblieben. Zwei Tonnen Edelpilze erntet Vasyl Shvedyk jedes Jahr. Die frischen Pilze und Produkte, die die Familie selbst entwickelt und herstellt, werden im Hofladen (siehe unten) oder im Internet verkauft.

Regional einkaufen in Stendal

In Hofläden, Verkaufswagen und -ständen sowie auf dem Bauernmarkt werden regionale Produkte aus der Altmark angeboten. Oft kommen Obst und Gemüse direkt vom Feld. Auch hausgemachte Wurst, Wilderzeugnisse und Kräuter sind hier erhältlich. Einkäufe direkt beim Landwirt folgen der nachhaltigen Idee. Denn die Wege sind kurz und die Betriebe vor Ort werden gestärkt.

Bauernmarkt in der Hansestadt

Im ehemaligen Feuerwehrhaus in der Bruchstraße findet zweimal wöchentlich der Bauernmarkt Stendal statt. Hier kaufen Sie Eier und Kartoffeln, Gemüse aus regionaler Ernte, geräucherten Fisch, frisches Geflügel und hausgemachte Wurst – alles direkt von Erzeugern aus der Region.

Die Tore öffnen sich dienstags zwischen 9 und 13 Uhr zum kleinen Bauernmarkt. Der große Bauernmarkt findet samstags von 8 bis 12 Uhr statt.

Scheunenladen Stallbaum

Im Scheunenladen Stallbaum ist augenfällig, dass die Äpfel hier im Mittelpunkt stehen. Der landwirtschaftliche Betrieb in Stendal verkauft 90 Prozent des nachhaltig erzeugten Obstes über den Scheunenladen.

Altmark, Stendal: Im Scheunenladen Stallbaum vermarktet die Familie Äpfel aus eigener Ernte. Foto: Beate Ziehres

Stendal: Im Scheunenladen Stallbaum vermarktet die Familie Äpfel aus eigener Ernte.

Süßkirschen von den Plantagen hinter dem Scheunenladen finden hier ebenso reißenden Absatz wie Spargel vom eigenen Feld. Dazu kommen Produkte, die aus Erzeugnissen des Hofes selbst hergestellt wurden: beispielsweise phantasievolle Saft-Kreationen wie Apfel-Rhabarber (köstlich!) oder reiner Jonagold-Apfelsaft, Marmeladen und Gewürzgurken.

Altmark, Stendal: Katergurke im Scheunenladen Stallbaum. Foto: Beate Ziehres

Stendal: Selbstgemachte Katergurken im Scheunenladen Stallbaum.

Stendal, Scheunenladen Stallbaum: selbstgemachte Säfte – Foto: Beate Ziehres

Säfte aus dem eigenen Obst gibt es im Scheunenladen Stallbaum.

Auch der Phacelia-Honig, den die Bienen eines Imkers auf den Flächen der Stallbaums sammeln, ist im Laden erhältlich. „Grundsätzlich soll alles, was wir hier verkaufen, auch in der Region gewachsen sein“, sagt André Stallbaum. Das gilt auch für Käse, Lamm- und Wild-Salami sowie Kräuter anderer Anbieter.

Uwe und Carola Stallbaum, Andrés Eltern, haben den landwirtschaftlichen Betrieb 1994 gegründet. Seit einigen Jahren konzentriert sich das Familienunternehmen mit dem Scheunenladen auf die Direktvermarktung ihrer Erzeugnisse.

Stendal, Scheunenladen Stallbaum: Eingangsbereich – Foto: Beate Ziehres

Kräuter, edle Salami-Arten und Bio-Käse gibt es im Scheunenladen Stallbaum.

Öffnungszeiten des Scheunenladens: Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, Samstag von 9 bis 12 Uhr

Während der Spargel- und Kirschenzeit ist der Scheunenladen täglich schon ab 8 Uhr geöffnet, auch an Sonn- und Feiertagen. Nach dem Ende der Kirschenzeit (etwa Anfang August) geht der Scheunenladen bis zum Start der Apfelsaison Anfang September in die Sommerpause. Mehr Informationen auf der Webseite des Scheunenladens.

Hofladen Hofgut Uchtspringe

Im Hofladen des Hofguts Uchtspringe ist alles im Angebot, was der Hof selbst und Werkstätten der Lebenshilfe hervorbringen: Eier, Wurst aus dem Fleisch der eigenen Tiere, Gemüse der Saison, Jung- und Zierpflanzen im Frühjahr, Trauerfloristik im Herbst sowie Enten und Weihnachtsschmuck im Winter. Keramik kommt aus der Werkstatt der Lebenshilfe in Tangerhütte.

Altmark, Uchtspringe: Hofladen. Foto: Beate Ziehres

Eingang des Hofladens auf dem Hofgut Uchtspringe.

Am 3. Samstag im September lädt die Lebenshilfe üblicherweise zum Hofgutfest nach Uchtspringe. Dann werden im holzgefeuerten Ofen des Backhauses Schweinekeulen und Sauerkraut zubereitet. Die Menschen in der Region wissen das zu schätzen. „Das Hofgutfest lockt zwischen 1500 und 2000 Besucher an“, erzählt Dörthe Wallbaum.

Doch das Hofgut beteiligt sich auch an Veranstaltungen in der Region. So ist der Hofladen traditionell beim Steinfelder Bauernmarkt, dem größten Bauernmarkt der Altmark, anzutreffen.

Öffnungszeiten des Hofladens in Uchtspringe: Montag bis Donnerstag 9 bis 16 Uhr, Freitag 9 bis 15 Uhr

Ab-Hof-Verkauf Bio Edelpilze Altmark in Heeren

Bei unser Ankunft im Hofladen von Bio Edelpilze Altmark in Heeren ist das Haus Shvedyk gerade in Feierlaune. Am Abend zuvor wurde ein Produkt des kleinen Unternehmens mit einem Kulinarischen Stern des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet: die Pauerstoff Shiitake-Hanf-Brotjes.

Der Snack besteht aus Hanfsaat und frischem Shiitake. Der Pilzanteil beträgt 50 Prozent, verrät Vasyl Shvedyk und reicht uns Pauerstoff zum Probieren. Schmeckt gut!

Vor zwei Jahren kam ein Produkt aus Heeren in der Kategorie Feinkost und Konserven zu Sternen-Ehren. Es waren zu Antipasti verarbeitete Pilze.

Stendal, Heeren, Bio Edelpilze Altmark, Vasyl Shvedyk – Foto: Beate Ziehres

Zu den Ladenöffnungszeiten bietet Vasyl Shvedyk frische Pilze an.

Neben frischen Pilzen – darunter auch der Heilpilz Reishi – sind im Hofladen Pilzprodukte aller Art erhältlich. Die Familie Shvedyk hat für die eigenen handwerklich hergestellten Feinkostprodukte den Markennamen pylz. entwickelt. Die Lebensmittel aus selbst produzierten Rohstoffen kommen ohne Zusatz von künstlichen Aromen und Konservierungsstoffen aus. So stehen in den Regalen beispielsweise Köstlichkeiten wie Pilzöle und Pilzleberwurst.

Stendal, Heeren, Bio Edelpilze Altmark, Hofladen – Foto: Beate Ziehres

Auch selbstgemachte Pilzöle sind bei Bio Edelpilze Altmark im Angebot.

Für alle Leser, die gerne Pilze essen, habe ich ein raffiniertes Rezept aus Heeren mitgebracht und es auch gleich ausprobiert. Es schmeckt köstlich!

Rezept gefüllte Shiitake

Für ein Abendessen für zwei Personen benötigen Sie:

12 mittelgroße Shiitake (ohne Stiele)
Zitronensaft
Salz
Pfeffer

Zubereitung: Pilzhüte mit feuchtem Küchenkrepp abreiben, mit Zitronensaft beträufeln und mit Salz und Pfeffer leicht würzen.

Kräuterbutter zubereiten aus
65 gr. Butter, mit einer Gabel zerdrückt
1 große Knoblauchzehe, gepresst oder zerdrückt
Salz
1 Bund Petersilie, kleingehackt

Kräuterbutter auf die vorbereiteten Pilzhüte geben. Pilze in eine feuerfeste Form setzen und im vorgeheizten Backofen bei 200 °C etwa 10 bis 15 Minuten garen.

Dazu passen Stangenweißbrot und Salat.

Öffnungszeiten des Hofladens 2024: Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag 9 bis 12 Uhr

In 2024 ist im Hofladen jeder Samstag ein „Fauler Samstag“.  Denn jeden Samstag gibt es auf Bestellung die ganz frisch zubereitete „Pilzpfanne to go“.

Webseite Bio Edelpilze Altmark

Stendal, Heeren, Bio Edelpilze Altmark, Vasyl Shvedyk, Beate Ziehres – Foto: Sibylle Paetow

Vasyl Shvedyk, Gründer von Bio Edelpilze Altmark, hat Besuch. Foto: Sibylle Paetow

Essen gehen in Stendal

Warum nicht einfach mal andere kochen lassen? In den Küchen der Restaurants in Stendal kocht man deutsch, mediterran oder auch asiatisch. Während der Altmarkblogger-Tour habe ich zwei Restaurants kennengelernt. Und ein drittes Restaurant muss unbedingt Erwähnung finden, denn es wurde von Gourmets getestet und empfohlen.

Kutscherstube

Das Restaurant Kutscherstube am Markt in Stendal wurde in diesem Jahr erst neu eröffnet. Passend zum Namen gibt es rustikale Requisiten und Dekorationsobjekte. Doch im Grunde ist die Einrichtung modern und ansprechend, ebenso wie die Speisekarte. Die Auswahl klingt vielversprechend und mir fällt die Entscheidung nicht leicht.

Stendal, Kutscherstube – Foto: Beate Ziehres

Blick in die neu gestaltete Kutscherstube.

Weil sich die Spargelzeit dem Ende zu neigt, will ich das Edelgemüse noch einmal genießen. Deshalb bestelle ich Spargel mit gebratenem Zanderfilet. Meine Begleiter entscheiden sich für Cordon Bleu und Bauernfrühstück. Alles schmeckt gut und kann ohne Wenn und Aber weiterempfohlen werden. Auch Sonderwünsche wie die zweite Gurke zum Bauernfrühstück hat die Küche erfüllt.

Stendal, Kutscherstube, Spargel mit gebratenem Zanderfilet – Foto: Beate Ziehres

Spargel mit gebratenem Zanderfilet …

Stendal, Kutscherstube; Cordon Bleu – Foto: Beate Ziehres

… und Cordon Bleu.

Zum Essen gibt es ein original Stendaler Bier der Marke Taubentanz. Schließlich ist die Erinnerung an den vormittäglichen Besuch in der Stendaler Privatbrauerei noch lebendig. Ein frischer Genuss nach einem ereignisreichen Tag – herrlich!

In der Kutscherstube hat meine Genießertour durch Stendal einen gelungen Abschluss gefunden. Ich habe an diesem Abend keinen weiten Weg mehr vor mir, sondern genieße die Gastfreundschaft im Hotel Schwarzer Adler, zu dem die Kutscherstube gehört.

Déjà Vu Food Lounge

Montagmittag in Stendal und der Magen knurrt. In dieser Situation fällt die Wahl auf die Déjà Vu Food Lounge. Die richtige Entscheidung, wie sich später herausstellen soll. Es vergeht nicht viel Zeit, und schon steht vor mir der bestellte Rucola-Salat mit Rindfleisch-Streifen. Pinienkerne, ein Balsamico-Dressing und geriebener Käse vervollständigen den italienisch angehauchten Genuss.

Stendal, Déjà Vu, Rucola-Salat mit Beef-Streifen – Foto: Beate Ziehres

In der Déjà Vu Food Lounge in der Stendaler Innenstadt habe ich einen Rucola-Salat mit Beef-Streifen probiert.

Im Déjà Vu sitzt man lässig in kleinen Ledersesseln und genießt die entspannte Atmosphäre. Durch die großen Fensterscheiben habe ich das Treiben in der Fußgängerzone Breite Straße in Sicht. Unterhaltsam und nett!

Atrium

Regionale Zutaten aus der Altmark werden im Restaurant Atrium in der Breiten Straße zu feinen Gerichten verarbeitet. Im Sommer stehen beispielsweise frische Pfifferlinge auf der Speisekarte. Daneben Entecôte vom Black Angus Rind oder Wolfsbarschfilet mit cremigem Tomaten-Risotto, gebratenen Pilzen aus der Altmark und grünem Spargel. Das Atrium ist im Restaurantführer Gault&Millau gelistet und hat 13 Punkte beziehungsweise eine Kochmütze erhalten.

In der warmen Jahreszeit trifft man sich hier zu Kaffee und Kuchen oder zum Essen im grünen Innenhof oder im Apfelgarten. Innen hat das Atrium, das Genießer aus der ganzen Region nach Stendal lockt, 30 Sitzplätze.

Stendal, Atrium – Foto: Beate Ziehres

Eingang des Atrium in der Breiten Straße

Museen, Kultur und Sehenswürdigkeiten in Stendal

Während einer Genießertour durch Stendal kommt auch der Kulturgenuss nicht zu kurz. In Stendal gibt es einige Museen. Das Winckelmann-Museum habe ich besucht. Außerdem laden in der Kreisstadt das Altmärkische Museum und das Landesfeuerwehrmuseum Sachsen-Anhalt ein.

Das Theater der Altmark hat ein eigenes Ensemble, das zu Gastspielen oft in der ganzen Altmark unterwegs ist. Hier haben einige bekannte Schauspieler ihre ersten Erfolge gefeiert, darunter „Derrick“ Horst Tappert. Tappert hatte sich beim Theater der Altmark eigentlich als Buchhalter beworben.

Ein Rundgang durch die Altstadt Stendals gleicht einer Reise in die Blütezeit der Hanse. Auf den Wegen der Backsteingotik können Sie Geschichte und Geschichten entdecken.

Winckelmann-Museum

Stendaler kennen das Winckelmann-Museum vielleicht noch als Kindermuseum. Doch inzwischen wurde das Museum neu konzipiert. Die Ausstellung präsentiert modern und sehr eindrücklich alles Wissenswerte rund um Johann Joachim Winckelmann.

Winckelmann ist ein Sohn Stendals. Er wurde 1717 als Sohn einer Schusterfamilie in einem kleinen Häuschen geboren, das an der Stelle des heutigen Museums stand. Sein Weg von der Grundschule über die Lateinschule bis hin zum Studium wird hier gezeigt. Denn für einen Schustersohn war es keinesfalls eine Selbstverständlichkeit, eine höhere Schule zu besuchen. Doch das ist nicht der Grund, weshalb Winckelmann ein ganzes Museum gewidmet ist.

Stendal, Winckelmann-Museum, Ausstellung – Foto: Beate Ziehres

Einblicke ins Studentenleben Winckelmanns.

JoJo Winckelmann gilt als Begründer der modernen Archäologie und Kunstwissenschaft. In Rom stieg er zum berühmtesten Altertumswissenschaftler seiner Zeit auf. Seine Sicht auf die Antike beeinflusste Kunst und Architektur weltweit.

Die ständige Ausstellung im Erdgeschoss des mehrflügeligen Museumsgebäudes startet gleich mit dem Ende Winckelmanns. Er wurde im Alter von 51 Jahren in Triest ermordet.

Johann Wolfgang von Goethe schrieb über dieses finale Ereignis in Winckelmanns Leben:

„dass ein kurzer Schrecken, ein schneller Schmerz ihn von den Lebendigen hinweggenommen.“

Übrigens: Es war nicht der Gärtner, sondern ein Koch, der Winckelmann auf dem Gewissen hatte. Und er musste die Tat nicht lange mit sich herumschleppen. Der Mörder wurde gefasst und hingerichtet.

Stendal, Winckelmann-Museum, Ausstellung – Foto: Beate Ziehres

Das Museum thematisiert auch den Mord an JoJo Winckelmann.

Nicht nur im neuen Familienmuseum gibt es Exponate zum Ausprobieren und Anfassen. Museumsdirektorin Dr. Stephanie Bruer legt viel Wert auf Barrierefreiheit. So gibt es beispielsweise für Blinde und Sehbehinderte Tastmodelle. Und einen Aufzug sowieso.

Stendal, Winckelmann-Museum, Museumsleiterin Dr. Stephanie Bruer (links) und Sibylle Paetow von der LandLeute GbR – Foto: Beate Ziehres

Museumsleiterin Dr. Stephanie Bruer (links) erläutert die Ausgrabungen von Patara.

Die Stationen für Kinder bringen übrigens auch Erwachsene kurzweilig und amüsant der Antike und der Archäologie näher. Die antike Erlebniswelt mit vielen interaktiven Stationen fordert alle Sinne und macht Spaß. Wann haben Sie eigentlich zum letzten Mal Schattentheater gespielt? Im Winckelmann-Museum ist das möglich.

Stendal, Winckelmann-Museum, Schattenkino zum Mitmachen – Foto: Beate Ziehres

Im Schattentheater kann jeder zum Barden werden – macht einen Heidenspaß!

Stendal, Winckelmann-Museum, Ausstellung – Foto: Beate Ziehres

In den Ausstellungen des Winkelmann-Museums gilt es viel zu probieren und zu entdecken.

Im Außenbereich gibt es ein Archäologen-Camp, in dem die Kinder graben können. Auch  das riesige Trojanische Pferd wird im Garten wieder aufgebaut.

Öffnungszeiten Winkelmann-Museum: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr

Stendal, Winckelmann-Museum, Umbauarbeiten im Hof – Foto: Beate Ziehres

Der Hof des Wickelmann-Museums wird noch umgestaltet. Wenn alles fertig ist, soll hier das Trojanische Pferd wieder aufgebaut werden.

Sehenswürdigkeiten in Stendal

Um ein Gesamtbild von der Hansestadt Stendal zu bekommen, breche ich zu einem Stadtrundgang auf. Er beginnt auf dem Marktplatz. Der Anblick des Gebäudeensembles mit Rathaus, Gerichtslaube, Roland und der Marienkirche beeindruckt mich schon mal sehr. Hier ist noch heute der Reichtum der alten Hansestadt sichtbar. Das Marktplatzensemble soll zu den schönsten im norddeutschen Backsteinraum zählen.

Altmark, Stendal: Giebel des Rathauses und die Türme der St. Marien Kirche. Foto: Beate Ziehres

Giebel des Rathauses und die Türme der St. Marien Kirche in Stendal.

Vor der gotischen Gerichtslaube ist der steinerne Roland nicht zu übersehen. Die Figur ist mit 7,80 Metern Höhe der drittgrößte Roland Deutschlands. Das Original aus dem Jahr 1525 wurde bei einem schweren Sturm beschädigt. Deshalb sieht man heute eine originalgetreue Kopie aus dem Jahr 1974.

Stendal, Roland – Foto: Beate Ziehres

Der Roland in Stendal.

Die Marienkirche bildete den Kern der Hansestadt und zeugt noch heute vom Stolz und Reichtum der Stendaler Kaufleute. An der südlichen Außenwand der Backsteinkirche sieht man eine Sonnenuhr. Von der reichen Innenausstattung sind noch bedeutende Stücke vorhanden. Neben Altar, Kanzel und Taufbecken ist die funktionsfähige astronomische Uhr aus dem 16. Jahrhundert zu erwähnen. Uhren dieser Art findet man nur in Städten der Hanse. Leider habe ich es nicht geschafft, die Marienkirche von innen zu besichtigen. Das ist aufgehoben für meinen nächsten Besuch in Stendal.

Vorbei am Winckelmannplatz mit dem Winckelmann-Denkmal erreiche ich die Breite Straße. Die Fußgängerzone ist das innerstädtische Einkaufszentrum mit Geschäften, Restaurants, Eisdielen und Cafés – ein schöner Ort zum Verweilen.

Stendal, Breite Straße – Foto: Beate Ziehres

Die Breite Straße in Stendal.

In der Verlängerung der Breiten Straße befindet sich in der Straße Schadewachten das ehemalige Katharinenkloster mit dem Altmärkischen Museum und nebenan – nicht zu übersehen – das Tangermünder Tor.

Das aus Feld- und Backsteinen erbaute Tangermünder Tor ist ein Rest der ehemaligen Stadtbefestigung. Von hier aus kann man am Pulverturm vorbei ein Stückchen auf der Wallanlage spazieren.

Rechterhand erhebt sich nun die wichtigste und größte Kirche der Stadt: der Dom St. Nikolaus. Das heute zu sehende Bauwerk stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist ebenfalls der Backsteingotik zuzurechnen. Durch 22 kunstvoll bemalte, wertvolle Fenster aus dem späten Mittelalter zaubert die Sonne einzigartige Lichtspiele im Inneren des Gotteshauses. Der Dom beherbergt auch die größte Orgel der Altmark.

Stendal, Dom St. Nikolaus – Foto: Beate Ziehres

Stendal, der Dom St. Nikolaus.

Ich laufe weiter auf dem Westwall, komme an ehemaligen Klöstern und weiteren Kirchen vorbei zum prachtvollen Uengelinger Tor. Das Uengelinger Tor soll der schönste spätmittelalterliche Eintorturm im Gebiet der Backsteingotik sein und vergleichbar mit dem Lübecker Holstentor.

Altmark, Stendal: das Uengelinger Tor. Foto: Beate Ziehres

Stendal: das Uengelinger Tor.

Durchs Alte Dorf, den ältesten Siedlungsteil der Stadt, komme ich wieder zur Breiten Straße und spaziere zurück zum Ausgangspunkt meines Rundgangs: dem Marktplatz.

Kurioses aus der Hansestadt

  • Wohnen hinter Gittern: Das alte Gefängnis direkt neben dem Gerichtsgebäude wurde zu Wohnungen umgebaut.
  • 41 Jahre kreisfreie Stadt: 1909 schied Stendal aus dem Landkreis Stendal aus, ein eigener Stadtkreis entstand. 1950 wurde die Stadt wieder dem Landkreis zugeordnet.
  • Hansestadt auf Wunsch der Bürger: In einer Bürgeranhörung stimmten 2009 78 % der Einwohner dafür, dass Stendal in Hansestadt Stendal umbenannt wird.

Die Altmarkblogger des Jahres 2017, Monika und Petar Fuchs, haben detailliert über Stendal und die Sehenswürdigkeiten der Hansestadt geschrieben.  Hier ist ihr Bericht.

Vielen Dank an die Lokale Leader Aktionsgruppe Uchte-Tanger-Elbe, die mich zu dieser Recherche-Reise in die Altmark eingeladen und den Besuch vorbereitet hat. Als Altmarkbloggerin habe ich ein Honorar erhalten. Meine Meinung bleibt trotzdem meine eigene.

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Wolfenbüttel in 72 Stunden: unterwegs mit der echt lessig Karte https://www.reiselust-mag.de/wolfenbuettel-echt-lessig-karte/ Sun, 16 Jun 2019 17:23:27 +0000 https://www.reiselust-mag.de/?p=3282 Wolfenbüttel: Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Lessingstadt – Altstadt, Schloss Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek und das Lessinghaus – mit der echt lessig Karte entdeckt.

Der Beitrag Wolfenbüttel in 72 Stunden: unterwegs mit der echt lessig Karte erschien zuerst auf Reiselust-Mag.

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72 Stunden haben wir Zeit, um die Lessingstadt Wolfenbüttel mit der echt lessig Karte zu entdecken. So lange gilt die kleine bunte Pappkarte ab dem Kauf. Deshalb heißt es: Auf los geht’s los! Wir wollen schließlich alle Vorteile nutzen.

Stadtführung

Über Nacht hat glücklicherweise der Dauerregen aufgehört. Rechtzeitig zum Beginn der Stadtführung stehen wir an der Tourist-Information, wo wir auch unsere echt lessig Karten in Empfang nehmen. Hier am Stadtmarkt startet der geführte Rundgang in der Sommersaison jeden Tag um 11 Uhr.

Weil die Stadtführung im Preis der Karte enthalten ist, schnippelt die Mitarbeiterin der Tourist-Information mit der Schere eine kleine Ecke aus dem Pappkärtchen. Denn jede Leistung auf der Karte kann nur einmal in Anspruch genommen werden. Die Methode mit der Schere finde ich charmant altmodisch und gleichzeitig minimalistisch modern. Denn auf diese Weise wird Plastikmüll vermieden und eine Schere hat jeder im Büro. „Die denken mit in Wolfenbüttel“, denke ich mir und bin gespannt auf das, was mich erwartet.

Hauptkirche und Kornmarkt

Der Rundgang durch die Altstadt ist genau richtig, um einen ersten Eindruck von Wolfenbüttel zu gewinnen. Wir werfen von der Westseite einen Blick auf den Kornmarkt und die Hauptkirche Beatae Mariae Virginis, kurz BMV. Herzog Heinrich Julius gab den Bau der Kirche in Auftrag. Gebaut wurde von 1608 bis 1624 unter Leitung des herzoglichen Baumeisters Paul Francke.

Leider reicht die Zeit nicht, um die erste protestantische Großkirche der Welt und die Fürstengruft von innen zu besichtigen. Da ich aber schon öfter in Wolfenbüttel war, kommen hier ein paar Bilder.

Hauptkirche BMV in Wolfenbüttel – Altar. Wolfenbüttel, Hauptkirche BMV, Blick zu Orgel. Wolfenbüttel: Blick in die Fürstengruft der Hauptkirche. Oh! Wessen Sarg das wohl sein mag?

Zur Hauptkirche und zu vielen weiteren Sehenswürdigkeiten erfährt der Besitzer der echt lessig Karte auch etwas in der mitgelieferten Broschüre.

Stadtmarkt

Vom Kornmarkt geht es zurück zum Stadtmarkt mit dem Herzog-August-Denkmal. Das Gebäudeensemble am Stadtmarkt mit dem historischen Rathaus und dem etwas anderen Reiterdenkmal ist eines der beliebtesten Fotomotive der Stadt.

Gerade bei wolkenverhangenem Himmel werden hier die Geschichten aus Wolfenbüttels Vergangenheit leicht vor dem geistigen Auge lebendig. Alleine dieser Geschichten wegen lohnt sich eine Stadtführung.

Wolfenbüttel, Stadtmarkt, Rathaus, Herzog-August-Denkmal

Der Stadtmarkt in Wolfenbüttel mit dem historischen Rathaus und dem Herzog-August-Denkmal.

Bankhaus Seeliger – Fürstliche Apotheke

Es geht weiter durch die ehemalige herzogliche Residenzstadt. Ein kurzer Halt am Bankhaus Seeliger. In diesem repräsentativen Steinbau – einem der wenigen Steinhäuser der Stadt – war zu Zeiten von Herzog August dem Jüngeren von Braunschweig und Lüneburg ab 1646 die Fürstliche Apotheke untergebracht.

Wolfenbüttel: Bankhaus Seeliger, früher die Fürstliche Apotheke.

Bankhaus Seeliger, früher die Fürstliche Apotheke.

Die Stadtführerin erklärt, dass wir die Heilmittel von damals heute eher als Gewürze bezeichnen würden. Und dass die Wirkung manchmal etwas fragwürdig war.

Klein Venedig

Nun erreichen wir ein weiteres Lieblingsfotomotiv. Dieser Abschnitt des historischen Grachtensystems, das von einem niederländischen Baumeister konzipiert wurde, nennt sich Klein Venedig.

Pittoresk: Klein Venedig in Wolfenbüttel.

Pittoresk: Klein Venedig in Wolfenbüttel.

In sozialen Netzwerken gepostet sorgen Bilder dieses Anblicks mit Sicherheit für Verwirrung. In Wolfenbüttel an der Oker vermuten nur die Wenigsten diesen Kanal.

Schmalstes Haus Niedersachsens und Krambuden

Vorbei am schmalsten Haus Niedersachsens, hinter dessen Haustür wir dank des Engagements der Stadtführerin einen Blick werfen dürfen, kommen wir zu den Krambuden.

Wolfenbüttel, schmalstes Haus Niedersachsens.

Das schmalste Haus Niedersachsens im Kleinen Zimmerhof, Wolfenbüttel.

In diesem Arkadengang haben früher die Krämer ihre Waren feilgeboden. Heute befindet sich hier im Haus Krambuden 13 die „Wolfenbütteler Tortenkultur“. Inhaber der echt lessig Karte erhalten hier zu einem Stück der vielgelobten Torten ein heißes Getränk gratis.

Auch im Hosen- und Jeanshaus, Krambuden 8, hätten wir mit der echt lessig Karte Vorteile. 10 Prozent Preisnachlass gibt es hier auf den Einkauf.

Krambuden, Wolfenbüttel.

Krambuden, Wolfenbüttel.

Auf dem Weg zu den nächsten Höhepunkten Wolfenbüttels macht uns die Stadtführerin auf eine Kuriosität aufmerksam: In der Fassade eines Hauses sind ein Kanonenrohr und Kanonenkugeln als Zierelemente verarbeitet.

Extratipp: Themenführungen

Für Gruppen bietet die Stadt Wolfenbüttel einen großen Stadtrundgang an, der auch in etwas entlegenere aber nicht minder interessante Bereiche der Altstadt führt. Außerdem gibt es eine ganze Reihe von Themenführungen, zum Beispiel „Tatorte Wolfenbüttel“ oder eine Führung in die Kasematten im Seeligerpark.

Den nächsten Höhepunkten der Stadtführung widmen wir den ganzen Nachmittag. Denn sie sind einzelne Bestandteile der echt lessig Karte.

Schloss Wolfenbüttel.

Schloss Wolfenbüttel.

Schloss Wolfenbüttel und Schloss Museum

Das Schloss Wolfenbüttel ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Lessingstadt. Das vierflügelige Wasserschloss ist das zweitgrößte erhaltene Schloss in Niedersachsen. Und: Alte Bilder zeigen eine Burg, die noch größer erscheint als das heutige Schloss. Hinter den Fachwerkwänden des Schlosses residierten die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg für beinahe 500 Jahre.

Fassade des Schlosses Wolfenbüttel, Hofansicht. Irgendwo sind hier immer die Maler zugange ...

Fassade des Schlosses Wolfenbüttel, Hofansicht. Irgendwo sind hier immer die Maler zugange …

Das Schloss Museum im Schloss Wolfenbüttel gewährt einen Einblick in die fürstlichen Gemächer, die zwischen 1690 und 1740 ausgestattet wurden. Im Audienzzimmer mit dem Thron des Herzogs und im nebenan liegenden Empfangsraum wird deutlich, wie prachtvoll im frühen 18. Jahrhundert Hof gehalten wurde.

Wolfenbüttel, Schlossmuseum: Blick ins Audienzzimmer des Herzogs.

Wolfenbüttel, Schlossmuseum: Blick ins Audienzzimmer des Herzogs.

Die netten Damen um Schloss Museum sind um keine Antwort verlegen. So wundere ich mich darüber, dass das herzogliche Schlafzimmer anscheinend direkt vom Wintergarten – dem Warteraum für Besucher – aus betreten werden kann. Das sei natürlich nicht das Schlafzimmer, erfahre ich. Vielmehr hat der Herzog die Besucher auf einer Art Himmelbett liegend empfangen.

Ich genieße die Pracht des Speisezimmers, bevor ich weitergehe in den Damenflügel. Auch hier wurde an nichts gespart. Besonders witzig finde ich das Spielzimmer der Damen.

Schlossmuseum Wolfenbüttel: Spielzimmer im Appartement de la Parade. Hier vergnügten sich die Damen am Spieltisch.

Spielzimmer im Appartement de la Parade. Hier vergnügten sich die Damen am Spieltisch.

Lessinghaus

In einem hübschen gelben Haus zwischen Schloss und Bibliothek hat Gotthold Ephraim Lessing vier Jahre lang gewohnt und gearbeitet. Falls Sie es noch nicht wissen: Der Literat war als Bibliothekar in Wolfenbüttel beschäftigt. Nebenbei hatte er noch Zeit, sich unsterblich in Eva König zu verlieben, sie zu heiraten, das Trauerspiel „Emilia Galotti“ zu schreiben und das Drama „Nathan der Weise“ fertigzustellen.

Lessinghaus in Wolfenbüttel.

Lessinghaus in Wolfenbüttel.

Im Lessinghaus erinnert ein Literaturmuseum daran, dass in diesen Mauern einer der größten deutschen Dichter gewirkt hat.

Ich finde den Garten mit den blühenden Rosen bezaubernd und bin fasziniert von einer hier aufgestellten Duftstele. Beim Hochheben des Deckels verbreitet dieses wundersame Teil den Duft, der  zu Lessings Zeiten im Garten geherrscht haben soll. Es riecht wunderbar süß und ich verlasse beschwingt den Innenhof des Lessinghauses.

Wolfenbüttel: Duftstele im Garten des Lessinghauses.

Duftstele im Garten des Lessinghauses.

Herzog August Bibliothek

Nach dem Schloss und dem Lessinghaus nähern wir uns jetzt dem – in meinen Augen – absoluten Highlight auf der echt lessig Karte: der Herzog August Bibliothek, von Insidern auch HAB genannt.

Wolfenbüttel: Herzog August Bibliothek, durch die grüne Brille betrachtet.

Herzog August Bibliothek, durch die grüne Brille betrachtet.

Die Bibliothek – gegründet im Jahr 1572 von Herzog Julius – entwickelte sich unter dem gelehrten Büchersammler und Friedensfürsten Herzog August zur größten europäischen Büchersammlung. Das heutige Bibliotheksgebäude wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert im Stil eines florentinischen Palazzo gebaut. Es ersetzte die berühmte Bibliotheksrotunde, in der Lessing und Leibniz als Bibliothekare wirkten.

Als wir die Augusteerhalle betreten, stellt sich dann doch so etwas wie andächtiges Staunen ein. Das aber bald abgelöst wird vom verzweifelten Versuch, die Wirkung dieses Wunders irgendwie im Bild oder Video festzuhalten. Apropos Wunder. Ab und zu wurde die HAB als achtes Weltwunder bezeichnet.

Blick in die Augusteerhalle der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel.

Blick in die Augusteerhalle der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel.

Ebenso beeindruckend wie die Augusteerhalle finde ich den Globensaal. Ich entdecke einen Globus, der aus meinem Wohnort Helmstedt stammt, genau wie viele der in Wolfenbüttel aufbewahrten historischen Bücher. Wie das kommt, werde ich einmal in einem extra Beitrag beleuchten.

Wolfenbüttel: Blick in den Globensaal der Herzog August Bibliothek. Einer der beiden Helmstedter Globen in der Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel. Historische Schriften in der Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel

Übrigens ist hier im Globensaal auch ein Faksimile des berühmtesten Buches im Bestand der Herzog August Bibliothek zu sehen. Es ist das Evangeliar Heinrichs des Löwen, das 1983 für 32,5 Millionen D-Mark ersteigert wurde. Damit war das Evangeliar das teuerste Buch der Welt, bis Bill Gates im Jahr 1994 eine Handschrift von Leonardo Da  Vinci für 30,8 Millionen US-Dollar erwarb. Das Evangeliar Heinrichs des Löwen stammt aus dem 12. Jahrhundert und wird nur alle zwei Jahre für einen kurzen Zeitraum öffentlich ausgestellt.

Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek: Das Evangeliar Heinrichs des Löwen war einige Jahre lang das teuerste Buch der Welt – hier zwei exemplarische Seiten in einem Faksimile.

Das Evangeliar Heinrichs des Löwen war einige Jahre lang das teuerste Buch der Welt – hier zwei exemplarische Seiten in einem Faksimile.

Die Herzog August Bibliothek ist übrigens nicht nur eine Sammlung historischer Bücher mit musealem Charakter. Hier wird auch geforscht, gelesen und gearbeitet. Jeder kann sich Bücher in den Lesesaal bringen lassen.

Disc Golf spielen im Seeligerpark

Zwar gibt es in Wolfenbüttel noch viel mehr Sehenswürdigkeiten in Sachen Kultur. Doch nach diesen Hightlights, die auch von der echt lessig Karte abgedeckt werden, gelüstet uns nach etwas Bewegung an der frischen Luft. Schließlich strahlt die Sonne bei angenehmsten Temperaturen.

Deshalb marschieren wir wieder in die Tourist-Information. Diesmal um Disc-Golf Scheiben und eine Anleitung für das neuartige Outdoor-Spiel zu holen. Im Seeligerpark befindet sich ein Parcours. Der Startpunkt ist schnell gefunden, oder besser gesagt der Abwurfpunkt für die Scheibe, die einer Frisbee-Scheibe recht ähnlich ist. Er befindet sich gleich neben dem Jugendgästehaus. Doch wo muss die Scheibe hin?

Wolfenbüttel: Beate spielt Disc Golf im Seeliger-Park. Foto: Luisa Nebel

Das ist der Beweis: Ich habe das Disc Golf spielen wenigstens probiert … Foto: Luisa Nebel

Der Fangkorb steht listigerweise hinter einer Baumgruppe! Einige Mitbewohner der Blogger-WG machen eine ganz gute Figur beim Disc Golf, das muss mal gesagt werden. Die Scheiben fliegen wie Geschosse quer durch den Park und ich mache mir etwas Sorgen um Radfahrer und Spaziergänger, die leichtsinnig die Flugbahn kreuzen.

Wolfenbüttel: Das Runde muss in den runden Fangkorb – so einfach geht Disc Golf.

Das Runde muss in den runden Fangkorb – so einfach geht Disc Golf.

Von Profis, die in einem wilden Outfit die Scheiben durch den Seeliger Park schleudern, erfahren wir, dass es in Wolfenbüttel einen weiteren Parcours gibt, der sogar über ein Gewässer führen soll.

Wir bringen aber die Scheiben zurück, denn wir wollen einen weiteren Vorteil der echt lessig Karte nutzen: Rabatte in der Gastronomie.

Essen im l’Oliveto Pizza e Pasta

Da sogar Reiseblogger hin und wieder liebgewonnene Gewohnheiten schätzen, begeben wir uns zur Abendessenszeit ins l’Oliveto in der Langen Herzogstraße. Hier waren einige von uns schon einmal, das Restaurant ist uns in guter Erinnerung geblieben.

Mit Glück und nach kurzer Wartezeit können wir tatsächlich einen Tisch ergattern. Man verwöhnt uns mit Pizza – gut und riesig – und mit fantasievollen Pasta-Kreationen. Schließlich noch etwas Eis zum Nachtisch – an die Linie können wir morgen wieder denken. Vor lauter Begeisterung vergessen wir, beim Bezahlen die echt lessig Karten vorzulegen und 10 Prozent Rabatt in Anspruch zu nehmen …

Extra: KOMM Beach Club am Stadtgraben

Wo wir schon mal in Wolfenbüttel sind, statten wir gleich dem neu eröffneten KOMM Beach Club am Stadtgraben einen Besuch ab. Obwohl die echt lessig Karte hier keine Vorteile verspricht. Als „Strandwolf“ hat die Strandbar hinter der Trinitatiskirche Kultstatus erworben. Jetzt wurde sie mit einem neuen Betreiberteam unter neuem Namen wiedereröffnet. Ich finde: Die Lage am Wasser – der Graben ist eher ein Teich – und unter alten Bäumen ist genial, die Drinks schmecken und Sand unter den Füßen fühlt sich immer gut an. Was will man mehr!

Wolfenbüttel: KOMM Beach Club am Stadtgraben.

KOMM Beach Club am Stadtgraben.

Im KOMM Beach Club sind wir mit Björn Reckewell verabredet, auf dessen Initiative hin die Blogger-WG nach Wolfenbüttel gereist ist. Björn ist verantwortlich für die Tourismus- und Einzelhandelsentwicklung der Stadt Wolfenbüttel und bloggt selbst auf unterschiedlichen Kanälen. Das ist die Stelle, um Dankeschön zu sagen für die Einladung in die Lessingstadt!

Vielen Dank auch an alle Mitbewohner der Blogger-WG für die anregende Gesellschaft und die vielen neuen Ideen.

6 Fakten zur echt lessig Karte

  • Preis: 13,50 €
  • Gültigkeit: 72 Stunden ab Kauf
  • Inklusiv-Leistungen: die oben beschriebenen Erlebnisse, zusätzlich eine Stadtführungsbroschüre und ein Souvenir nach Wahl sowie weitere Rabatte und Vorteile
  • Verkaufsstellen: Tourist-Information Wolfenbüttel, Stadtmarkt 3-6; Schloss Museum Wolfenbüttel, Schlossplatz 13; Hotel Gästehaus Linden, Am Buschkopf 52;
  • Öffnungszeiten aller Museen sind in der Begleitbroschüre zur echt lessig Karte vermerkt
  • Mehr Informationen auf der Webseite der Stadt Wolfenbüttel

Über unseren Aufenthalt in Wolfenbüttel haben auch geschrieben:

  • Peter Pohle von Peters Travel, dem es in Wolfenbüttel ebenfalls die Herzog August Bibliothek besonders angetan hat: Hier gehts zu Peters Beitrag.
  • Ulli Jeute von Littlebigvoyager.de hat die Stadt mit den Augen einer Mutter betrachtet, die ihre Kinder mitnehmen möchte nach Wolfenbüttel: Hier gehts zu Ullis Beitrag.
  • Luisa Nebel von Sunnyside2go nimmt die Leser mit zu einer Reise durch die Lessingstadt und vergisst auch die Erwähnung des berühmtesten Produkts Wolfenbüttels nicht. Es ist der Kräuterlikör Jägermeister. Link zu Luisas Beitrag.

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